26. November 2003 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Symposium „Integrative Pflegeausbildung: Das Stuttgarter Modell“ im Haus der Wirtschaft

Stuttgart (SACHS) Am 26. November 2003 fand im Stuttgarter Haus der Wirtschaft ein Symposium zum Thema „Integrative Pflegeausbildung: Das Stuttgarter Modell“ statt. Nach einjähriger Erfahrung in der Umsetzung des Modellprojektes „Integrative Pflegeausbildung“ wurden der breiten Fachöffentlichkeit Evaluationsergebnisse und erste Publikationen präsentiert.

Auf der Grundlage eines ausführlichen Begründungsrahmens konzipierte eine Expertengruppe aus der Altenpflege-, Krankenpflege- und Kinderkrankenpflege die drei plus einhalbjährige „Integrative Pflegeausbildung“. Die Auszubildenden haben im Rahmen dieses innovativen Ausbildungskonzepts die Möglichkeit, sich mit zwei Berufsabschlüssen zu qualifizieren. Beide Abschlüsse sind europaweit anschlussfähig.

Der Stuttgarter Kooperationsverbund (siehe Anhang) begegnet mit dem Modellprojekt dem gesellschaftlichen Wandel sowie den strukturellen, politischen und ökonomischen Veränderungen im Gesundheitswesen. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich folgende zentrale Entwicklungen ab, die an das Berufsfeld Pflege neue Anforderungen stellen:

  • Demographischer Wandel der Gesellschaft
  • Gesteigerte Nachfrage nach Pflege, Beratung und Betreuung
  • Wandel des Krankheitsspektrums
  • Zunehmende Bedeutung von Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation
  • Expansion von Informations- und Kommunikationstechnologie im Kontext der Wissensgesellschaft
  • Herausforderungen der multikulturellen Gesellschaft.

Um dem zukünftigen Aufgabenspektrum der Pflege auf qualitativ hochwertigem Niveau begegnen zu können, wird im Stuttgarter Modell der integrativen Pflegeausbildung eine sowohl inhaltliche als auch strukturelle Reformierung der Ausbildung vorgenommen. Erweiterte Inhalte der Ausbildung beziehen sich beispielsweise auf die Anleitung und Beratung von Pflegeempfängern und ihren Bezugspersonen, Familiengesundheitspflege, Betreuung von Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, Gesundheitsförderung, Rehabilitation sowie Case-Management und Prozesssteuerung. Besonders hervorzuheben sind weiterhin die Ausbildungsprinzipien der Theorie-Praxis-Vernetzung und der Fächerintegration, durch deren Anwendung die Auszubildenden auf ein theoriegeleitetes und praxisnahes Handeln vorbereitet werden.

Die Erfahrungen des ersten Jahres machen Mut: Lehrende und Auszubildende bewerten insbesondere die Lernformen des selbstorganisierten und erfahrungsbezogenen Lernens positiv. So konnten die Auszubildenden bereits in ersten Praxiseinsätzen schwierige Pflegesituationen bewältigen und dabei auf Gelerntes zurückgreifen.
Auch der „Rollenwechsel“ der Auszubildenden und Lehrenden wird von beiden Seiten mehrheitlich als fruchtbar erlebt: Lehrende fungieren heute als Lernbegleiter und nicht mehr als bloße Wissensvermittler. Diese Tatsache entspricht den neuesten Erkenntnissen der Lernpsychologie, die belegen, dass Lernen nicht „von außen“ gemacht werden kann, sondern vielmehr ein aktiver Konstruktionsprozess ist.
Weiterhin zeigen die bisherigen Erfahrungen mit der neuen Ausbildung, dass gerade in der Trägervielfalt ein großer Gewinn für alle Beteiligten des Projektes und die Qualität der „Integrativen Pflegeausbildung“ liegt.

Informationen zur Modellausbildung:

Die elf Kooperationspartner tragen die Finanzierung der 26 Ausbildungsplätze zusammen und gestalten die weitere Entwicklung und Umsetzung des Modells gemeinschaftlich. Die Pflegeschule am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) übernimmt die Funktion der Modellschule. Darüber hinaus ist das RBK ausbildungsverantwortlicher Modellprojektträger. Das Projekt wird von der Robert Bosch Stiftung, dem Robert-Bosch-Krankenhaus und dem Sozialministerium Baden-Württemberg gefördert. Das Institut für angewandte Pflegeforschung (iap) der Universität Bremen begleitet unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Görres das gesamte Projekt wissenschaftlich und evaluiert die einzelnen Projektphasen.

„Eckdaten“ zum ersten Modellkurs:

  • Start des ersten Modellkurses am 01. Oktober 2002
  • 26 Auszubildende (19 Frauen und sieben Männer) im Alter von
    17 bis 29 Jahren
  • jeweils acht Auszubildende wählen den Schwerpunkt Krankenpflege und Kinderkrankenpflege, zehn entscheiden sich für den ersten Berufsabschluss in der Altenpflege.

Die Aus-, Fort- und Weiterbildung eines qualifizierten Nachwuchses ist für alle Kooperationspartner eine wertvolle Investition in die Zukunft. Das Robert-Bosch-Krankenhaus ist mit der Entwicklung und Erprobung des neuen Ausbildungsmodells, der Einrichtung von Lernwerkstätten im praktischen Ausbildungsfeld und der Etablierung eines interdisziplinären Bildungszentrums in der Zukunft maßgeblich am Reformprozess in der Pflegeausbildung beteiligt.

Die Kooperationspartner im Modellprojekt:

Caritasverband für Stuttgart e.V.
Haus St. Monika, Stuttgart
Haus Martinus, Stuttgart

Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.
Fachschule für Altenpflege

Evangelische Heimstiftung e.V. Stuttgart
Württembergisches Lutherstift

Klinikum Stuttgart
Olgahospital, Kinderkrankenpflegeschule

Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung
Pflegeheim St. Vinzenz, Filderstadt

Rems-Murr-Kliniken
Kinderklinik Waiblingen, Kinderkrankenpflegeschule

Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart
Krankenpflegeschule
(ausbildungsverantwortlicher Modellprojektträger)

Samariterstiftung
Ökumenische Diakonie- und Sozialstation, Sillenbuch
Samariterstift, Ostfildern

Stiftung Evangelische Altenheimat
Emma-Reichle-Heim, Stuttgart

Vinzenz von Paul Kliniken GmbH
Marienhospital Stuttgart, Krankenpflegeschule

Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg
Else-Heydlauf-Stiftung, Stuttgart

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