28. April 2004 | Robert-Bosch-Krankenhaus

„Leuchtturmprojekt“ für Prävention und Gesundheits-förderung am Robert-Bosch-Krankenhaus

Bundesministerium prämiert Arbeit der Klinik für Geriatrische Rehabilitation

Eine besondere Auszeichnung ging an die Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK).  Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung wählte die Arbeit des Chefarztes der Klinik, Dr. Clemens Becker, und seiner Mitarbeiter als sein sogenanntes „Leuchtturmprojekt“ aus. Das Ministerium wird dieses Projekt am 29. und 30. April bei einem Kongress in Berlin vorstellen.

Fünf Ministerien veranstalten gemeinsam den Kongress, der unter dem Thema „Gesellschaft mit Zukunft – Altern als Herausforderung für Prävention und Gesundheitsförderung“ steht: Es sind die Bundesministerien für Gesundheit und Soziale Sicherung, für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, für Wirtschaft und Arbeit, für Bildung und Forschung und für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Jedes dieser Ministerien präsentiert dabei ein bereits erprobtes, modellhaftes „Leuchtturmprojekt“, das die Chancen der Prävention älterer Menschen aufzeigt.

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung hat die Arbeit von Dr. Clemens Becker als herausragendes Beispiel benannt und ihn gebeten, die von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten Projekte zum Thema Sturzprävention und Mobilität älterer Menschen auf dem Kongress vorzustellen. Der Arbeitsgruppe von Dr. Becker am Robert-Bosch-Krankenhaus gelang es nachzuweisen, dass mehr als 40 % der Stürze älterer Menschen verhindert werden könnten. Dadurch ließen sich auch viele der mehr als 200.000 jährlichen Krankenhauseinweisungen aufgrund sturzbedingter Knochenbrüche vermeiden. Becker und seine Mitarbeiter entwickelten spezielle Programme für ältere Menschen, um Stürzen vorbeugend entgegenzutreten: Unter anderem durch das Training von Kraft und Balance, das Vermeiden von Schlaftabletten und die individuelle Anpassung des Wohnraums ist es möglich, die Wahrscheinlichkeit zu stürzen, zu verringern. Direkt umsetzen und erproben kann die Arbeitsgruppe ihre Erkenntnisse bereits seit längerer Zeit in der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am RBK. Insbesondere sturzgefährdete Patienten profitieren dort von den verschiedenen Angeboten zur Sturzprävention.

Das Konzept überzeugte auch verschiedene Krankenkassen, die nun die Umsetzung des Projektes auch andernorts fördern: Selbst Bewohner von Altenheimen können mittlerweile erfolgreich an den Programmen teilnehmen. Das große Interesse an Präventionsmöglichkeiten für ältere Menschen hat durchaus seinen Grund. Dr. Becker erläutert die Hintergründe für seine Arbeit: „Die Alterung der Gesellschaft stellt eine enorme Herausforderung für das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme dar. Hierfür muss auch das Bild des Älterwerdens adjustiert werden. Denn lange galt ungeprüft, dass Prävention  überwiegend bei jungen oder erwerbstätigen Menschen sinnvoll ist, aber im höheren Lebensalter unwirksam ist. Das Ziel einer möglichst behinderungsfreien Lebensführung und auch gesellschaftlich finanzierbaren Versorgung kann aber nur verwirklicht werden, wenn Chancen für die Prävention auch bei Älteren konsequent genutzt werden. Der demografische Wandel führt ohne Prävention und Gesundheitsförderung zu einer Medizin der Schadensfälle, die mit hohen Kosten und Verlust der Selbständigkeit verbunden ist.“

Das Projekt hat mit der Umsetzung seines Programms und der Auszeichnung des Bundesministeriums zwar bereits viel erreicht, die ehrgeizigeren Ziele liegen aber noch vor ihm. So soll es in den nächsten zwei Jahren gelingen, gerade bei sehr alten Menschen die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche um 25 % zu senken.

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