13. März 2005 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Memory Ambulanz am Robert-Bosch-Krankenhaus eingerichtet

Umfassende interdisziplinäre Diagnostik und gezielte Behandlungsangebote

Vor kurzem wurde das Angebot zur Diagnostik und Behandlung für demenziell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen in Stuttgart erweitert. In der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus hat eine Memory Ambulanz eröffnet.

Demenzerkrankungen sind nicht heilbar. Sie können aber in ihrem Verlauf positiv beeinflusst werden, wenn die Art der jeweiligen Demenzerkrankung frühzeitig und genau diagnostiziert wird und auf dieser Basis dann geeignete therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden können. Genau hier setzt die sogenannte Memory Ambulanz an, die jetzt am Robert-Bosch-Krankenhaus eingerichtet wurde. Ullrich Hipp, der Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses, erläutert das Ziel des neuen Angebots: „Wir wollen mit der Memory Ambulanz dazu beitragen, die Selbständigkeit von älteren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in ihrem vertrauten Wohnumfeld möglichst lange zu erhalten. Krankenhausaufenthalte und unnötige Medikamentengabe sollen vermieden werden.“ Ein wichtiger Aspekt sei auch die kompetente Betreuung der Angehörigen, deren Risiko, an einer Depression zu erkranken, besonders hoch ist.

Ein wichtiger Baustein des Angebots ist die Früh- und Differenzialdiagnostik von Demenzen. Für den Erstkontakt wird ein Besuch in der häuslichen Umgebung angeboten. An einem weiteren Termin beschäftigt sich ein Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen (Neurologie, Psychiatrie, Innere Medizin und Geriatrie), Psychologen und Sozialarbeitern umfassend mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen. Ergänzend können sämtliche diagnostischen Möglichkeiten des Robert-Bosch-Krankenhauses genutzt werden. Nun schließt sich eine ausführliche Beratung des Patienten und seiner Angehörigen an sowie eine Empfehlung zur Weiterbetreuung und Medikation an den Hausarzt.

Bei Bedarf steht Patienten und Angehörigen auch in der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus ein zeitlich befristetes, ambulantes Angebot zur Verfügung. An 10 Tagen über 10 Wochen werden den Betroffenen Gruppen- und Einzeltherapien angeboten. Diese umfassen kognitive Aktivierung und Biographiearbeit sowie Ergo- und Bewegungstherapie oder Psychotherapie. Für Angehörige gibt es spezielle Angehörigengruppen, in denen es um medizinisch-psychiatrische Informationen, Beratung, Kompetenzerweiterung und Erfahrungsaustausch geht.

Die Memory Ambulanz ist als Projekt der Integrierten Versorgung konzipiert, bei dem die AOK Baden-Württemberg, das Furtbachkrankenhaus und eine Reihe von Hausärzten mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus kooperieren. Somit gilt das Angebot nur für Patienten der AOK Baden-Württemberg.
„Integrierte Versorgung“ bedeutet, dass starre Sektorengrenzen überwunden und die Kooperation zwischen stationärem und ambulanten Bereich intensiviert werden. Entsprechend ist für die Memory Ambulanz auch die enge Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Hausarzt besonders wichtig. Dr. Petra Koczy, Psychologin am Robert-Bosch-Krankenhaus, betont: „So kann jedem Patienten ganz individuell eine durchgängige und abgestimmte Betreuung geboten werden - sowohl beim vertrauten Hausarzt als auch in der spezialisierten Facheinrichtung der Klinik.“

Weitere Informationen über das Angebot der Memory Ambulanz gibt Frau Dr. Petra Koczy (Telefon: 0711-8101-3158).

Zusatzinformation:
Mit Demenz bezeichnet man eine chronische, fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die mit Ausfallerscheinungen vor allem in den Bereichen Gedächtnis, Denken, Urteilsfähigkeit und Orientierung
verbunden ist. Diese Ausfallerscheinungen machen sich durch Vergesslichkeit und unpräzises Denken, Orientierungslosigkeit, Sprachstörungen, eingeschränktes Urteilsvermögen und Persönlichkeitsveränderungen sowie Antriebsverlust bemerkbar.

Eine Demenz entwickelt sich in der Regel im höheren Lebensalter. Ihr Erscheinungsbild ist außerordentlich vielfältig. Zu den häufigsten Formen gehört die Alzheimer-Krankheit. Bundesweit gibt es rund 1 Million Demenzkranke; in Baden-Württemberg sind rund 120.000 Menschen betroffen. Bis zum Jahr 2050 rechnen Experten mit einer Verdopplung der Krankheitsfälle.

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