14. März 2005 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Prävention bei älteren Menschen - Bundesweit wegweisendes Projekt erfolgreich abgeschlossen
Das in Deutschland bislang größte Präventionsprojekt zur Verhinderung von Mobilitätseinschränkungen und Stürzen bei älteren Menschen ist erfolgreich abgeschlossen. Der Projektleiter Dr. Clemens Becker ist als Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus tätig. Er wird die Ergebnisse des Modellprojekts am 17. März bei einer Tagung in Ulm der Öffentlichkeit vorstellen.
Hinfallen ist teuer fürs Gesundheitssystem: rund eine Milliarde Euro kosten bundesweit die Behandlungen, die durch Oberschenkelhalsbrüche entstehen. Durch Stürze nimmt jährlich die Zahl der folgenschweren Brüche um ein Fünftel zu. Gerade ältere Menschen, die unsicher auf den Beinen sind, betrifft dies.
Dabei könnten ein großer Teil dieser Stürze und auch die Kosten, die damit verbunden sind, von nun an verhindert werden. Das bislang größte Modellprojekt Deutschlands, das sich der Verhinderung von Mobilitätseinschränkungen und Stürzen verschrieben hat, legt jetzt seine Studienergebnisse vor.
Mehr als 500 ältere Menschen aus Ulm, Neu-Ulm und Heidenheim wurden in ein neu entwickeltes Trainingsprogramm integriert, das Balance, Kraft und Gehfähigkeit der Teilnehmer verbessern sollte. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 82 Jahren. Alle hatten bis zur Teilnahme deutliche Schwierigkeiten und Beeinträchtigungen gehabt, ihren Alltag zu meistern. Sie lebten, wie dreiviertel der über 80jährigen bundesweit, selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden.
Das ambulant durchgeführte Training zeigte große Wirkungen: die Anzahl der Stürze verringerte sich um ein Drittel, schwere Verletzungen wurden dadurch, dass die Teilnehmer sich körperlich schnell sicherer fühlten, auf ein Minimum reduziert.
Noch im Mai dieses Jahres will der Bundesrat über ein Präventionsgesetz im Gesundheitsbereich beraten. Wie viele Kosten die Krankenkassen mit Hilfe eines solchen Gesetzes im Gesundheitssystem der Bundesrepublik einsparen könnten, zeigt das Ulmer Modell beispielhaft. Projektleiter Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart: „Nach dem, was wir heute wissen, muss man etwa einen Euro ausgeben, um vier Euro Kosten zu vermeiden“. Gerade im Hinblick darauf, dass nach Oberschenkelhalsbrüchen viele alte Menschen ihre eigenen vier Wände verlassen und in ein Altenheim umziehen müssten, ließen sich weitere „…viele, viele Millionen einsparen“, so Dr. Becker.
Während die Forscher sich eigentlich nur eine bessere Gehfähigkeit und zunehmende Kraft ihrer Teilnehmer versprochen hatten, brachte das Projekt einen unerwarteten Nebeneffekt, der aufhorchen lässt: Angst und Depressionen nahmen bei den Trainierenden erheblich ab, was ihre Lebensqualität wiederum ziemlich verbesserte.
Die konkreten Forschungsergebnisse werden am 17. März 2005 auf einer Tagung in Ulm vorgelegt werden. Dazu werden mehr als 300 interessierte Forscher, Vertreter der Ministerien, Therapeuten und Krankenkassenvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet.
