04. Juni 2007 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Internationales Konsortium unter Beteiligung des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart identifiziert neue Brustkrebsgene.

Im Rahmen einer internationalen Kooperation des Breast Cancer Association Consortiums unter der Leitung der Universität Cambridge, Großbritannien (Federführung, Prof. Douglas Easton und Prof. Bruce Ponder) ist es gelungen, das erbliche Brustkrebsrisiko weiter aufzuklären.

Die Fachzeitschrift Nature berichtete in ihrer Online-Ausgabe vom 27. Mai 2007 darüber (Easton et al. Genome-wide association study identifies novel breast cancer susceptibility loci. Nature 2007, doi:10.1038/nature05887). Mit einem hochleistungsfähigen Untersuchungsverfahren wurde in einem ersten Schritt an 800 Frauen überprüft, ob bestimmte der zahlreichen in der Bevölkerung vorkommenden Varianten einzelner Gene mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung stehen. Dazu wurde das Erbgut der Frauen auf einem DNA-Chip untersucht, der rund eine Viertelmillion verschiedener Genvarianten repräsentierte. Diejenigen 30 Genvarianten, für die der stärkste Zusammenhang gezeigt werden konnte, wurden anschließend in einer beispiellosen internationalen Kooperation genauer durchleuchtet: Um eine Korrelation dieser Kandidaten mit dem Brustkrebsrisiko zu verifizieren, wurden in 23 Zentren aus Europa, USA, Australien und Asien nahezu 50.000 Frauen untersucht.

Schätzungsweise sind 5 bis 10 Prozent aller Brustkrebsfälle erblicher Natur und treten familiär gehäuft auf. Etwa 25 Prozent davon lassen sich auf Mutationen in den beiden bekannten Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 zurückführen. Das Breast Cancer Association Consortium entdeckte nun vier neue Gene, deren Varianten weitere 4 Prozent des erblichen Brustkrebsrisikos erklären.

Ein wesentlicher Beitrag dazu wurde mit Hilfe des Deutschen GENICA-Kollektivs, einer populationsbasierten Fall-Kontroll-Studie zur Erforschung von Brustkrebsgenen, eingebracht. Das GENICA-Kollektiv umfasst über 2.200 Frauen, die in den Jahren 2000 bis 2004 in der Studienregion Bonn unter Leitung von Prof. Yon-Dschun Ko, Johanniter-Krankenhaus und Universität Bonn, und Prof. Thomas Brüning, Berufsgenossenschaftliches Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin Bochum, rekrutiert wurden. Die wissenschaftlichen molekulargenetischen Untersuchungen an diesem Kollektiv wurden am Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), Stuttgart, von Prof. Hiltrud Brauch federführend geleitet. Diese Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit mit Prof. Ute Hamann vom Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg durchgeführt. 

Am Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (Institutsleiter Prof. Matthias Schwab) am Robert-Bosch-Krankenhaus, einer Einrichtung der Robert Bosch Stiftung, wird schwerpunktmäßig die Identifizierung von Genen zur Erforschung von Krankheitsursachen und Therapieoptimierung mittels moderner Hochleistungstechnologien zur Genomanalyse vorangetrieben.

Die am IKP durchgeführten wissenschaftlichen Arbeiten sind wesentlicher Bestandteil des am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart etablierten Zertifizierten Brustzentrums. Die enge interdisziplinäre Vernetzung insbesondere mit den Abteilungen für Gynäkologie (Prof. Dr. Wolfgang Simon), Onkologie (Prof. Dr. Walter Aulitzky), Labormedizin (Prof. Dr. Cornelius Knabbe) und Pathologie (Privatdozent Dr. German Ott) unterstützt die gemeinsamen Aktivitäten beider Stiftungseinrichungen einer patientennahen Forschung mit dem Ziel der individualisierten Diagnose und Therapie.

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