25. Mai 2007 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Der RBK-Wissenschaftler Dr. Jan Wehkamp ist im April 2007 in das Exzellenzprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Nachwuchsforscher aufgenommen worden.
Neben dem Prestigegewinn für das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) und das angeschlossene Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) bedeutet die Aufnahme in das sogenannte Emmy Noether-Programm eine Gesamtförderung von etwa 1,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Geförderte darf sich zur Elite unter dem bundesdeutschen Forschungsnachwuchs zählen. Dr. Wehkamp forscht an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Die Fördermittel wird der 33-jährige Preisträger für den Aufbau eines erweiterten Forschungsteams und die Anschaffung spezieller Geräte verwenden.
Der am 8. Januar 1974 in Bremen geborene Dr. med. Jan Wehkamp hat einen harten Auswahlprozess hinter sich und kann bereits in jungen Jahren beachtliche wissenschaftliche Leistungen vorweisen, die auf eine exzellente Forschungskarriere schließen lassen. Während und nach seinem Studium an der medizinischen Fakultät in Lübeck (Medizinische Approbation und Dr. med. im Jahr 2001; Thema der Doktorarbeit: Körpereigene Antibiotika (Defensine) bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen) hielt er sich mehrfach zu Forschungszwecken in den USA auf, zuletzt im Jahr 2005, als ihn die University of California zum Fakultätsmitglied und Gruppenleiter ernannte - eine besondere Geste gegenüber einem ausländischen Wissenschaftler. 2006 erhielt er mit dem Ernst-Jung-Preis die in Deutschland und Europa bisher höchst dotierte Auszeichnung für Nachwuchsmediziner.
Im Jahr 2001 folgte er nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität Kiel als Assistenzarzt seinem Doktorvater Professor Eduard Stange in die Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie ans Robert-Bosch-Krankenhaus nach Stuttgart. Die Forschungsaktivitäten des Abteilungsleiters und Chefarztes Stange im Verbund mit dem der Klinik angeschlossenen Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie waren für den Jungforscher ideale Voraussetzungen, um in seiner wissenschaftlichen Arbeit voranzukommen. So befasst er sich nun seit etwa 10 Jahren mit der weit verbreiteten chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Die Forschungsgruppe um Wehkamp und Stange hat herausgefunden, dass der Mangel an bestimmten körpereigenen Abwehrstoffen (Defensine) in engem Zusammenhang mit der Erkrankung steht. Der Schwerpunkt der weiteren wissenschaftlichen Arbeit, die nun für fünf Jahre durch das Emmy Noether-Programm gefördert wird, liegt daher auf der Entschlüsselung der entsprechenden Entstehungsmechanismen im Körper, die - wie die Gruppe um Wehkamp zeigen konnte - auch durch die individuelle Erbanlage disponiert sind. Wenn Wehkamps und Stanges Vermutung zutrifft, könnte die Darmentzündung durch Medikamente zur Stärkung der körpereigenen Abwehr (Defensine) behandelt werden. Das wäre ein enormer Fortschritt in der Therapie von Morbus Crohn.
Wehkamp betont, dass er im RBK-IKP-Forschungsverbund, dessen ausdrückliches Ziel die patientennahe Forschung ist, exzellente Voraussetzungen vorfindet, um in einem flach organisierten Forschungsgefüge mit ausgezeichneter Infrastruktur kreativ und erfolgreich sein zu können. Die Interdisziplinarität des Instituts bietet dem Mediziner die Möglichkeit der Vernetzung zu Biologen und Pharmakologen. Professor Matthias Schwab, Leiter des IKP, unterstützt die Forschungsgruppe um Wehkamp und vermutet: „Möglicherweise stellen die wissenschaftlichen Ergebnisse von Dr. Wehkamp viele bisherigen Erkenntnisse zur Darmerkrankung Morbus Crohn auf den Kopf. Bald können dann u. U. Medikamente entwickelt werden, die die erblich bedingte, gestörte Abwehr der Darmbakterien beeinflussen, um die Entstehung der Erkrankung zu verhindern oder zu verzögern.“
Professor Eduard Stange ist erfreut über die bisherige Laufbahn seines „Zöglings“. Er meint: „Das Außergewöhnliche für Mediziner am RBK ist neben vielem anderen die Chance zu forschen. Dank der Forschungsstipendien und der zeitweisen Freistellung vom Klinikbetrieb können wir junge Talente gezielt fördern. Das Stiftungskrankenhaus ist in dieser Hinsicht mit einem Uniklinikum vergleichbar.“
Weitere Infos erhalten Sie unter
www.rbk.de
www.ikp-stuttgart.de
www.dfg.de

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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