27. November 2007 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Hilft Sturzprävention, bei alten Menschen Frakturen zu vermeiden?
Studie der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus
Die Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus analysiert in einer Studie gemeinsam mit dem Institut für Epidemiologie der Universität Ulm und der Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie der Universität Leipzig, ob durch ein spezielles Trainingsprogramm und entsprechend gestalteter räumlicher Umgebung Stürze bei alten Menschen in Pflegeheimen vermieden bzw. reduziert werden können.
Die auf drei Jahre angelegte wissenschaftliche Untersuchung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der AOK Bayern mit rund 460.000 Euro gefördert.
Bei alten Menschen kommt es aufgrund von Gangunsicherheit vermehrt zu Stürzen und in deren Folge zu Frakturen – vor allem der Hüfte. Dabei ist die Zahl der Knochenbrüche in Pflegeheimen besonders hoch. Dies ist nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern mindert auch Lebensqualität und Lebensdauer der Betroffenen.
Bereits im Jahr 1998 hat Privatdozent Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus, mit dem Universitätsklinikum Ulm das so genannte Ulmer-Modell entwickelt. Es handelt sich um ein Programm, das das gesamte Umfeld des alten Menschen mit einschließt und zur Vermeidung von Stürzen führen soll: Neben Kraft- und Balancetraining werden der Einfluss der Medikamente überprüft und die Mitarbeiter der Pflegeheime im Risikomanagement sturz- und frakturgefährdeter Personen geschult, außerdem die Umgebung angepasst – Lichtverhältnisse optimiert, Bewegungssensoren installiert und Haltegriffe angebracht.
In der jetzt gestarteten Studie werden vom Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) von der Arbeitsgruppe um Dr. Kilian Rapp, Klinik für Geriatrische Rehabilitation am RBK, bis zum Jahr 2010 rund 1.000 Pflegeheime in Bayern mit zirka 85.000 Bewohnern, die das Ulmer-Modell übernommen haben, untersucht: Rapps Team evaluiert die Zahl der Hüftfrakturen, die bei diesen Pflegeheimbewohnern auftreten. Denn bislang ist nicht bekannt, inwieweit Knochenbrüche aufgrund von Sturzpräventionsmaßnahmen tatsächlich reduziert werden können. Kontrollgruppe sind alle Bewohner der Einrichtungen, die während des Beobachtungszeitraums noch nicht ins Präventionsprogramm aufgenommen wurden. Die Evaluation wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell unterstützt. „Das Projekt und seine Auswertung sollen dazu beitragen, die durch Stürze bedingte Verschlechterung der Lebensbedingungen und Lebensqualität bei Pflegeheimbewohnern zu reduzieren“, unterstreicht Dr. Kilian Rapp die Bedeutung der Studie.
