23. Oktober 2008 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Neues Verfahren der Herzklappentherapie für Hochrisiko-Patienten am Robert-Bosch-Krankenhaus

Mit 93 Jahren litt Hedwig Widmann unter den Auswirkungen einer starken Aortenklappen-Verengung. Atemnot, Brustschmerzen und häufige Ohnmachtsanfälle waren Anzeichen einer zunehmend lebensbedrohlichen Situation. Wegen des hohen Alters der Patientin kam eine Operation nach herkömmlicher Methode nicht in Frage. Eine neu eingeführte Operationsmethode gab Hoffnung: Am 22. September 2008 setzte das Herzchirurgen-Team des Robert-Bosch-Krankenhauses unter Leitung von Chefarzt Privat-Dozent Dr. Ulrich Franke in minimal-invasivem Verfahren eine Herzklappe durch die Herzspitze (transapikal) ein. Fünf Wochen später hat Hedwig Widmann die Reha-Behandlung im Robert-Bosch-Krankenhaus abgeschlossen und kann in ihren Alltag zurückkehren.

Eine verengte oder undichte Aortenklappe ist eine häufige Alterserscheinung. Folge ist eine mangelnde Durchblutung des Herzens, des Gehirns und der Arm- und Beinmuskulatur. Um derartige Fehlfunktionen zu beheben, wird im herkömmlichen Verfahren das Brustbein mit einem etwa 25 cm langen Schnitt geöffnet, um die kranke Herzklappe durch eine Herzklappe von Schwein oder Rind zu ersetzen. Das Herz wird in dieser Phase stillgelegt und seine Funktion durch die Herz-Lungen-Maschine übernommen.

Während für relativ junge und gesunde Patienten diese Methode gut geeignet ist, birgt sie für Patienten, die ein hohes Alter, Begleiterkrankungen oder bereits eine Herz-OP hinter sich haben, häufig so große Risiken, dass eine Operation nicht durchgeführt werden kann. Gerade der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist in solchen Fällen hochkritisch.

Neuartiges Verfahren

Bei der neuen, minimal-invasiven Operationsmethode wird die Öffnung des Brustbeins durch einen kleinen Schnitt von ca. 6 cm ersetzt, durch den eine zusammengepresste Herzklappe über einen Herzkatheter eingebracht und entfaltet wird. Dabei wird der Schnitt unterhalb der Brust gesetzt und die Klappe über die Herzspitze eingeführt. Die verkalkte alte Klappe wird zuvor „gesprengt“ und durch die neue Klappe an die Herzwand gepresst.

Auf eine Herz-Lungen-Maschine kann bei dieser Methode verzichtet werden. Die Operation dauert nur etwa halb so lang wie die herkömmliche Methode, entsprechend verkürzt sich auch die Zeit der Narkose und der künstlichen Beatmung. Zudem verheilt der kurze Schnitt sehr schnell und leicht. Diese Faktoren bedingen, dass auch Hochrisiko-Patienten, für die die herkömmliche Methode ausgeschlossen werden muss, eine Herzklappen-Operation gut vertragen.

„Die ersten transapikalen Implantationen von Aortenklappen wurden 2006 in den USA, in Kanada und dann in Leipzig durchgeführt“, so Chefarzt Dr. Franke. „Die Ergebnisse haben bewiesen, dass es sich um eine exzellente Methode handelt, mit der wir uns in den vergangenen zwei Jahren intensiv auseinandergesetzt haben. Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter, dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Medizin hat deshalb die wichtige Aufgabe, geeignete Behandlungs- und Operationsformen zu finden. Die Möglichkeit, Herzklappen miminalinvasiv auch ohne Herz-Lungen-Maschine zu implantieren, ist eine zukunftsweisende Erweiterung des medizinischen Angebots im Robert-Bosch-Krankenhaus. Ganz wichtig ist dabei, dass Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam diese neue OP-Methode anwenden, da die fachliche Erfahrung beider für die sichere Anwendung unbedingt nötig ist.“

„Meine Herzprobleme waren zuletzt so schlimm, dass ich kaum noch atmen, nichts mehr tragen und keine Treppen mehr laufen konnte“, sagt Hedwig Widmann. „Die Entscheidung für die Operation war ein schwerer Schritt. Jetzt bin ich glücklich, dass ich ihn gegangen bin.“ Nach der Operation lag Hedwig Widmann für insgesamt zwei Wochen im Krankenhaus. Bei einem dreiwöchigen Aufenthalt in der dem Haus angeschlossenen Klinik für Geriatrische Rehabilitation wurden anschließend durch Übungen die Muskeln wieder aufgebaut. Nun freut sich die 93-Jährige darauf, nach Hause zu ihren drei Söhnen, fünf Enkeln und ihrem Urenkel zurückzukehren.

Bildmaterial auf Anfrage

Hedwig Widmann mit dem Chefarzt der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie des Robert-Bosch-Krankenhauses, Privat-Dozent Dr. Ulrich Franke
Hedwig Widmann gemeinsam mit dem Operationsteam (2. v.l.: Prof. Dr. Udo Sechtem, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie, 3.v.l.: Privat-Dozent Dr. Ulrich Franke)

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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