31. August 2009 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Neue Wege in der Herzdiagnostik
Bundesweite Studie zum Einsatz der Magnetresonanztomografie in der Kardiologie vorgestellt
Die Magnetresonanztomografie (MRT) stellt für Untersuchungen des Herzens ein relativ junges Verfahren dar. Als besonders schonende Methode kommt sie seit etwa fünf bis zehn Jahren zunehmend zum Einsatz. In einer erstmals durchgeführten deutschlandweiten Registerstudie mit mehr als 11 000 untersuchten Patienten wurde nun nachgewiesen, dass die MRT andere Verfahren wie Nuklearmedizin, Computertomografie oder Herzkatheter bei bestimmten Fragestellungen ersetzen kann. Geleitet wurde die Studie von Dr. Heiko Mahrholdt, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart mit Chefarzt Prof. Dr. Udo Sechtem, und Dr. Oliver Bruder, Kardiologe am Elisabeth-Krankenhaus Essen, die ihre Ergebnisse heute beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Barcelona vorgestellt haben. Insgesamt 20 deutsche Herzzentren haben an der Studie teilgenommen.
Bildgebende Verfahren
Bei Verdacht auf koronare Herzerkrankungen, Herzschwäche oder andere Erkrankungen des Herzmuskels kommen für die Diagnosestellung unter anderem verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Dazu gehören neben Ultraschall vor allem nuklearmedizinische Untersuchungen, die Herz-Computertomografie sowie die Herzkatheteruntersuchung, bei denen die Bilder mittels Röntgenstrahlen erzeugt werden. Für die Herzkatheteruntersuchung wird dem Patienten zusätzlich ein dünner, biegsamer Kunststoffschlauch über die Leiste bis zum Herzen eingeführt, über den vor den Röntgenaufnahmen Kontrastmittel direkt ins Herz gespritzt wird.
Die MRT erzeugt ähnlich wie die Computertomografie Schnittbilder, benötigt dafür jedoch keine Röntgenstrahlen, sondern ausschließlich Magnetfelder und Radiowellen. Mit einer einzigen Untersuchung können dabei Größe und Funktion des Herzens gemessen sowie Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen genau charakterisiert werden. Weite Verbreitung findet das Verfahren seit etwa fünf bis zehn Jahren, seitdem bekannt ist, dass mit der MRT auch kleinste Narben und Entzündungsherde im Herzen erkannt werden können.
Ergebnisse
„Eines unserer zentralen Ergebnisse war, dass die MRT-Untersuchung bei 80 Prozent der Patienten alle Informationen liefern konnte, die zur Stellung der korrekten Diagnose nötig waren – eine weitere Untersuchung, zum Beispiel mit dem Herzkatheter oder einem anderen Verfahren, war oft nicht mehr nötig“, erklärt Dr. Mahrholdt. „Ein wesentlicher Grund für dieses Ergebnis ist neben der Vielseitigkeit des Verfahrens die gute Bildqualität, die die MRT-Untersuchung bei mehr als 98 Prozent der Patienten lieferte.“
Bei mehr als 60 Prozent der Patienten wurde auf Basis der MRT-Ergebnisse die zuvor festgelegte Therapie geändert. Dies war insbesondere bei älteren Patienten der Fall, die häufig komplexere Krankheitsbilder aufweisen. Bei 16 Prozent wurde sogar eine ganz neue Diagnose gestellt. Die vorliegenden Daten zeigen auch, dass der Einsatz der MRT in der klinischen Routine sehr sicher ist. Schwere Komplikationen traten bei nur fünf der untersuchten 11 040 Patienten auf, was 0,05 Prozent entspricht. Kein Patient ist während oder als Folge der MRT-Untersuchung gestorben.
„Bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit muss sich der Patient in vielen Fällen einer Herzkatheteruntersuchung unterziehen“, so Dr. Mahrholdt. „Bei unserer Studie hat sich jedoch gezeigt, dass bei 45 Prozent der Patienten mit entsprechendem Verdacht die Herzkatheteruntersuchung auf Basis der MRT-Ergebnisse vermieden werden konnte. Angesichts der starken Verbreitung dieser Krankheit – in den westlichen Industrieländern zählt die koronare Herzkrankheit mit ihren Folgen zu den häufigsten Todesursachen – bedeutet dies für eine große Patientengruppe, dass mit der MRT ein wesentlich schonenderes Diagnoseverfahren zur Verfügung steht.“
Perspektiven
In einem nächsten Schritt werden nun europaweit Daten erhoben, um die Ergebnisse auf eine noch breitere Datenbasis zu stellen und weitere Schwerpunkte bei den Untersuchungen setzen zu können. „Die MRT kann in vielen Fällen die Untersuchung bei Herzkrankheiten deutlich verkürzen und schonendere Diagnosen ermöglichen“, fasst Dr. Mahrholdt die Ergebnisse der Studie zusammen. „Der Herzkatheter wird dennoch weiterhin verwendet, denn es gibt auch Fälle, in denen die invasive Methode absolut notwendig ist – etwa zur Ballonerweiterung von Herzkranzgefäßen oder zur Probenentnahme aus dem Herzmuskel. Die Bedeutung der MRT wird in der Kardiologie in den kommenden Jahren jedoch definitiv weiter zunehmen.“
Bildmaterial auf Anfrage

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
Verwendung ausschließlich im Rahmen der Berichterstattung über das in dieser Pressemitteilung berichtete Thema
