04. Februar 2009 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Fortschritte im Bereich der narbenfreien Chirurgie (NOTES)
Neue Operationsmethode zur Behandlung von Dickdarmerkrankungen am Robert-Bosch-Krankenhaus
Entzündungen oder Tumore des Dickdarms stellen eine häufige Erkrankung dar. Pro Woche müssen deshalb am Robert-Bosch-Krankenhaus sieben bis zehn Dickdarm-Operationen durchgeführt werden. Und diese hinterlassen normalerweise Spuren. Denn der Eingriff geschieht – je nach Art und Ausmaß der Erkrankung und abhängig von den individuellen Gegebenheiten des Patienten – entweder konventionell über einen großen Bauchschnitt oder minimal-invasiv über drei bis vier Einschnitte in die Bauchdecke, die Narben zur Folge haben.
Hier setzt eine neue Operationsmethode an, die von der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie des Robert-Bosch-Krankenhauses weiterentwickelt wurde. Dabei werden ausschließlich die natürlichen Körperöffnungen genutzt, so dass nach der Operation nur eine kleine und kaum sichtbare Narbe am Nabelgrund zurückbleibt.
„Da der Eingriff noch schonender als bei der bisherigen minimal-invasiven Chirurgie ist, hat der Patient kaum noch Schmerzen“, so der Chefarzt der Abteilung, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus-Peter Thon. „Diese Operationsmethode bringt für den Patienten neben kosmetischen Vorteilen und geringeren Schmerzen auch eine schnellere Genesung.“
Weiterentwicklung der NOTES-Methode
Das neue Operationsverfahren basiert auf der in den vergangenen Jahren bekannt gewordenen NOTES-Technik (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery), die operative Eingriffe im Bauchraum hauptsächlich über die natürlichen Körperöffnungen vornimmt. Bei Entfernungen der Gallenblase, des Blinddarms und bei der Operation von Leistenbrüchen hat die Methode bereits international Anerkennung gefunden und wird in dieser Form auch im Robert-Bosch-Krankenhaus durchgeführt.
Für die Dickdarm-Chirurgie hat PD Dr. Wolfram Lamadé, geschäftsführender Oberarzt in der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, ein spezielles NOTES-Verfahren entwickelt. Dabei wird der betroffene Dickdarmabschnitt über die natürlichen Körperöffnungen freigelegt und entfernt. Dazu werden laparoskopische Instrumente über den Mastdarm, die Vagina und den Nabel eingeführt. Der Darm wird durchtrennt, das kranke Darmsegment wird ohne zusätzliche Hautschnitte durch den Anus herausgezogen und entfernt. Anschließend wird der Restdarm mit dem gesunden Darmende verbunden.
Schneller Heilungsprozess
Nach der herkömmlichen minimal-invasiven Methode erfolgt die Teilentfernung des Dickdarms üblicherweise über drei bis vier Einschnitte in die Bauchdecke, die bis zu sieben Zentimeter lang sind. Für die Heilung dieser größeren Wunden bleibt der Patient durchschnittlich fünf bis zehn Tage in der Klinik.
Dagegen konnte die 37-jährige Bea Schweizer als erste Patientin, bei der die NOTES-Methode zur Dickdarmteilentfernung angewandt wurde, am zweiten Tag nach der Operation entlassen werden – ohne bleibende Narben, ohne Schmerzmittel und ohne wesentliche körperliche Beeinträchtigungen. „Nach der Operation konnte ich kaum glauben, dass ich den Eingriff schon hinter mir hatte, ich habe nichts gespürt“, so Bea Schweizer. „Also habe ich am zweiten Tag nach der OP meine Tasche gepackt und das Robert-Bosch-Krankenhaus verlassen. Das Risiko eines Narbenbruchs, wie es nach anderen Operationen bei körperlichen Belastungen besteht, gab es für mich praktisch nicht – denn ich hatte ja gar keine Narben.“
Das Verfahren wurde zunächst für Frauen mit gutartigen Darmerkrankungen entwickelt. Es kann derzeit bei Patientinnen angewandt werden, die sich zuvor noch keinen größeren Bauchoperationen unterzogen haben. Die individuelle Eignung muss im Einzelfall geprüft werden.
Erstmals wurde die Operation am Robert-Bosch-Krankenhaus Anfang Dezember 2008 durchgeführt. „Bislang haben wir für Dickdarm-Operationen die NOTES-Methode nur bei Frauen eingesetzt, die Übertragung auf die männliche Anatomie bereiten wir derzeit vor“, erklärt PD Dr. med. Wolfram Lamadé. „Patientinnen können sich vor der Operation entscheiden, welche Methode angewandt werden soll. Die positiven Rückmeldungen der Patientinnen, bei denen NOTES bisher zum Einsatz kam, bestärken uns darin, auch im Robert-Bosch-Krankenhaus weiter aktiv an der internationalen Entwicklung dieses neuen chirurgischen Therapieansatzes mitzuwirken.“
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Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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