04. Mai 2009 | Robert-Bosch-Krankenhaus
Zehn Jahre Psychosomatische Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus
Im Mai 2009 feiert die Abteilung für Psychosomatische Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus ihr zehnjähriges Bestehen. Als erstes Krankenhaus in Stuttgart integrierte das RBK 1999 einen eigenständigen psychosomatischen Konsiliar- und Liaisondienst direkt in die medizinische Akutbehandlung der Patienten.
„Konflikte und Belastungssituationen sind häufig an der Entstehung einer Krankheit beteiligt, ohne dass es sich dabei um eine rein psychische Erkrankung handelt“, erklärt der Chefarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin, Prof. Dr. Heinz Weiß. „Genauso können seelische Einflüsse auch eine wesentliche Rolle bei der Bewältigung von Krankheiten spielen, die keine eindeutig psychische Ursache haben. So wie körperliche und seelische Faktoren ineinander greifen, müssen auch die medizinische und die psychotherapeutische Behandlung von Patienten in der Akutmedizin Hand in Hand gehen. Dies war der innovative Ansatz, den das Robert-Bosch-Krankenhaus mit der Einrichtung der Abteilung für Psychosomatische Medizin verfolgt hat. Unsere positiven Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre zeigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.“
Stationäre und ambulante Betreuung
Die Integration der psychosomatischen Medizin erfolgte über ein Konsiliar- und Liaisonmodell. Im Konsiliardienst werden auf Anforderung der verschiedenen medizinischen Fachabteilungen psychotherapeutisch ausgebildete Ärzte und Psychologen zur Diagnostik und Mitbehandlung der Patienten hinzugezogen. Im Rahmen der Liaisontätigkeit sind die Mitarbeiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin noch enger in das jeweilige Behandlungsteam eingebunden und nehmen regelmäßig auch an Visiten, Sprechstunden und Stationsbesprechungen teil. Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat dem Robert-Bosch-Krankenhaus hierzu 1999 innerhalb des „Rahmenkonzepts Psychotherapeutische Medizin“, das bundesweit Vorbildcharakter hat, einen Versorgungsauftrag erteilt.
Im November 2002 kam – ebenfalls neu für den Bereich der Stadt Stuttgart – die erste psychosomatisch-psychotherapeutische Tagesklinik an einem Akutkrankenhaus hinzu. Deren teilstationäres Angebot bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen der Akutmedizin und der stationären sowie ambulanten psychosomatischen Behandlung.
Seit 2009 ist die psychosomatische Mitversorgung der Patienten am Standort Klinik Schillerhöhe in die Arbeit der Abteilung integriert.
Psychotherapeutische Angebote
Betreut werden bei Bedarf Patienten aller Fachabteilungen. Zum Spektrum der Abteilung gehören Gesprächsangebote für Patienten und Angehörige, Kurzzeittherapien während des stationären Aufenthalts, die Durchführung einer weiterführenden Diagnostik sowie Hilfe bei der Vermittlung längerfristiger ambulanter Psychotherapien.
Im Rahmen der Tagesklinik werden vielfältige Therapieformen, Einzel- und Gruppentherapie, Kunsttherapie und körperorientierte Verfahren bis hin zur Krisenintervention in akuten Belastungssituationen durchgeführt. Die Angebote der Abteilung stehen auch Angehörigen und Mitarbeitern, zum Beispiel im Rahmen von Weiterbildung und Supervision, zur Verfügung.
Jährlich werden etwa 2400 Patienten – das sind rund 8 Prozent aller stationären Aufnahmen – von den Mitarbeitern der Abteilung begleitet. Die psychosomatische Betreuung kommt dabei Patienten aller Fachabteilungen zugute: jungen Müttern ebenso wie Krebskranken, Patienten mit präoperativen Ängsten ebenso wie Patienten und Angehörigen auf der Intensivstation oder in der geriatrischen Rehabilitation.
Behandlungsziele
„Eine psychotherapeutische Mitbehandlung kann Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit unterstützen, die Dauer des Klinikaufenthalts verkürzen, Fehlbelegungen vermeiden und den Verbrauch von Schmerzmitteln und Psychopharmaka reduzieren“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Weiß. „Auch die positive Entwicklung der Arzt-Patient-Beziehung kann gefördert und der Übergang in den normalen Lebensalltag erleichtert werden.“
Die Angebote der psychosomatisch-psychotherapeutischen Tagesklinik ermöglichen es, die Behandlung direkt in den Alltag der Patienten einzubinden. Die ganztägigen Therapien finden dabei in der Tagesklinik statt, abends kehren die Patienten nach Hause zurück. Ziel ist es, einen unnötigen stationären Krankenhausaufenthalt zu vermeiden und dem Patienten so rasch wie möglich die Bewältigung seiner Lebenssituation oder den Übergang in eine ambulante Psychotherapie zu ermöglichen. Die Tagesklinik am Robert-Bosch-Krankenhaus bietet gegenwärtig mit 15 Therapieplätzen den Patienten die Möglichkeit einer intensiven teilstationären Psychotherapie.
Perspektiven
„Die in den letzten zehn Jahren ständig wachsende Inanspruchnahme unseres Angebots zeigt, dass Psychosomatik und Psychotherapie gerade aus der Hightech-Medizin nicht mehr wegzudenken sind“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Weiß. „Gleichzeitig entwickeln wir unsere Angebote ständig weiter. So beteiligen wir uns derzeit an einem deutsch-schweizerischen Forschungsprojekt, in dessen Rahmen untersucht wird, für welche Patienten die teilstationäre und für welche die vollstationäre psychotherapeutische Behandlung die bessere Alternative darstellt. Wir erhoffen uns dadurch Hinweise für eine noch gezieltere Zuweisung zu den einzelnen Behandlungsmethoden.“
