12. November 2009 | Robert-Bosch-Krankenhaus

25 Jahre Herz- und Gefäßchirurgie am Robert-Bosch-Krankenhaus und in Stuttgart

Genau 102 Minuten dauerte am 24. Oktober 1984 die erste große Herzoperation, die am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) und im Raum Stuttgart durchgeführt wurde. Unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, die während der Operation die Funktion des Herzens übernimmt, wurde einer damals 53-jährigen Patientin ein Dreifach-Bypass gelegt.

Mit einem Festakt, an dem unter anderem Ministerialdirektor Thomas Halder, Amtschef im Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg, und Klaus-Peter Murawski, Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser der Landeshauptstadt Stuttgart, als Redner teilnahmen, feierte die Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am RBK heute ihr 25-jähriges Bestehen.

„Qualität als oberste Priorität, Einfallsreichtum und Offenheit für Neues waren in den vergangenen 25 Jahren die 'Bosch-Faktoren' für die Erfolgsgeschichte der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Robert-Bosch-Krankenhaus“, so Geschäftsführer Ullrich Hipp. „Mit dem Innovationsgeist, der diese Jahre geprägt hat, und mit unserem Anspruch, höchste Qualität in der Patientenversorgung zu bieten, starten wir auch ins nächste Vierteljahrhundert.“

Die Anfänge der Herzchirurgie in Stuttgart

Neun Monate vor der ersten großen Herz-OP, im Januar 1984, hatte das Sozialministerium Baden-Württemberg beschlossen, eine Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Robert-Bosch-Krankenhaus einzurichten. Die Lage forderte damals schnelles Handeln: Es herrschte ein erhebliches Defizit an Herz-Operationsmöglichkeiten in Baden-Württemberg, pro Jahr fehlte die Kapazität für rund 1000 Operationen. Stuttgarter Patienten standen auf Wartelisten oder mussten weite Wege auf sich nehmen, um herzchirurgisch behandelt zu werden.

Die Entscheidung, die herzchirurgische Versorgung dem RBK anzuvertrauen, begründete der damalige Minister für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden-Württemberg, Dietmar Schlee, unter anderem mit der „hohen Qualität“ des für die Errichtung einer Herzchirurgie notwendigen medizinisch-technischen Umfelds und dem Potential des RBK, die notwendigen Operationskapazitäten innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung zu stellen – „im Interesse der herzkranken Patienten, die nicht warten können“.

Schnelle Lösung für herzkranke Patienten

In einer Zwischenlösung legte das Sozialministerium eine Mindestkapazität von 250 Operationen pro Jahr am RBK fest, die Ende 1986 auf 600 OPs pro Jahr aufgestockt werden sollte.

Das erste herzchirurgische Team unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Hellberg mit einem Oberarzt, einem Assistenzarzt, einem Kardiotechniker und einer OP-Schwester nahm zum 1. Oktober 1984 seine Arbeit auf. Als „Leihgabe“ stellte die Allgemeinchirurgie vorübergehend einen OP-Saal sowie Patientenbetten zur Verfügung, die Intensivüberwachung fand auf der kardiologischen Intensivstation statt, zwei Patientenzimmer wurden als Diensträume genutzt.

„Der herzchirurgische Bedarf im Raum Stuttgart war groß“, erläuterte Prof. Hellberg. „Bereits im ersten Jahr wurde die ursprünglich geplante Kapazität von 250 Operationen um rund 40 Prozent überschritten. Mit der Eröffnung des herzchirurgischen Neubaus 1986 am RBK mit zwei OP-Sälen, 26 Pflegebetten und einem erweiterten Team entspannte sich die Situation vorübergehend. Entsprechend dem Beschluss des Sozialministeriums wurde die Operationskapazität auf 600 OPs pro Jahr erhöht.“

Steigender Bedarf

Schon bald zeichnete sich ab, dass der Bedarf an herzchirurgischer Versorgung einen weiteren Ausbau der herzchirurgischen Kapazität am RBK notwendig machte. 1991 stimmte das Sozialministerium einer Ausweitung auf bis zu 1200 HLM-OPs neben 180 sonstigen Herz-OPs jährlich zu.

Im März 1992 fand die 5000. Operation mit Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine (HLM) am RBK statt, bis Februar 1998 konnte diese Zahl verdoppelt werden. Genau zehn Jahre später führte die Abteilung unter Leitung von Chefarzt PD Dr. Ulrich Franke, der 2007 die Nachfolge Prof. Hellbergs angetreten hatte, die 20.000ste HLM-Operation durch.

Die Entwicklung der Abteilung bis heute

Die Grundlage dieser Entwicklung bildete der weitere Ausbau der herzchirurgischen Abteilung am RBK. Seit 1995 stehen der Herzchirurgie am RBK insgesamt vier Operationssäle zur Verfügung. Auch die Bettenzahlen wurden erweitert: Im Zuge von Renovierungs- und Umbauarbeiten gewann die Abteilung bis Ende 1998 Räumlichkeiten hinzu und verfügte danach über 46 Patientenbetten auf Normalstationen und zehn Intensivbetten. Zuletzt stimmte das Sozialministerium Baden-Württemberg 2008 einer erneuten Bettenerweiterung zu: Heute verfügt die Abteilung insgesamt über 63 Betten, davon zehn Intensiv- und 15 Intermediate-Care-Betten.

In der herzchirurgischen Versorgung des RBK arbeiten mehr als 150 Menschen verschiedener Berufsgruppen interdisziplinär zusammen: Herzchirurgen, OP-Schwestern und -Pfleger, Narkoseärzte, Kardiotechniker, Intensivmediziner, Intensivschwestern und -pfleger, PhysiotherapeutInnen sowie die Krankenschwestern und -pfleger der Normalstationen. Tägliche Praxis ist darüber hinaus – als Teil der auf eine ganzheitliche Versorgung der Patienten ausgerichteten Struktur des RBK – die Mitbehandlung durch die internistischen Fachdisziplinen, insbesondere die Kardiologie, die Nephrologie sowie die Viszeralchirurgie. Auch die Einbeziehung der Psychotherapie und der Geriatrie stellt angesichts des steigenden Durchschnittsalters der Patienten der Herzchirurgie einen prognosebeeinflussenden Vorteil dar.

Herzchirurgie im Wandel

Mit der Übernahme der Chefarztposition durch PD Dr. Ulrich Franke 2007 wurde die minimal-invasive Herzchirurgie in den Mittelpunkt der operativen Entwicklung der Abteilung am RBK gestellt.

Während die herzchirurgischen Leistungen früher ausschließlich durch die Anzahl der Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine dargestellt wurden, ist dadurch heute keine adäquate Aussage mehr möglich. Die modernen Operationsverfahren verzichten insbesondere in der koronaren Bypasschirurgie ganz auf die HLM. Im RBK werden allein in diesem Jahr mehr als 700 große Herzoperationen am offenen Brustkorb ohne Einsatz einer HLM durchgeführt, was im bundesweiten Vergleich einen Spitzenwert darstellt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am RBK bildet die Anwendung immer kleinerer Zugänge unter Schonung des Brustbeins. In der isolierten Aorten- und Mitralklappenchirurgie werden diese minimal-invasiven Zugänge am RBK in 70 bzw. 80 Prozent der Fälle verwendet. Neben dem besseren kosmetischen Ergebnis können dadurch Schmerzen verringert und die postoperative Erholung beschleunigt werden.

Die Zahl der Patienten, die am RBK mit einem großen Eingriff am Herzen – das heißt ohne Herzschrittmacher, Defibrillator, Rethorakotomien o.ä. – operiert wurden, ist von 1005 im Jahr 2005 auf mehr als 1600 im laufenden Jahr gestiegen. „Die neuen, schonenderen minimal-invasiven Operationsverfahren erlauben es, die operative Belastung eines herzchirurgischen Eingriffs deutlich zu senken. Dass diese innovativen Techniken von unseren Patienten und zuweisenden Kardiologen äußerst positiv angenommen werden, zeigt sich an der Steigerung unserer Patientenzahlen gegen den deutschlandweiten Trend“, so Chefarzt PD Dr. Ulrich Franke.

Jüngste Entwicklungen der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am RBK im Überblick

2006  

Einsatz einer Hybridprothese zum einseitigen Aortenersatz bei Aortendissektion als erste Klinik in Baden-Württemberg

2007  

Eine der ersten Kliniken in Deutschland mit minimal-invasiver Aortenklappenrekonstruktion (David-Operation)
Etablierung des minimal-invasiven Zugangs für die Mitral- und Trikuspidalklappenrekonstruktion (kleiner seitlicher Zugang ohne Brustbeindurchtrennung) 

2008  

Durchführung eines Aortenklappenersatzes ohne HLM als erste Klinik im Raum Stuttgart
Zahl der Bypass-Operationen ohne HLM deutschlandweit an zweiter Stelle
Anteil minimal-invasiver Operationen an allen Herzoperationen: 56 Prozent

2009  

Aufnahme der totalarteriellen Merfachrevaskularisation über einen minimal-invasiven Zugang (ohne Brustbeindurchtrennung) ins Standardprogramm als bundesweit einzige Klinik
Erste Mini-HLM (RocSafe) bei minimal-invasivem Aortenklappenersatz in Europa
Anteil minimal-invasiver Operationen an allen Herzoperationen: 65 Prozent

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Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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