Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie

Ursachen und Folgeerkrankungen der Niereninsuffizienz

Im Rahmen diese Schwerpunktes finden sich Untersuchungen zu

  • Abhängigkeit der Arzneimittelwirkung bei chronisch nierenkranken Patienten
  • Prävention des Kontrastmittel-induzierten Nierenversagens bei eingeschränkter Nierenfunktion
  • neuen Biomarkern des akuten Nierenversagens
  • Systemerkrankungen
  • renalen Folgeerkrankungen wie dem urämischen Juckreiz

Untersuchungen zum Einfluss von Vitamin D auf die Expression von Arzneimitteltransportern bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz

Patienten reagieren auf Medikamente sehr unterschiedlich.

Bei dem einen treten unter Standarddosierung schwere Nebenwirkungen auf, bei anderen wird keine Wirkung erzielt.

Es gibt Hinweise darauf, dass für diese Unterschiede in den Arzneimittelwirkungen auch Transport- und Verteilungsvorgänge im Körper verantwortlich sein können.

Im Rahmen unserer wissenschaftlichen Tätigkeit untersuchen wir in Abhängigkeit von einer eingeschränkten Nierenfunktion die Veränderungen bei sehr wichtigen Transporteiweißen (zum Beispiel P-Glykoprotein).

Über diese Eiweiße werden zahlreiche Medikamente bei der Therapie verschiedener Erkrankungen transportiert.

Auf der anderen Seite sind seit langem eine vermehrte Empfindlichkeit oder eine fehlende Wirksamkeit von bestimmten Arzneimitteln bei den angesprochenen Erkrankungen bekannt.

Behandelt man die entsprechenden Defekte, sollten die Störungen der Transporteiweiße ebenfalls normalisiert sein.

Protektion der Niere bei Kontrastmittelexposition durch Gabe von Zink oder Gabe von Acetylcystein – Einsatz neuer Biomarker

Patienten reagieren auf Kontrastmittelgaben sehr unterschiedlich. Im Regelfall treten keine Schwierigkeiten auf, vereinzelt finden sich allergische Reaktionen.

Bei einer vorbestehenden Einschränkung der Nierenfunktion kommt es insbesondere bei gleichzeitigem Vorliegen einer Zuckerkrankheit, in den Tagen nach Gabe eines Kontrastmittels zu einer weiteren Einschränkung der Nierenfunktion.

Dies kann in wenigen Einzelfällen bis zur Notwendigkeit eines kurzfristigen Ersatzes der Funktion mit Maschinen gehen (Hämodialyse).

Zum Schutz vor einer Einschränkung der Nierenfunktion durch Kontrastmittelgabe bei vorbestehender schlechter Nierenfunktion, insbesondere bei gleichzeitig bestehender Zuckerkrankheit, wird eine gute „Wässerung“ vor und nach Gabe von Kontrastmittel bei jedem Patienten empfohlen.

Dazu wird zunehmend versucht, den schädigenden Einfluss von Sauerstoffteilen (Sauerstoffradikale) bei einem Auftreten eines Nierenversagens durch Gabe von sogenannten „Antioxidantien“ (Acetylcystein) zu behandeln. Die Wirksamkeit ist umstritten und es wird noch nicht einheitlich eine solche Gabe empfohlen.

Durch Zinkgaben können die Zellen körpereigene Substanzen bilden, die eventuell einen besseren Schutz vor diesen schädlichen Auswirkungen einer vermehrten Sauerstoffradikalen-Bildung durch Kontrastmittel bewirken können. Dies ist aber bisher nicht untersucht und soll u.a. Ziel unserer Studien sein.

Da die Wirksamkeit von Acetylcystein ebenfalls noch nicht eindeutig belegt ist, wird in einem weiteren Teil der Studie diese Substanz, die als „Schleimlöser“ in der Behandlung von Atemwegsinfekten seit vielen Jahren bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt wird, mituntersucht. Um die Aussagekraft der Studie zu erhöhen, ist es notwendig, diese „Placebo-kontrolliert“ und „blind“ durchzuführen.

Darüber hinaus kommen in dieser Studie erstmalig neue Biomarker in der Prävention des Kontrastmittel-induzierten Nierenversagens zum Einsatz.

Systemerkrankungen

Systemerkrankungen aus dem rheumatologischen Formenkreis sind seltene, in ihrer Ätiologie und Pathophysiologie schlecht verstandene Erkrankungen.

Zu diesen Erkrankungen zählen

  • der Systemische Lupus erythematodes
  • entzündliche Erkrankungen des Gefässystems (z.B. Riesenzellarteritis, Wegener`sche Granulomatose, Mikroskopische Polyangiitis, Churg Strauss Syndrom)
  • Weichteilrheumatismus
  • Gelenkrheuma
  • und andere

Ziel unserer Arbeiten, die sich mit den entzündlichen Erkrankungen des Gefässystems (sog. Vaskulitis) beschäftigen, ist ein besseres Verständnis der Ätiologie und Pathophysiologie der primären und sekundären Formen der Vaskulitis.

Hierzu werden Blut- und Gewebeproben mit immunhistochemischen und gentechnischen Methoden analysiert um mögliche Moleküle für eine zielgerichtete Therapie zu identifizieren.

Juckreiz

In der Anfangszeit der Dialysebehandlung klagten bis zu 80 % aller Patienten über Juckreiz unterschiedlicher Verteilung und Intensität. Viele Patienten waren durch dieses Symptom regelrecht gequält.

Trotz vielfältiger Bemühungen war man auch in der Folgezeit nicht in der Lage, die Ursache des urämischen Juckreizes zu klären und eine für alle Patienten gleichermaßen wirksame Behandlung zu finden.

Vor diesem Hintergrund wollen wir diesem quälenden Problem auf den Grund gehen.

Erste, in den frühen 90er Jahren durchgeführte Untersuchungen zeigten, dass der urämische Juckreiz nicht, wie verschiedentlich angenommen, mit einer Vermehrung der Hautmastzellen und Erhöhung der Histamin-Ausschüttung durch diese Hautmastzellen verknüpft ist.

Die von uns durchgeführten Untersuchungen bei einer größeren Zahl von Patienten und einer längeren Einnahmedauer zeigte keine überlegene Wirksamkeit der µ-Rezeptorantagonisten (Medikamente, die an den Schmerzrezeptoren angreifen und diese blockieren) gegenüber einer Placebo-Behandlung.

Aufgrund der Ergebnisse verschiedener Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten und therapeutischen Maßnahmen beim urämischen Pruritus sowie eigenen Beobachtungen wurde eine neue Hypothese bezüglich des Entstehens des urämischen Pruritus aufgestellt.

Kurz gesagt wird hier eine Störung des Immunsystems als Ursache für den urämischen Juckreiz vermutet. Es wurden hierzu multizentrisch Patienten auf urämischen Pruritus gescreent.

Nach klinischer Untersuchung und überprüfen der Ausschlusskriterien werden Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz mit und ohne Pruritus unter den verschiedenen Nierenersatzverfahren (Hämodialyse, Peritonealdialyse, Nierentransplantation, ohne Nierenersatztherapie) in Untersuchungen aufgenommen.

Bei den Patienten werden durch eine FACS-Analyse in den mononukleären Zellen die Th1/Th 2-Konstellation bestimmt, d. h. es findet eine Quantifizierung von CD 4-positiven mononukleären Blutzellen mit Expression intrazytoplasmatischer Markerzytokine und Expression von Chemokinrezeptoren statt.

Darüber hinaus werden Zytokine im Serum der untersuchten Patienten mittels ELISA bestimmt. Zur Beurteilung der Stärke des urämischen Pruritus kommen verschiedene Fragebögen (z. T. vom Patienten selbständig ausgefüllt, z. T. von einem Studienarzt erhoben) zum Einsatz.

Da Juckreiz sicherlich nicht nur ein organisches Problem darstellt und sowohl die psychische Verfassung eines Patienten für die Wahrnehmung der Intensität des Juckreizes sicherlich von erheblicher Bedeutung ist, wie auch umgekehrt Juckreiz erhebliche Auswirkungen auf die Stimmungslage bzw. psychische Gesamtverfassung eines Patienten haben kann, wird diese Untersuchung durch eine Erhebung bezüglich Stimmung und anderer psychischer Parameter in Kooperation mit der psychosomatischen Abteilung des Hauses ergänzt.

Man ist besonders interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Depression, Alexithymie (wörtlich übersetzt: „keine Worte für Gefühle“), dem Allgemeinen Gesundheitszustand und dem von dem Patienten beschriebenen Juckreiz gibt.

Dazu werden in der Abteilung und auch allgemein in der Psychosomatik gängige Fragebögen verwendet, und zwar die Allgemeine Depressionsskala (ADS), die Toronto-Alexithymie-Skala (TAS-20) und der Fragebogen zum Allgemeinen Gesundheitszustand (SF 36).

Infobox

Robert-Bosch-Krankenhaus
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