Neue Behandlungsmethode bei Gallengangskrebs

Heilsamer Sonnenbrand im Gallengang

  • Neue Behandlungsmethode bei Krebs erstmals in Stuttgart erfolgreich durchgeführt
  • Photodynamische Therapie im Robert-Bosch-Krankenhaus zerstört Tumorzellen mittels Laserlicht

Sie hatte keine Schmerzen – aber ihre Haut und ihre Augen wiesen eine starke Gelbfärbung auf. Mit Verdacht auf Gallensteine wies der Hausarzt Margarete Kübler (Name geändert), 73 Jahre alt, deshalb ins Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus ein. Hier wurde schließlich ein Cholangiokarzinom, ein bösartiger Tumor im Gallengang, diagnostiziert, der so groß war, dass er bereits den ungestörten Fluss der Galle behinderte.  

Galle ist eine zähe Körperflüssigkeit, die in der Leber produziert, in der Gallenblase zwischengespeichert und zu den Mahlzeiten in den Zwölffinger-darm ausgeschüttet wird. Auf ihrem Weg durchläuft sie ein Gangsystem, das man in seiner Gesamtheit als Gallenwege bezeichnet. Das funktionierende Zusammenspiel ist die Voraussetzung für eine reibungslose Verdauung.

 Bei Margarete Kübler breitete sich der Tumor entlang der Gallenwege bereits weit in beide Seiten der Leber aus – zu weit, um ihn chirurgisch entfernen zu können. Und für eine strapaziöse Chemotherapie war die Patientin zu schwach.  Prof. Dr. med. Jörg G. Albert, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und sein Team im Robert-Bosch-Krankenhaus entschieden sich deshalb erstmals für den Einsatz der sogenannten photodynamischen Therapie. Diese Methode ist erst seit kurzem in Deutschland zur Behandlung von Gallengangstumoren zugelassen und kommt in Stuttgart bisher nur im Robert-Bosch-Krankenhaus zum Einsatz. „Bei der photodynamischen Therapie applizieren wir dem Patienten zunächst einen sogenannten Photosensitizer über die Vene“, erklärt Albert. „Die Substanz für sich ist eigentlich wirkungslos, lässt die Zellen im Körper allerdings extrem lichtempfindlich werden.“ Und genau das macht sich die neue Behandlungsmethode zu Nutze. Da tief ins Innere des Körpers nun aber kein Licht dringt, werden die kranken Zellen während eines endoskopischen Eingriffs zielgenau im Gallengang mit Laserlicht in niedriger Wellenlänge bestrahlt. Wie bei einem Sonnenbrand zerstört das Licht das kranke Gewebe. Die Tumorzellen verbrennen und sterben ab. „Damit ist die photodynamische Therapie deutlich schonender als eine Chemotherapie, die immer auch gesunde Zellen zerstört“, betont Prof. Albert und nennt einen weiteren Vorteil: „Da die Krankheit meist erst spät erkannt wird – ein Gallengangstumor verursacht im Anfangsstadium keinerlei Schmerzen oder Beschwerden –, sind die Heilungschancen nur begrenzt. Die photodynamische Therapie aber kann die Lebensqualität der Patienten erhalten bzw. signifikant verbessern und ihr Leben verlängern.“

Und Margarete Kübler? Sie hat den rund anderthalb Stunden dauernden Eingriff sehr gut überstanden. Die Galle kann wieder ungehindert fließen. Zwei Wochen noch lag sie in einem abgedunkelten Zimmer, musste sich vor der Sonne schützen, da auch ihre Hautzellen sehr lichtempfindlich waren und bei Sonneneinstrahlung sofort verbrannt wären. „Mir geht es sehr gut“, sagt die Patientin. „Während des Eingriffs habe ich lediglich ein leichtes Schlafmittel bekommen. Und weil die Therapie keine Schmerzen verursachte, konnte ich kurze Zeit später auch schon wieder aufstehen.“ Sie lächelt: „Das freut auch meinen Hund, mit dem ich nun wieder ausgiebige Spaziergänge unternehmen kann.“

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Robert-Bosch-Krankenhaus
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