24. Februar 2012 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Bei Herzmuskelentzündung kann die richtige Diagnostik Risiken vorbeugen

Eine Untersuchung des Herzens mittels Magnetresonanztomographie (MRT) gibt Aufschluss darüber, welche individuellen Risiken eine Herzmuskelentzündung für den Patienten birgt. Das wurde nun in einer Langzeitstudie von einem Forschungsteam unter der Leitung des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) nachgewiesen. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlicht.

In vielen Fällen ist eine Herzmuskelentzündung die Folge einer vermeintlich banalen Erkältung – wird der geschwächte Körper zu früh wieder belastet, kann dies sprichtwörtlich aufs Herz schlagen. In schweren Fällen kann eine Herzmuskelentzündung zu einem plötzlichen Herztod führen. „Bei bis zu neun Prozent der durchgeführten Obduktionen wird die Erkrankung nachgewiesen”, erklärt Priv.-Doz. Dr. Heiko Mahrholdt, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie am RBK. Bislang konnten die Mediziner nicht abschätzen, wie eine  Herzmuskelentzündung bei einem speziellen Patienten verlaufen wird. Die neue Langzeitstudie, welche Wissenschaftler des RBK gemeinsam mit Kollegen vom Elisabeth-Krankenhaus Essen und der Universität Tübingen durchgeführt haben, setzt hier an: Das Team konnte nachweisen, dass Patienten, bei denen mittels einer MRTUntersuchung eine Kontrastmittelanreicherung im Herzmuskel nachgewiesen wurde, vermehrt einen schweren Verlauf der Erkrankung aufwiesen.

Patienten profitieren

In der Studie wurden über einen Zeitraum von fast fünf Jahren 222 Patienten begleitet, bei denen mittels Biopsie die Herzmuskelentzündung nachgewiesen wurde. „Das macht unsere Studie bislang einzigartig. Frühere Studien  untersuchten die Teilnehmer nicht so lange, auch der Nachweis der Myokarditis durch eine Biopsie wurde bislang nur selten im Rahmen von Studien erbracht”,
so Priv.-Doz. Dr. Mahrholdt. Von den 222 Teilnehmern konnten 203 über den gesamten Zeitraum untersucht werden. Davon wiesen 108 eine Kontrastmittelanreicherung des Herzmuskels auf. Bei nahezu 20 Prozent der Studienteilnehmer führte die Herzmuskelentzündung innerhalb von fünf Jahren zum Tod, darunter verstarben knapp zehn Prozent an plötzlichem Herztod. „Die Zahlen verdeutlichen, dass eine Herzmuskelentzündung eine ernstzunehmende Krankheit ist und keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Die gute Nachricht für betroffene Patienten ist jedoch, dass durch eine Untersuchung des Herzens mittels MRT das Risiko für einen schweren Verlauf wesentlich besser abgeschätzt werden kann, als früher”, erklärt Priv.-Doz. Dr. Mahrholdt und fügt hinzu: „Die sichtbare Kontrastmittelanreicherung ist dafür ein ziemlich sicheres Anzeichen.” Prof. Dr. Udo Sechtem, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie am RBK sieht in den neuen Erkenntnissen einen deutlichen Nutzen für die Patienten: „Die Ergebnisse der Langzeitstudie ermöglichen, dass wir gefährdete Patienten in Zukunft besser erkennen können. Gleichzeitig können frühzeitig als Hoch-Risiko-Patienten erkannte Myokarditis-Kranke möglicherweise intensiver behandelt und überwacht werden, um solche fatalen Verläufe in Zukunft seltener zu machen”.

Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal
of the American College of Cardiology” veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.jacc.201201.007) und ist unter folgendem Link für Abonnenten einsehbar: content.onlinejacc.org

Bildmaterial auf Anfrage

MRT-Untersuchung, Ärzte betrachten die Ergebnisse am Bildschirm.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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