13. Mai 2011 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Den Nerv immer im Blick

Die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) hat eine neue, saxophonförmige Elektrode entwickelt, mit der eine ständige Überwachung von Nervenfunktionen möglich ist. Dadurch können Komplikationen wie Nervenschädigungen während einer Schilddrüsenoperation vermieden werden. Das High-Tech-Produkt ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt wurde. Neben dem RBK waren mehrere Institutionen sowie spezialisierte Firmen beteiligt.

Ende Mai 2011 kommt das Forschungsprojekt, das sich mit der kontinuierlichen Überwachung von Nervenfunktionen während Operationen beschäftigt hatte, zum Abschluss. Das Ergebnis ist eine saxophonförmige Elektrode, die ähnlich wie bei einem Elektrokardiogramm (EKG) die Aktivitäten eines Nervs sichtbar macht. Durch die neuartige Form und die hohe Flexibilität des Materials kann die nur 0,5 Zentimeter breite Sonde auch bei komplizierten Operationen problemlos zum Neuromonitoring eingesetzt werden.

Schutz vor Rekurrensparese

In einer Pilotstudie wurde die Elektrode ausgiebig am Stimmbandnerv, dem Nervus laryngeus recurrens getestet. Dieser kleine Nerv in der Nähe der Luftröhre ist insbesondere bei Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-Operationen einem Schädigungsrisiko ausgesetzt, da er nur schwer von einem Blutgefäß oder umliegendem Bindegewebe zu unterscheiden ist und Zugbeanspruchungen unterliegt. Aus diesem Grund ist die Rekurrensparese, eine Schädigung dieses Nervs, eine der häufigsten Komplikationen von Operationen der Schilddrüse. Sie kann Stimmbandlähmungen oder einen reduzierten Stimmumfang, bei beidseitiger Verletzung sogar akute Atemnot zur Folge haben.

Schnelle Befestigung direkt am Nerv

Durch ihre schlaufenartige Form kann die Elektrode schnell und unkompliziert an den Nerv „eingehakt“ werden. Das flexible, biokompatible Silikon passt sich optimal an den Durchmesser des Nervs an und sorgt dafür, dass die Elektrode stets dort bleibt, wo sie platziert wurde. Im Notfall lässt sie sich jedoch durch leichtes Ziehen einfach und ohne Verletzungsrisiko abnehmen. Hier bietet sie einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Produkten zur Rekurrensüberwachung, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind.

Elektrische Signale werden auf den Nerv konzentriert

Die Funktionsweise der Elektrode basiert auf der kontinuierlichen Aussendung elektrischer Signale, mit denen die Nervenaktivität gemessen wird. Bei einer Aktivierung oder Belastung des Nervs während der Operation, beispielsweise durch Zug- oder Druckbewegungen, wird der Chirurg umgehend durch einen Warnton darauf aufmerksam gemacht. Auch hier bietet die saxophonartige Form Vorteile: Durch das „Einhaken“ des Nervs werden die elektrischen Signale nur auf diesen abgegeben. Das verbessert nicht nur die Messergebnisse sondern verhindert auch die Aktivierung der umliegenden Muskulatur, die durch Streusignale in Zuckbewegungen verfallen könnte.

Weitere Testphase geplant

Die Echtzeitanalyse des Nervensignals ist die Grundvoraussetzung für ein verlässliches Neuromonitoring. Eine optimale Lösung für die anspruchsvollen Anforderungen zu finden war das Ziel der Projektpartner, zu denen neben der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Schwerpunkt Tumor- und minimal-invasive Chirurgie des RBK auch das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert sowie die Unternehmen Osypka AG, inomed Medizintechnik GmbH und Reinhardt Microtech GmbH gehören. „Wir wollten das perfekte Produkt zum Wohle der Patienten entwickeln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Wolfram Lamadé, Leitender Oberarzt der Abteilung und verantwortlich für das Projekt. Der Facharzt für Chirurgie mit Zusatzbezeichnung Viszeralchirurgie hatte vor einigen Jahren erstmals ein kontinuierliches Neuromonitoring in der Schilddrüsenchirurgie entwickelt, eingeführt und stets weiter verfolgt. Innerhalb des Forschungsprojektes entwickelte er nun die Geometrie der saxophonförmigen Sonde. „Die neue Elektrode ermöglicht mehr Ruhe bei der Operation, da sich der Chirurg auf das Wesentliche wie beispielsweise die Schilddrüse konzentrieren kann“, fügt er hinzu. Obwohl die Neuentwicklung am Rekurrensnerv getestet wurde, kann sie bei Operationen an allen Körperregionen eingesetzt werden. Nach Ende des vom BMBF geförderten Projekts steht nun eine Studie auf dem Plan, in der das neue Produkt weiter getestet wird. Auch hier wird das RBK weiterhin federführend beteiligt sein.

Bildmaterial auf Anfrage

Durch ihre schlaufenartige Form kann die Elektrode schnell und unkompliziert an den Nerv „eingehakt“ werden.
Durch ihre schlaufenartige Form kann die Elektrode schnell und unkompliziert an den Nerv „eingehakt“ werden.
Durch die neuartige Form und die hohe Flexibilität des Materials kann die nur 0,5 Zentimeter breite Sonde auch bei komplizierten Operationen problemlos zum Neuromonitoring eingesetzt werden.
Durch die neuartige Form und die hohe Flexibilität des Materials kann die nur 0,5 Zentimeter breite Sonde auch bei komplizierten Operationen problemlos zum Neuromonitoring eingesetzt werden.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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