04. Oktober 2011 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Erwachsen werden mit Crohn und Colitis - Chronisch entzündliche Darmerkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist oft ein Schock, insbesondere für jüngere Patienten und deren Angehörige. Die Erkrankung stellt nicht nicht nur das Familienleben und das Selbstempfinden der Patienten auf eine harte Probe, sondern konfrontiert auch die Eltern, Ärzte und Betroffenen mit zahlreichen schwierigen Entscheidungen.

Allein in Deutschland leiden mehr als 300.000 Personen an den Krankheiten Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, die unter dem Begriff der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zusammengefasst werden. In vielen Fällen werden sie schon früh diagnostiziert: Sieben bis 20 Prozent aller Patienten erkranken bereits in einem Alter von unter 18 Jahren, von den betroffenen Kindern und Jugendlichen zeigen zirka 50 bis 60 Prozent vor dem zwölften Lebensjahr und neun Prozent vor dem fünften Lebensjahr erste Symptome.

Besonderheiten und Herausforderungen in der Therapie bei Kindern

Der Krankheitsverlauf jüngerer Patienten unterscheidet sich oftmals deutlich von dem älterer Personen: Kinder und Jugendliche haben häufiger einen Totalbefall des Dickdarms und eine höhere Krankheitsaktivität. Dies verzögert in vielen Fällen den Eintritt in die Pubertät sowie das Wachstum und bringt Probleme in der medikamentösen Dauertherapie sowie bei nötigen Impfungen. Weitere Schwierigkeiten entstehen, wenn das Kind älter wird – Pubertätsprobleme und Autonomiebestrebungen werden durch besorgte Eltern nicht immer ausreichend ernst genommen und führen auch zu Konflikten mit den behandelnden Ärzten. Dies erfordert Verständnis von allen Beteiligten sowie die Bereitschaft, etablierte Leitlinien gegen individuelle Lösungen zu tauschen. Dazu müssen auch Kinderärzte ihre Rolle im Laufe der Therapie immer wieder neu definieren. Im Olgahospital am Klinikum Stuttgart werden die betroffenen Kinder und Jugendlichen vorwiegend ambulant in der Sprechstunde von Dr. Enninger behandelt. Die Primärdiagnostik und die Behandlung von schwer kranken Patienten erfolgt stationär in enger Abstimmung mit anderen Fachabteilungen des Klinikums Stuttgart (Innere Medizin, Kinderchirurgie, Kinderradiologie).

Sorgen junger Erwachsener

Nach der Kindheit beschäftigen die Patienten andere Aspekte, darunter auch die Themen Sexualität und Partnerschaft. Neben organischer Probleme kann das verzerrte Körperbild einer erfüllten sexuellen Beziehung im Weg stehen. In der Regel entstehen mögliche Schwierigkeiten jedoch im Kopf der Patienten – insbesondere jüngere Betroffene entwickeln ein negatives Selbstbild, das nicht nur sie, sondern auch ihre Partner belastet. Zu großer Verunsicherung führt vor allem bei weiblichen Patienten eine Schwangerschaft. Es besteht oftmals die Angst vor einer Verschlimmerung der Krankheit aufgrund der hormonellen Umstellung oder anderer Medikamente, auch die Sorge, eine Frühgeburt zu erleiden oder die Erkrankung an das Kind weiterzugeben beschäftigen die Patientinnen. Hier kommt einer kompetenten medizinischen Betreuung und einem vertrauensvollen Verhältnis zu dem behandelnden Arzt eine sehr wichtige Rolle zu, um Ängste zu entkräften und Sicherheit zu geben. Die Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) hat für Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen eigens eine Sprechstunde eingerichtet, bei der Probleme und Sorgen dieser Art besprochen werden können.  

Schonende Chirurgie als Option

„So wenig wie möglich, jedoch so viel wie nötig“ lautet der chirurgische Grundsatz in Bezug auf entzündliche Darmerkrankungen. Die Viszeralchirurgie spielt eine entscheidende Rolle in der Behandlung von Komplikationen wie Engstellen, Abszessen und Fisteln. Eine Colitis ulcerosa kann durch die vollständige Entfernung des Dickdarms und einer Rekonstruktion mit dem Schließmuskel sogar nachhaltig behandelt werden. Sollten bei Morbus Crohn mehrere Operationen an Dünn- oder Dickdarm nötig sein, bietet sich die Technologie der minimal-invasiven Chirurgie an. Durch sie wird nicht nur das Abdominaltrauma verringert, auch die durch die Operation entstehenden Narben werden deutlich kleiner und wichtige Nerven können geschont werden. Auch hier ist eine individuelle Betreuung besonders wichtig, beispielsweise durch spezielle proktologische Sprechstunden, wie sie die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am RBK anbietet.

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