31. Mai 2010 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Für Wissenschaft und Nachwuchs zusammenarbeiten

Die Universität Tübingen etabliert Lehre und Forschung der Rechtsmedizin am Robert-Bosch-Krankenhaus

Zum 1. Juni 2010 gewinnt das rechtsmedizinische Leistungsspektrum am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) einen neuen Zweig hinzu: Die Universität Tübingen verlagert den Forschungs- und Lehrbereich ihres rechtsmedizinischen Instituts an das RBK. Neben der bereits langjährigen Durchführung gerichtlicher Obduktionen und toxikologischer Untersuchungen werden damit die gemeinsamen Forschungsaktivitäten weiter intensiviert. Studenten der Rechtsmedizin der Uni Tübingen werden künftig schwerpunktmäßig am RBK ausgebildet.

„Mit der Uni Tübingen bestehen traditionell enge Verbindungen, seitdem das RBK 1973 Akademisches Lehrkrankenhaus wurde“, sagt Geschäftsführer Ullrich Hipp. „Bereits seit rund 15 Jahren stellt das RBK darüber hinaus Rechtsmedizinern der Uni Tübingen seine Infrastruktur für die Durchführung von Obduktionen zur Verfügung. Diese Kooperation wurde über die Jahre hinweg ständig ausgebaut. Dass nun auch im Bereich der Rechtsmedizin gemeinsame Forschungs- und Lehraktivitäten stattfinden, ist ein weiterer wichtiger Schritt unserer vertrauensvollen Zusammenarbeit.“

Einbettung in Klinikstrukturen

„Bei der Aufklärung eines Verbrechens und bei der Rekonstruktion von Unfällen oder auch Suiziden spielen Rechtsmediziner oft die entscheidende Rolle – das ist nicht nur im Fernsehen, sondern auch in der täglichen Realität der Fall“, erläutert Prof. Dr. Heinz-Dieter Wehner, Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Tübingen a.D. „Die forensische Forschung und Lehre bilden dabei eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt und die Weiterentwicklung höchster fachlicher Qualität in der Durchführung gerichtlicher Obduktionen. Anders als an den Universitätskliniken, wo die Rechtsmedizin im Allgemeinen eine kleine und damit teure Einheit darstellt, kann der Forschungs- und Lehrbetrieb am RBK in die vorhandenen Klinik- und Leistungsstrukturen eingebettet und damit kostendeckend betrieben werden – eine Gewinnsituation für beide Seiten.“

Leiter des neuen rechtsmedizinischen Lehrbereichs am RBK ist Priv.-Doz. Dr. Frank Wehner. Der theoretische und praktische Unterricht für rund 300 Studenten der Rechtsmedizin pro Semester findet künftig vorwiegend am RBK statt. „Die Studenten profitieren von der engen räumlichen Verbindung von Lehre und praktischer Anwendung“, so Priv.-Doz. Dr. Frank Wehner. „Die praktischen Erfahrungen – das heißt die Begleitung von Obduktionen – sind für Rechtsmediziner mindestens ebenso wichtig wie das theoretische Lernen. Für beides bietet das RBK optimale strukturelle Voraussetzungen.“

Langjährige Zusammenarbeit

Rechtsmediziner der Uni Tübingen führen am RBK seit 1995 Obduktionen durch, nachdem das Rechtsmedizinische Institut der Stadt Stuttgart geschlossen wurde. Seit 1999 etablierte sich eine enge Zusammenarbeit des RBK mit der Gesellschaft für Rechtsmedizinische Untersuchungen und Sachverständigkeiten (GRUS mbH), die die rechtsmedizinischen Untersuchungen für die Staatsanwaltschaften Stuttgart, Tübingen, Hechingen, Rottweil sowie das Polizeipräsidium Stuttgart und die Landespolizeidirektionen Stuttgart und Tübingen organisiert. Messungen von Blutalkoholkonzentrationen (heute rund 10 000 pro Jahr) und Betäubungsmittel-Konzentrationen (heute rund 5000 pro Jahr) werden seither am RBK durchgeführt.

2004 wurden die technischen Voraussetzungen für molekularbiologische Spurenuntersuchungen geschaffen und die forensische Computertomografie eingeführt. Für die Durchführung von Tatrekonstruktionen wurde eine Streifenlichttopometrie-Anlage installiert, mit der vor Gericht Animationen von Gewalteinwirkungen dreidimensional dargestellt werden können.

„Im RBK stehen das qualifizierte Personal sowie sämtliche Einrichtungen zur Verfügung, die für die Durchführung rechtsmedizinischer Untersuchungen benötigt werden: Pathologie einschließlich Histologie, forensische Toxikologie, molekularbiologische Spurenkunde und forensische Radiologie“, so Prof. Dr. Heinz-Dieter Wehner. „Um darüber hinaus die forensische Tätigkeit ständig dem Stand der Wissenschaft entsprechend weiterzuentwickeln und so höchste fachliche Qualität in der Rechtsmedizin zu gewährleisten, ist eine Wechselwirkung von Praxis und Forschung, wie sie jetzt durch die Einbeziehung des Forschungs- und Lehrbereichs im RBK gegeben ist, eine wichtige Voraussetzung.“

Bildmaterial auf Anfrage

Analyse von Alkohol und Drogen im Blut im toxikologischen Labor des Robert-Bosch-Krankenhauses
Obduktionsraum mit Streifenlichttopometrie-Anlage im Robert-Bosch-Krankenhaus

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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