06. Februar 2013 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Kampf dem Krebs – Robert-Bosch-Krankenhaus setzt Maßstäbe in Behandlung und Forschung

Das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) forscht gemeinsam mit dem Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) unter anderem auf dem Gebiet der Krebserkrankungen. Aktuelle Forschungsergebnisse, die in der internationalen Fachwelt Anerkennung finden, werden so umgehend in der klinischen Praxis umgesetzt und kommen auf diese Weise direkt den Patienten zugute. Ab 2014 sollen die Aktivitäten in dem neuen Comprehensive Cancer Center gebündelt werden.

Medizin mit Vorsprung – das neue Comprehensive Cancer Center am RBK

Mit dem geplanten Comprehensive Cancer Center werden in Stuttgart erstmals alle Disziplinen, die an der onkologischen Diagnostik und Therapie beteiligt sind, in einem Behandlungszentrum räumlich zusammengefasst. Somit ergeben sich für Patienten, behandelnde Ärzte und Forscher kurze Wege und die Möglichkeit, ohne räumliche Barrieren miteinander zu kommunizieren und schnell Entscheidungen zu treffen. Durch die Einbindung des IKP erreichen aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung ohne Umwege den Patienten. Auf diese Weise kann das RBK eine Behandlung bieten, die stets modernsten medizinischen Standards entspricht. Gleichzeitig haben die Wissenschaftler die Möglichkeit, für ihre Untersuchungen direkte Impulse aus der Behandlung zu gewinnen und so ihrer Forschung eine stärker patientenorientierte Richtung zu geben.

Der Patient im Mittelpunkt

Patienten werden tendenziell älter und zeigen gleichzeitig mehrere Krankheitsbilder. „Dieser Multimorbidität muss ein Krankenhaus mit angepassten Strukturen begegnen, eine ganzheitliche Ausrichtung der medizinischen Leistungserbringung ist unumgänglich“, erklärt Ullrich Hipp, Geschäftsführer der Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH. Aus diesem Grund hat das RBK das Raumkonzept sowie sämtliche Prozesse, die innerhalb des neuen Funktionsbaus ablaufen werden, an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet. Alle beteiligten Disziplinen werden sich in unmittelbarer Nähe befinden. Zusätzlich werden sowohl die Onkologische Tagesklinik als auch die Psychosomatische Tagesklinik dort angesiedelt sein.

 

Forschung auf höchstem Niveau 

Antidiabetikum hilfreich in der Krebsprävention

Der Arzneistoff Metformin wird in vielen Fällen bei Diabetes mellitus Typ II eingesetzt und gehört zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Nebenwirkungen gewinnt Metformin auch bei anderen Therapie- und Präventionsformen immer mehr an Bedeutung, insbesondere in der Vorbeugung von Krebserkrankungen. „Aktuelle Studien haben nachgewiesen, dass die Wirkung von Metformin einen komplexen pharmakologischen Prozess beschreibt und auch genetische Faktoren eine erhebliche Rolle spielen“, erklärt Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des IKP. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung mit der Einnahme einer durchschnittlichen Metformin-Dosis für Diabetiker sinkt. „Unsere Aufgabe ist nun herauszufinden, welche Faktoren die präventive Wirkung positiv beeinflussen“, so Prof. Schwab. Schwerpunkt der Forschung am IKP ist die Genomforschung in Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie, die sogenannten Personalisierten Medizin.

Aktuelle Forschung zur Genetik des Burkitt-Lymphoms

Im Gegensatz zu anderen Lymphomen bedarf das aggressive maligne Burkitt-Lymphom einer speziellen Therapie – die richtige Diagnose ist somit von entscheidender Bedeutung. „In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass dies gar nicht so einfach ist, da das Burkitt-Lymphom in der pathologischen Diagnostik häufig Ähnlichkeiten zu anderen Lymphomerkrankungen zeigt“, erklärt Prof. Dr. German Ott, Chefarzt der Abteilung für Pathologie am RBK. In der Zusammenarbeit mit dem internationalen Forschungsverbund „Lymphoma/Leukemia Molecular Profiling Project“ ist es Wissenschaftlern des RBK gelungen, neue diagnostische Konzepte auf diesen Tumor anzuwenden, die vor allem auf die genetische Analyse des Burkitt-Lymphoms hinzielen. So gelang es den Forschern, ein genetisches Profil der Tumorzellen zu erstellen, das in dieser Auflösung bislang nicht bekannt war. Wie die Forscher jetzt in der renommierten US-Zeitschrift „Nature“ berichteten, zeigten die Tumoren zahlreiche Genmutationen, deren Spektrum das Burkitt-Lymphom in eindeutiger Weise charakterisiert. Dabei ist insbesondere die Aufklärung der genetischen „Pathways“, also bestimmter Signalwege wichtig, welche die Tumorzellen bevorzugt nutzen. „Durch die Aufdeckung dieser Signalwege ist es möglich, bestimmte, auf den individuellen Tumor zugeschnittene, Therapiewege zu identifizieren“, so Prof. Ott. Forscher hoffen, durch das bessere Verständnis dieser Signalwege beim Burkitt-Lymphom die Therapie besser und vor allem weniger belastend für den Patienten zu machen.

Hodenkarzinome geben Aufschluss über verbesserte Behandlungsstrategien bei Krebserkrankungen

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel in dem renommierten Fachmagazin „Cancer Research“ konnten Forscher des IKP nachweisen, warum Hodenkarzinome besonders empfindlich auf eine Chemotherapie reagieren. Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass Patienten auch in fortgeschrittenen, metastasierten Krankheitsstadien häufig vollständig geheilt werden können. „Die meisten Hodenkarzinome enthalten das Protein Noxa, das dafür sorgt, dass die Zellen auf die Chemotherapie so reagieren, wie wir möchten – nämlich mit dem programmierten Zelltod“, erklärt Dr. Heiko van der Kuip, der am IKP die Forschung zu diesem Thema gemeinsam mit Prof. Dr. Walter E. Aulitzky (Chefarzt der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am RBK) leitet. Im Rahmen seiner Doktorarbeit erbrachte Matthias Gutekunst den Großteil der Forschungsarbeit für dieses Projekt. Die Wissenschaftler untersuchen nun, ob die Kenntnis dieses Mechanismus die Entwicklung einer besseren Behandlungsstrategie auch bei anderen Krebserkrankungen ermöglicht. „Um diese Hypothese zu prüfen, planen wir andere Tumorzellen so zu manipulieren, dass eine den Hodentumoren ähnliche Überempfindlichkeit auf Chemotherapie resultiert. Erste Ergebnisse am Beispiel des Mantelzell-Lymphoms deuten darauf hin, dass dies möglich ist,“ so Dr. van der Kuip.

 

Auch psychische und soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle in der Therapie

Lebensgeschichten am Lebensende

Als erste Klinik in Deutschland führt das RBK die Prinzipien der sogenannten „Dignity Therapy“, einer personenbezogenen psychotherapeutischen Begleitung palliativer Patienten am Lebensende, ein. Im Mittelpunkt der Therapiemethode stehen bedeutsame Stationen in der Lebensgeschichte von sterbenden Patienten, welche diese gemeinsam mit dem Therapeuten besprechen und in einem persönlichen Text verschriftlichen können. Die Erstellung eines solchen Textes gibt den Patienten die Möglichkeit, ihr Leben rückblickend zu betrachten und Situationen oder Entscheidungen mit zeitlichem Abstand eventuell neu zu bewerten. Die Existenz eines solchen Dokuments gibt den Patienten in zwei Aspekten Sicherheit: Zum einen verstärkt es das Empfinden, dass nach ihrem Tode etwas von ihnen in der Welt bleibt, zum anderen können sie mitbestimmen, wie sie in Erinnerung behalten werden möchten. „Gerade chronisch kranke Personen verändern sich im Laufe einer langen Therapie – körperlich und seelisch“, erklärt Diplom-Psychologe Jochen Spang, der das Projekt leitet. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden, ihr Selbsterleben als verbessert empfunden haben, zudem konnten psychische Belastungsfaktoren auch bei Angehörigen vermindert werden. Die neue Therapieform ergänzt das bisherige psychoonkologische Angebot der Abteilung für Psychosomatische Medizin, welche die unterschiedlichen medizinischen Bereiche des RBK konsiliarisch unterstützt und Patienten im Rahmen einer ambulanten Tagesklinik behandelt. Derzeit werden die Mitarbeiter der Abteilung in der Anwendung der neuen Methode geschult. Die Einführung in die therapeutische Praxis ist für das kommende Frühjahr vorgesehen.

„Diagnose Krebs – Mitten im Leben“

Durch moderne Hochleistungsmedizin können heute bereits viele Patienten mit Krebserkrankungen geheilt werden. Trotzdem sind die sozialen Folgen für Patienten, die noch in der Ausbildung oder im Berufsleben stehen, in vielen Fällen anhaltend und schwerwiegend: Soziale Isolation, psychische Belastung der gesamten Familie, partnerschaftliche Probleme und finanzielle Unsicherheiten überschatten den Genesungsgsprozess. Hier setzt das Projekt „Diagnose Krebs – Mitten im Leben“ der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin des RBK an, das vom Verein Freunde und Förderer des Robert-Bosch-Krankenhauses e.V. unterstützt wird. „Mit dem Beratungsangebot wollen wir die sozialen, beruflichen und familiären Probleme von Krebspatienten durch frühzeitige Erkennung, gezielte Beratung und Vernetzung von Betreuungsangeboten vermindern“, so Prof. Dr. Walter E. Aulitzky, Chefarzt der Abteilung. Das Betreuungsteam von „Diagnose Krebs – Mitten im Leben“ leistet spezielle psychosoziale Unterstützung für onkologische Patienten bis zirka 50 Jahre. „Wir nehmen mit den Betroffenen und ihren Familien frühzeitig Kontakt auf und besprechen mit ihnen mögliche emotionale, familiäre und finanzielle Probleme. Anschließend nehmen wir Verbindung zu unserem Netzwerk auf – dieses reicht von psychotherapeutischen Praxen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen über Rehabilitationskliniken bis hin zu Schuldnerberatern“, erklärt Jens Stäudle, Leiter des Projekts. Auch die hauseigenen Kompetenzen und Betreuungsangebote des RBK, darunter der Konsiliar- und Liasondienst der Abteilung für Psychosomatische Medizin, stehen den Patienten während und nach ihrer Behandlung zur Verfügung.

 

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