02. Februar 2012 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Krebstherapie und Forschung eng verzahnt

Am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) fließen aktuelle Forschungsergebnisse direkt in die Behandlung der Patienten ein. Insbesondere auf dem Gebiet der Onkologie findet eine enge Verzahnung mit dem Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) statt. Gleichzeitig bietet das RBK eine für den Raum Stuttgart einzigartige Beratungsmöglichkeit für onkologische Patienten bis zirka 50 Jahre.

Ansätze der Personalisierten Medizin in der Therapie von Brustkrebs
Das IKP am RBK ist weltweit eines der führenden Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Pharmakogenomik und der Personalisierten Medizin. Das Institut forscht kontinuierlich zu der Wirkungsweise von Medikamenten. Im Fokus steht dabei die Frage, warum manche Patienten von einer Arzneimitteltherapie profitieren, andere jedoch nicht. Prof. Dr. Hiltrud Brauch, stellvertretende Institutsleiterin des IKP, widmet sich schwerpunktmäßig der Behandlung von Brustkrebs, indem sie die Optimierung der medikamentösen Behandlung zum Ziel hat. „Um für eine Patientin das passende Medikament zu finden, müssen derzeit häufig verschiedene Ansätze ausprobiert werden. Dies kostet in vielen Fällen wertvolle Zeit und beeinträchtigt nicht zuletzt die Lebensqualität durch unerwünschte Nebenwirkungen und Rückschläge. Daher ist unser Ziel, das Ansprechen auf ein Medikament besser vorhersagen zu können, um von Anfang an die für die Patientin am besten geeignete Therapie einsetzen zu können“, erklärt Prof. Brauch. Im Fokus der Forschungsarbeiten stehen anti-hormonell wirkenden Medikamente, die standardmäßig zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden. Diese müssen zum einen in eine aktive Form umgewandelt werden oder werden zum anderen inaktiviert. Nicht jede Patientin kann dies im gleichen Maße. Der Grund dafür liegt in den Genen. In einer groß angelegten Studie mit über 1.300 postmenopausalen Brustkrebspatientinnen konnte Prof. Brauch nachweisen, dass ein bestimmter Genotyp bei der Verstoffwechselung des antihormonellen Medikamentes Tamoxifen ein schlechteres Ansprechen zeigt. Dieses Beispiel belegt, dass die Genomforschung im Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie richtungsweisend für eine Personalisierte Medizin ist. „Umfassende Konzepte von der Grundlagenforschung hin zur klinischen Anwendung sind der Auftrag unserer Forschungsaktivitäten am IKP, die in besonderer Weise vor allem die Tumortherapie betreffen“, kommentiert Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des Instituts. 

Aktuelle Forschungen zur Entstehung von Lymphomen 
Als Teil einer internationalen Forschergruppe arbeitet die Abteilung für Pathologie des RBK unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. German Ott an neuen Therapieansätzen bei Krebserkrankungen des Immunsystems. Bei rund 60 Prozent der Patienten, die an einem der häufigsten Lymphomtypen, dem diffusen grosszelligen B-Zell Lymphom (DLBCL) erkrankt sind, kann der Tumor durch eine Kombination von Chemo- und Immuntherapie langfristig eingedämmt oder vollständig geheilt werden. Rund 40 Prozent der Erkrankten sprechen auf diese Therapie jedoch nicht an. Gemeinsam mit seinen internationalen Kollegen konnte Prof. Ott nachweisen, dass bei vielen dieser Patienten aufgrund eines mutierten Rezeptors die Tumorzellen kontinuierlich zur Teilung angeregt werden. „Diese Erkenntnis eröffnet völlig neue Therapiemöglichkeiten. Wir wissen, dass die Signalübertragung vom Rezeptor zum Zellkern über mehrere Signalketten läuft. Denkbar wäre es zum Beispiel, durch Medikamente in den Ablauf der Signalübertragung einzugreifen, um so das Wachstum der Tumorzelle zu blockieren“, so Prof. Ott. Die Forschergruppe untersucht diese und weitere, innovative Therapiemöglichkeiten derzeit in ersten klinischen Studien.

Was unterscheidet Tumorzellen von gesunden Zellen?
Voraussetzung für eine erfolgreiche Chemotherapie ist, dass Tumorzellen anders auf toxische Substanzen reagieren, als gesunde Körperzellen. Diese so genannte Hypersensitivität zeigt sich bei einigen Tumorerkrankungen, darunter bei Hodenkarzinomen und einem Teil der Lymphome. „Wir suchen in diesen Zellsystemen nach Mechanismen, die diese hypersensitive Reaktion erklären, um dieses Verhalten auch in anderen weniger gut ansprechenden Tumoren hervorzurufen“, erklärt Prof. Dr. Walter Erich Aulitzky, Chefarzt der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin und Leiter einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, welcher Mitarbeiter des RBK und des IKP angehören. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass zwei Proteine maßgeblich für die Hypersensitivität der Tumorzellen verantwortlich sind. Durch pharmakologische Manipulation können diese Proteine so beeinflusst werden, dass die Tumorzellen sensitiv werden.  

„Diagnose Krebs – Mitten im Leben“
Durch moderne Hochleistungsmedizin können heute bereits viele Patienten mit Krebserkrankungen geheilt werden. Trotzdem sind die sozialen Folgen für Patienten, die noch in der Ausbildung oder im Berufsleben stehen, in vielen Fällen anhaltend und schwerwiegend: Soziale Isolation, psychische Belastung der gesamten Familie, partnerschaftliche Probleme und finanzielle Unsicherheiten überschatten den Gesundungsprozess. Hier setzt das Projekt „Diagnose Krebs – Mitten im Leben“ der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin des RBK an, das vom Verein Freunde und Förderer des Robert-Bosch-Krankenhauses e.V. unterstützt wird. „Mit dem Beratungsangebot wollen wir die sozialen, beruflichen und familiären Probleme von Krebspatienten durch frühzeitige Erkennung, gezielte Beratung und Vernetzung von Betreuungsangeboten vermindern“, so Prof. Dr. Walter Erich Aulitzky, Chefarzt der Abteilung. Das Betreuungsteam von „Diagnose Krebs – Mitten im Leben“ leistet spezielle psychosoziale Unterstützung für onkologische Patienten bis zirka 50 Jahre. „Wir nehmen mit den Betroffenen und ihren Familien frühzeitig Kontakt auf und besprechen mit ihnen mögliche emotionale, familiäre und finanzielle Probleme. Anschließend nehmen wir Verbindung zu unserem Netzwerk auf – dieses reicht von psychotherapeutischen Praxen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen über Rehabilitationskliniken bis hin zu Schuldnerberatern“, erklärt Jens Stäudle, Leiter des Projekts. Auch die hauseigenen Kompetenzen und Betreuungsangebote des RBK, darunter der Konsiliar- und Liasondienst der Abteilung für Psychosomatische Medizin, stehen den Patienten während und nach ihrer Behandlung zur Verfügung.

Bildmaterial auf Anfrage

Das Projekt „Diagnose Krebs – Mitten im Leben“ leistet spezielle psychosoziale Unterstützung für onkologische Patienten, die noch in der Ausbildung oder im Berufsleben stehen.
Histologische Färbung eines duktalen, d.h. im Milchgang entstandenen, invasiven, d.h. in das umliegende Gewebe (rosa) einwachsende Tumorzellverbände (violett).
Malignes Lymphom mit rundlichen, mittelgroßen Tumorzellen (weiß) und eingestreuten kleinen gesunden Lymphozyten (dunkel lila).

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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