18. Januar 2013 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Lebensgeschichten am Lebensende – Robert-Bosch-Krankenhaus wendet neue Therapiemethode an

Als erste Klinik in Deutschland führt das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) die Prinzipien der sogenannten „Dignity Therapy“, einer personenbezogenen psychotherapeutischen Begleitung palliativer Patienten am Lebensende, ein. Im Mittelpunkt der Therapiemethode stehen bedeutsame Stationen in der Lebensgeschichte von sterbenden Patienten, welche diese gemeinsam mit dem Therapeuten besprechen und in einem persönlichen Text verschriftlichen können.

Die Therapie von Patienten, welche an einer fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Erkrankung leiden, lässt sich nicht nur auf die Behandlung körperlicher Beschwerden reduzieren. Auch seelische und soziale Faktoren spielen für die Erkrankten und deren Angehörige in dieser Situation eine wichtige Rolle. „In Gesprächen erleben wir häufig, dass unerledigte Lebensthemen und innerfamiliäre Konflikte die Sterbenden besonders belasten und einer therapeutischen Bearbeitung bedürfen“, erklärt Diplom-Psychologe Jochen Spang aus der Abteilung für Psychosomatische Medizin des RBK. Um diesem Anspruch zu begegnen, wird am RBK in der palliativen Behandlung nun eine spezielle Therapieform namens „Dignity Therapy“ angewendet.

Patienten gestalten ihr Vermächtnis mit Hilfe des Therapeuten

Dabei handelt es sich um eine Therapiemethode für Patienten der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, welche auch die Angehörigen mit einbindet. Den palliativ Erkrankten wird die Möglichkeit gegeben, bedeutungsvolle Aspekte ihres Lebens in einem geschützten therapeutischen Rahmen zu besprechen und auf Wunsch ihren Familien und Freunden in schriftlicher Form zu hinterlassen. Die Erstellung eines solchen Textes gibt den Patienten die Möglichkeit, ihr Leben rückblickend zu betrachten und Situationen oder Entscheidungen mit zeitlichem Abstand eventuell neu zu bewerten. Die Existenz eines solchen Dokuments gibt den Patienten in zwei Aspekten Sicherheit: Zum einen verstärkt es das Empfinden, das nach ihrem Tode etwas von ihnen in der Welt bleibt, zum anderen können sie mitbestimmen, wie sie in Erinnerung behalten werden möchten. „Gerade chronisch kranke Personen verändern sich im Laufe einer langen Therapie – körperlich und seelisch“, erklärt Jochen Spang. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden, ihr Selbsterleben als verbessert empfunden haben, zudem konnten psychische Belastungsfaktoren auch bei Angehörigen vermindert werden. Die neue Therapieform ergänzt das bisherige psychoonkologische Angebot der Abteilung für Psychosomatische Medizin unter Leitung von Prof. Dr. Heinz Weiß, welche die unterschiedlichen medizinischen Bereiche des RBK konsiliarisch unterstützt und Patienten im Rahmen einer ambulanten Tagesklinik behandelt. Derzeit werden die Mitarbeiter der Abteilung in der Anwendung der neuen Methode geschult. Die Einführung in die therapeutische Praxis ist für das kommende Frühjahr vorgesehen.

Die Therapieform wurde vor mehr als zehn Jahren von Harvey Max Chochinov, Professor für Psychiatrie an der Universität Manitoba, Kanada, entwickelt. Im praktischen Einsatz befindet sich das therapeutische Verfahren bisher in Kanada, USA, England, Schweden und Dänemark.

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