07. April 2010 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Medizinische Leistungen gerecht verteilen

Vortrag des Klinischen Ethikkomitees am Robert-Bosch-Krankenhaus

Im Rahmen einer Veranstaltung des Klinischen Ethikkomitees am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) hält Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt, langjähriger Direktor des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck, einen Vortrag zum Thema „Medizin zwischen Allokation und Ethik“. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 13. April 2010, um 20 Uhr im Pavillon 3 des Robert-Bosch-Krankenhauses statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung unter Telefon 0711/8101-3017 gebeten.

Bevölkerungswachstum, eine höhere Lebenserwartung, steigende Kosten und ein Mangel an Pflegekräften gehören zu den Herausforderungen, vor die sich das Gesundheitssystem zunehmend gestellt sieht. Allokation, ursprünglich ein Begriff aus der Wirtschaft, hat inzwischen auch Anwendung in der Medizin gefunden. Zu verstehen ist darunter die effiziente und gerechte Verteilung beschränkter Ressourcen – eine Aufgabe, die in der Medizin unmittelbar mit dringenden ethischen Fragestellungen verknüpft ist.

Inwieweit ist eine Einschränkung von Diagnostik und Therapie vertretbar? Wo ist die Grenze zur Rationierung, das heißt zu einer Kürzung notwendiger Leistungen zu ziehen – und inwieweit wird es möglich sein, diese Grenze einzuhalten? Derartige Fragen sind Teil einer Debatte, die von Ökonomen, Ethikern, Gesundheitswissenschaftlern und Medizinern unter dem Begriff „Allokationsethik“ geführt wird. In seinem Vortrag umreißt Prof. Engelhardt die Situation im Gesundheitswesen und greift die zentralen Fragestellungen auf, die sich angesichts der Herausforderung beschränkter medizinischer Ressourcen für Medizin und Gesellschaft, für den Arzt und den Patienten stellen. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit für Fragen und zur Diskussion.

Zur Person: Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt

Im Anschluss an eine Promotion in Philosophie, Geschichte und Slavistik war Dietrich von Engelhardt zunächst am Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg tätig und arbeitete parallel am Heidelberger Institut für Geschichte der Medizin. Nach seiner Habilitation an der Fakultät für Naturwissenschaftliche Medizin war er von 1983 bis 2007 Direktor des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck und von 1993 bis 1996 Prorektor der Universität. Von 1998 bis 2002 bekleidete er das Amt des Präsidenten der Akademie für Ethik in der Medizin. Seit 2008 ist Prof. von Engelhardt Kommissarischer Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der TU München, seit 2009 Dozent an der Asklepios-Medical School Budapest/Hamburg.

Das Klinische Ethikkomitee am Robert-Bosch-Krankenhaus

Nicht immer gibt es eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Ausschöpfung aller medizinischen Möglichkeiten für den Patienten die beste Lösung ist und welcher Behandlungsweg in der individuellen Situation einzuschlagen ist. Mediziner, Angehörige und die Patienten selbst sehen sich bei solchen und anderen Grenzfragen vor schwierige und kontroverse ethische Entscheidungen gestellt, die alleine kaum zu lösen sind.

Das Klinische Ethikkomitee am RBK bietet ein Forum des Austausches und der gemeinsamen Abwägung. Es leistet Entscheidungshilfe und unterstützt dabei, eine ausgewogene und fundierte Wertentscheidung bei Fragen zu treffen, die mit Fachwissen alleine nicht zu beantworten sind.

Dem Ethikkomitee gehören Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen und Disziplinen des Krankenhauses an. Sie versuchen, die verschiedenen Aspekte einer Anfrage von möglichst vielen Seiten zu betrachten, und erörtern sie gemeinsam. Das Ergebnis ist eine Empfehlung, bei der das Wohl und der Wille der Patienten unter Einbezug ihrer Angehörigen im Vordergrund stehen.

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