11. Februar 2010 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Neue Erkenntnisse über Krebserkrankungen des Immunsystems

Internationales Forschungsprojekt zur Entstehung von Lymphomen vorgestellt

Eine internationale Forschungsgruppe hat neue Erkenntnisse über die Entstehung bösartiger Krebserkrankungen des Immunsystems und mögliche Therapieansätze gewonnen. Von deutscher Seite sind Prof. Dr. German Ott, Chefarzt der Abteilung für Pathologie am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK), sowie Prof. Dr. Andreas Rosenwald und Prof. Dr. Hans Konrad Müller-Hermelink vom Pathologischen Institut der Universität Würzburg an dem Forschungsprojekt beteiligt. Entdeckt wurde ein Mechanismus, der möglicherweise bewirkt, dass rund 25 Prozent der Patienten mit einer Lymphomerkrankung nicht auf die gängige Therapie ansprechen.

Lymphome und ihre Behandlung

Bei rund fünf Prozent aller bösartigen Tumoren handelt es sich um maligne Lymphome, das heißt um bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Rachenmandeln, Milz und Knochenmark). In Deutschland treten pro Jahr rund 3.000 derartige Erkrankungen auf. Die Tumoren gehen aus den Lymphozyten hervor, denjenigen Zellen also, die innerhalb des Immunsystems für die Erkennung und Eliminierung von fremden Antigenen (Proteinen) und demnach auch Tumorproteinen zuständig sind. Je nachdem, welche Zellart betroffen ist, entstehen verschiedene Lymphomtypen. Von diesen ist das so genannte „diffuse großzellige B-Zell-Lymphom“ das häufigste.

„Zur Behandlung dieses Lymphoms hat sich eine Kombination von Chemotherapie und Immuntherapie als am erfolgreichsten erwiesen. Die Chemotherapie bewirkt dabei eine Schädigung der DNA der Tumorzellen, wodurch deren Teilung verhindert wird. Bei der Immuntherapie werden speziell gegen die Tumorzellen gerichtete Antikörper eingesetzt. Bei rund 75 Prozent der Patienten kann die Krebserkrankung auf diese Weise langfristig eingedämmt bzw. vollständig geheilt werden. 

Chronisch stimulierter Oberflächenrezeptor

Die Forschungsgruppe konnte nun erstmals zeigen, warum die Therapie bei einem Teil der Patienten möglicherweise keinen Erfolg zeigt. Kommen Lymphozyten in Kontakt mit fremden Proteinen, wird im Rahmen der Immunabwehr die Abwehrzelle aktiviert und stimuliert. Der Kontakt mit dem Antigen und die Zellstimulierung erfolgt über Rezeptoren an der Zelloberfläche. Gezeigt wurde nun, dass insbesondere bei Lymphomen von Patienten, die auf die Chemo-Immuntherapie nicht oder weniger gut ansprechen, dieser B-Zell-Rezeptor aufgrund von Mutationen chronisch aktiv ist. Die Folge dieser ständigen („konstitutiven“) Rezeptoraktivität ist die kontinuierliche Stimulierung der Tumorzelle zur Teilung.

Therapieansätze

„Wir vermuten, dass dieser chronisch stimulierte B-Zell-Rezeptor zumindest für einen Teil der Fälle verantwortlich ist, in denen Lymphompatienten trotz Behandlung sterben“, erläutert Prof. Dr. German Ott. „Diese Erkenntnis eröffnet völlig neue Therapiemöglichkeiten. Wir wissen, dass die Signalübertragung vom Rezeptor zum Zellkern über mehrere Signalketten läuft. Denkbar wäre es zum Beispiel, durch Medikamente in den Ablauf der Signalübertragung zwischen Rezeptor und Zellkern einzugreifen, um so das Wachstum der Tumorzellen zu blockieren. In einem nächsten Schritt müssen diese Möglichkeiten im Rahmen klinischer Studien geprüft werden.“

Die Arbeitsgruppe von Chefarzt Prof. Ott in der Abteilung für Pathologie am RBK kooperiert eng mit Mitarbeitern des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie. Der internationalen Forschungsgruppe, die in dem „Lymphoma/Leukemia Molecular Profiling Project“ zusammenarbeitet, gehören insgesamt acht Institutionen aus den USA, Deutschland, Kanada, England, Norwegen und Spanien an. Die jüngsten Ergebnisse wurden unter dem Titel „Chronic Active B Cell Receptor Signaling in Diffuse Large B Cell Lymphoma“ im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Bildmaterial auf Anfrage

Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom mit rundlichen, mittelgroßen Tumorzellen (B-Zellen) und eingestreuten kleinen gesunden Lymphozyten.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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