04. August 2011 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Rüstzeug für den Ernstfall

Am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) haben gestern 45 Medizinstudenten aus ganz Deutschland und Österreich den Notfall geprobt: Unter Leitung eines Notarztes mussten sie unter 20 Unfallopfern in möglichst kurzer Zeit die lebensbedrohlich erkrankten Patienten finden. Von den Nachwuchsärzten wurde dazu eine neuartige Untersuchungstechnik eingesetzt, die im Ernstfall Leben retten kann. Dieses Verfahren wird am RBK sowie an der Sommerakademie des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin mit Hilfe von eLearning und praktischen Übungen vermittelt.

Das simulierte Szenario, das sich gestern Nachmittag am RBK abgespielt hatte, wurde gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Katastrophenmedizin entwickelt: Nach einer Explosion in Kellerräumen sind verletzte Personen ins Freie geflohen. Die Studenten, die derzeit an der Tübinger Sommerakademie Katastrophenmedizin und humanitäre Hilfe teilnehmen, hatten die Aufgabe, bei diesen Personen einen diagnostischen Test durchzuführen, der dem Notarzt die Sichtungsentscheidung erleichtert. Dabei folgten sie dem sogenannten mSTaRT-Algorithmus. Dieser definiert einen Untersuchungsstandard, der bei einem großen Aufkommen von zum Teil schwer Verletzten angewendet werden kann. Mit diesem Test können die Patienten in verschiedene Kategorien eingeteilt werden: Lebensbedrohlich Verletzte, die sofort behandelt werden müssen, fallen in die Kategorie „Rot“, Erkrankte, deren Behandlung dringlich ist, erhalten eine gelbe Kennzeichnung und Personen, die später versorgt werden können, werden mit der Kategorie „Grün“ versehen.

Die richtige Versorgung zur richtigen Zeit

„Diese Vorsichtung ersetzt natürlich keinesfalls die abschließende Einschätzung durch den Notarzt“, erklärt Dr. Matthias Offterdinger, Facharzt der Abteilung für Anästhesie am RBK. Vielmehr unterstützen die Rettungskräfte mit dieser Vorgehensweise die Arbeit der Notärzte bei einem so genannten „Massenanfall von Verletzten“, da nun erstmals schwerstverletzte Patienten schon zu Beginn der Rettungsmaßnahmen mit hoher Sicherheit erkannt werden können. „Wir wollen schnell die Personen finden, die sofort behandelt werden müssen,“ sagt Dr. Offterdinger. Erfahrungsgemäß wird ohne ein strukturiertes Vorgehen die Verletzungsschwere eines Patienten überschätzt. „Dadurch besteht die Gefahr, dass viele tatsächlich lebensbedrohlich Erkrankte in der Vielzahl der falsch eingeschätzten Patienten übersehen werden und nicht mehr rechtzeitig versorgt werden können“, so Dr. Offterdinger weiter. Im Gegensatz dazu kann mit Hilfe des mSTaRT-Tests in wenigen Sekunden eine präzise Sichtungsentscheidung getroffen werden.

Erstmals Einsatz in Stuttgart

Seit 2005 ist dieses System bereits im Münchener Rettungsdienstbereich im Einsatz. In Stuttgart führte das RBK 2010 erste Machbarkeitsuntersuchungen durch: Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Matthias Hansen, Oberarzt in der Abteilung für Anästhesie, hat Dr. Offterdinger an Schulungen zu dem Thema teilgenommen, zahlreiche Gespräche mit Experten geführt und ein Konzept erarbeitet, mit dem das Wissen effektiv weitergegeben werden kann. Unterstützung bekommen die beiden von Prof. Dr. Gerhard Klein, Chefarzt der Abteilung am RBK. Dabei ist die Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Katastrophenmedizin entstanden, die den Lehrgang als Teil ihrer Sommerakademie in das Programm aufgenommen hat. Bevor die Studenten an dem heutigen Test teilnehmen durften, mussten sie zwei eLearning-Lektionen erfolgreich abschließen, in denen die theoretischen Vorkenntnisse vermittelt wurden. Die Übung am RBK sorgte nun für den praktischen Part.

Erfolgreicher Testlauf

Entwickelt wurde der mSTaRT-Algorithmus in den 1980er Jahren. Seither wurde das Verfahren nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kontinuierlich verbessert und erweitert. Durch den interdisziplinären Ansatz kann auch nicht-ärztliches Fachpersonal die lebensrettende Vorsichtung übernehmen. Großes Interesse an dem System zeigt daher die Feuerwehr Stuttgart, die sich die heutige Übung am RBK angeschaut hat. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es wichtig ist, schnellstmöglich die am schwersten Verletzten im Schadensgebiet zu identifizieren. Ein möglichst schneller Überblick hat großen Einfluss auf die weiteren einsatztaktischen Entscheidungen. Das mSTaRT-Konzept kann dabei eine wertvolle Hilfe sein“, erklärt Sebastian Fischer, Sprecher der Branddirektion Stuttgart.

Mit dem Ergebnis der Übung waren die Veranstalter sehr zufrieden. „Dass die Teilnehmer das System so erfolgreich angewendet haben, ist für uns der Beweis, dass unser Lehrgang gut funktioniert“, freut sich Dr. Matthias Offterdinger. 

Bildmaterial auf Anfrage

Der mSTaRT-Algorithmus im Einsatz, mit ihm kann der Schweregrad einer Verletzung in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.
Der mSTaRT-Algorithmus im Einsatz, mit ihm kann der Schweregrad einer Verletzung in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.
Mit Kunstblut wird die Notfallübung so realistisch wie möglich dargestellt.
Mit Kunstblut wird die Notfallübung so realistisch wie möglich dargestellt.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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