14. September 2010 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Schneller als ein halber Herzschlag

Einführung eines neuentwickelten Computertomografen am Robert-Bosch-Krankenhaus

Als Grundlage für die Diagnose von Erkrankungen und Verletzungen aller Körperregionen gehört die Computertomografie (CT) zu den wichtigsten
medizinischen Bildgebungsverfahren. Der generelle Nachteil: Die Strahlenbe-lastung für den Patienten ist vergleichsweise hoch. Hier setzt ein neu entwickeltes Gerät an, das bei erheblich reduzierter Strahlendosis und doppelter Geschwindigkeit Aufnahmen höchster Qualität liefert. Als erstes Krankenhaus in Baden-Württemberg verfügt das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) über ein solches Gerät, das von der Firma Siemens entwickelt wurde.

„Dem Computertomografen kommt für die Diagnostik von Erkrankungen und Verletzungen ebenso wie für Routineuntersuchungen eine zentrale Rolle zu“, sagt Ullrich Hipp, Geschäftsführer des RBK. „Gleichzeitig bedeutet eine CT-Untersuchung für den Patienten jedoch immer auch eine Belastung. Diese wird mit dem neuen Gerät auf ein absolutes Minimum reduziert, und das bei höchster Bildqualität. Derzeit gibt es kein anderes Gerät auf dem Markt, das ebenso schonend und gleichzeitig leistungsstark CT-Bilder liefert. Wir freuen uns, dass wir unseren Patienten dieses Angebot machen können.“

Minimale Strahlendosis

Das neue Gerät benötigt nur einen Bruchteil der Röntgenstrahlung (gemessen in Milli-Sievert, mSv), die von herkömmlichen Computertomografen erzeugt wird. Es kann zum Beispiel eine Untersuchung zum Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung bereits mit einer Dosis von weniger als einem Milli-Sievert durchführen. Diese Dosis liegt damit unter derjenigen, die für eine entsprechende Herzkatheteruntersuchung benötigt würde. Zum Vergleich: Die Röntgenstrahlung, der jeder Mensch natürlicherweise ausgesetzt ist, beträgt zwei bis vier mSv pro Jahr. Die Strahlenbelastung herkömmlicher Geräte kann dagegen bis zu 20 mSv und mehr betragen.

Für einzelne, besonders empfindliche oder exponierte Körperregionen wie die weibliche Brust kann die Strahlendosis noch zusätzlich um bis zu 40 Prozent verringert werden.

Parallel rotierende Röntgenröhren

Neben der geringen Strahlendosis zeichnet sich das neue Gerät vor allem durch die hohe Geschwindigkeit bei der Untersuchung aus. „Die Besonderheit besteht darin, dass zwei Röntgenröhren gleichzeitig um den Körper rotieren“, erläutert Jan Chudzik, Businessmanager für Computertomografen bei Siemens Healthcare Deutschland. „Erstmals ist es damit möglich, Aufnahmen des Brustkorbs, des Herzens oder von beiden gleichzeitig in Sekundenbruch-teilen und in gestochen scharfer Qualität anzufertigen.“

Die Schnelligkeit der Aufnahmen bedingt, dass CT-Bilder auch in Situationen erstellt werden können, in denen dies zuvor nicht oder nur bedingt möglich war. „Der Scan des gesamten Herzens dauert weniger als einen halben Herzschlag. Das heißt, dass sich – anders als bisher – das Herz auch bei hohem Puls oder unregelmäßigem Herzschlag ohne den Einsatz von Betablockern zuverlässiger darstellen lässt“, erklärt Prof. Dr. Angela Geissler, Chefärztin der Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin am RBK. Ob diese Untersuchung eine Alternative zum klassischen Herzkatheter darstellt, wird sich im klinischen Alltag beweisen. „Für die Aufnahmen des Brustkorbs ist es nicht mehr wie bisher nötig, dass der Patient den Atem anhält. Gerade bei älteren Menschen, bei Notfall- oder Intensivpatienten bringt dies erhebliche Vorteile. Und auch Gesamtkörperaufnahmen sind nun in weniger als fünf Sekunden möglich – auch das eine klare Verbesserung im Vergleich zu herkömmlichen Aufnahmen. Das Gerät bietet darüber hinaus neue Möglichkeiten der funktionellen Beurteilung der Organdurchblutung und der virtuellen Bildgebung.“

Interdisziplinäres Arbeiten

Im Vorfeld und besonders nach einer Herz-CT-Untersuchung stellt sich oft die Frage nach der optimalen weiteren Versorgung des Patienten. Am Robert-Bosch-Krankenhaus wird eine interdisziplinäre Beurteilung des CT-Befundes durch die Abteilungen für Radiologie und Kardiologie angeboten. „In die sich daraus ergebenden Empfehlungen für die weitere Versorgung des Patienten fließen so sowohl die besonderen Kenntnisse der Kardiologen bei der Beurteilung der Koronargefäße als auch die Expertise der Radiologen bei der Erkennung zusätzlicher Diagnosen ein“, sagt Prof. Dr. Udo Sechtem, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie. „Dieses interdisziplinäre Vorgehen maximiert den Wert des neuen diagnostischen Verfahrens.“

Hausübergreifendes Angebot

„Sämtliche Abteilungen des RBK greifen auf computertomografische Untersu-chungen zurück“, erläutert der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Mark Dominik
Alscher. „Die Bilder werden für die Diagnostik und die Beurteilung von Erkrankungen jeder Körperregion verwendet. Zum Beispiel sind Notfalluntersuchungen oder Verlaufskontrollen bei Tumorpatienten mit hoher diagnostischer Sicherheit möglich. Das Gerät wird auch für die Untersuchung der Lunge eingesetzt, so dass bei bestimmten Fragestellungen auch die Patienten der Klinik Schillerhöhe hier im Haus untersucht werden. Der neue CT hilft uns dabei, Erkrankungen noch genauer, schneller und schonender zu diagnosti-zieren und in ihrem Verlauf zu beurteilen.“

Funktionsweise

Die Computertomografie ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Körpergeweben und Organen mittels Röntgenstrahlen. Das neue Modell am RBK eignet sich besonders für die Untersuchung des Herzens, aber auch aller anderen Organe und Körperbereiche. Bei der Untersuchung rotieren zwei parallel arbeitende Röhren um den Patienten und senden kontinuierlich Röntgenstrahlung aus. Diese wird, unterschiedlich stark abgeschwächt durch die verschiedenen Körpergewebe, auf der Gegenseite durch Detektoren gemessen. Aus den Messergebnissen lassen sich Schnittbilder erstellen, die in alle Raumrichtungen in hoher Auflösung rekonstruiert werden können. Darüber hinaus ist es möglich, 3D-Modelle der untersuchten Organe und Knochen zur besseren Veranschaulichung zu erstellen.

Bildmaterial auf Anfrage

Der neue Computertomograf am Robert-Bosch-Krankenhaus; Fotograf: Dietmar Strauß

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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