22. Oktober 2013 | Klinik Schillerhöhe

Vom Sanatorium zum modernen Lungenzentrum – 60 Jahre Klinik Schillerhöhe

Die Klinik Schillerhöhe kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken: Eröffnet als Sanatorium für Tuberkulose-Patienten entwickelte sich die Klinik in den vergangenen 60 Jahren zu einem in Deutschland einmaligen zertifizierten interdisziplinären Lungenzentrum, das in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Lunge Maßstäbe setzt.

Die Anfangszeit – geplant als Gebietsführerschule, eröffnet als Tuberkulose-Heilstätte

Von einer „Bazillenpsychose“ und einem „leidenschaftlichen Propagandafeldzug“ sprach Die Neue Zeitung im März 1952 im Zusammenhang mit der Klinik Schillerhöhe. Grund für diese herbe Wortwahl war der große Widerstand des Haus- und Grundbesitzer-Vereins Schillerhöhe, der die Eröffnung des Sanatoriums verhindern wollte. Kein leichter Start für die „Lungenheilstätte“, welche die Landesversicherungsanstalt im Nordwesten der Landeshauptstadt plante. Ursprünglich als Gebietsführerschule der Hitlerjugend konzipiert, wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg nie fertig gebaut, der Rohbau stand bis in die späten vierziger Jahre hinein leer. Die Lage mitten in den Wäldern der Solitude machte das Gelände zu einem idealen Ort, um Tuberkulose-Patienten zu behandeln. Denn die hochansteckende Krankheit erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance – heimkehrende Soldaten brachten die Infektion mit nach Hause und der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung in Nachkriegsdeutschland begünstigte die Ausbreitung. Für die Behandlung dieser Patienten wurden dringend weitere Kapazitäten benötigt. So wurde das Sanatorium Klinik Schillerhöhe entgegen aller Widerstände am 19. Oktober 1953 eröffnet.

Die fünfziger bis siebziger Jahre – Spezialisierung auf Lungenerkrankungen

Eine gute medizinische Versorgung und die steigende Lebensqualität im Wirtschaftswunderland sorgten bald dafür, dass die Behandlung der Tuberkulose seltener wurde. Doch auch in dieser Zeit war die Klinik Schillerhöhe, die neben der Therapie der Infektionskrankheit bald eine Thoraxchirurgie etablierte, die erste Adresse bei Lungenerkrankungen: Asthma, chronische Bronchitis und Lungenkrebs wurden nach damaligen modernsten Methoden behandelt, was der Klinik bald großes Renommee einbrachte. Nichtsdestoweniger stand in den siebziger Jahren der Fortbestand der Abteilung für Thoraxchirurgie auf der Kippe. Da die primäre Aufgabe der Landeversicherungsanstalt die Rehabilitation und nicht die Behandlung von akuten Erkrankungen ist, wurde die Schließung der Abteilung in Betracht gezogen. Der damalige Chefarzt Prof. Dr. Adalbert Huzly hatte die Disziplin an der Klinik Schillerhöhe jedoch weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem so guten Ruf geführt, dass sich die Stadt Stuttgart dazu bereit erklärte, die Abteilung zu pachten und so deren Fortbestand zu sichern.

Die achtziger Jahre – die Klinik Schillerhöhe schreibt Medizingeschichte

Mit der Berufung von Prof. Dr. Rainer Dierkesmann als Leitenden Arzt begann 1981 ein weiteres wichtiges Kapitel in der Geschichte der Klinik Schillerhöhe. Er verfolgte für die damalige Zeit völlig neue Wege in der Pneumologie und etablierte die Schlafmedizin sowie die lasergestützte Bronchologie in der Fachklinik. Der große Therapieerfolg, den insbesondere die Lasertherapie versprach, sorgte dafür, dass Patienten aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland für die Behandlung nach Gerlingen kamen. Dierkesmann etablierte auch die Mukoviszidose-Behandlung in der Klinik und trieb die Weiterentwicklung von Diagnose und Therapie von Lungenkrebserkrankungen weiter voran. Durch die Wiedereingliederung der Thoraxchirurgie wurde die bis dahin immer noch offiziell als Tuberkuloseheilstätte geführte Klinik zu einem Zentrum für die Behandlung von Lungen- und Bronchialerkrankungen umstrukturiert.

In den achtziger Jahren schrieb die Klinik Schillerhöhe gleich mehrmals Medizingeschichte. Prof. Huzlys Nachfolger, Dr. Heikki Toomes, entwickelte mit seinem Team ein Lungenperfusionsmodell, mit dem anhand von Operationspräparaten die Wirkung von Medikamenten im Tumor gemessen werden konnte. Neuland betrat Dr. Toomes auch mit der maßgeblichen Entwicklung der minimal-invasiven Operationsverfahren mittels Endoskopen und Miniatur-Videokameras. So lieferte er einen wesentlichen Beitrag zu neuen, schonenden Verfahren, die heute standardisiert angewandt werden. Weltweites Aufsehen erregte die erste einseitige Lungentransplantation Europas, die am 29. August 1987 in der Klinik Schillerhöhe erfolgreich durchgeführt wurde.

Von den neunziger Jahren bis zur Gegenwart – Stillstand ist Rückschritt

1990 fiel der Startschuss für eine hundert Millionen Mark teure Erweiterung und Sanierung der Klinik Schillerhöhe. Neun Jahre lang wurde während des laufenden Betriebs gebaut und renoviert. Im September 1999 präsentierte sich die Klinik nach Abschluss der Maßnahmen als moderne Klinik der Maximalversorgung, die ihren Patienten das gesamte Spektrum der pneumologischen und thoraxchirurgischen Diagnostik und Behandlung bietet.

2006 wurde die Klinik Schillerhöhe ein Standort des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses. Die traditionsreiche Expertise auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen ermöglicht seitdem eine ganzheitliche interdisziplinäre Betreuung der Patienten beider Häuser. In den folgenden Jahren wurde weiter viel in die Klinik investiert, um das bereits hohe Niveau der Behandlungsqualität weiter zu steigern. So wurde die Klinik Schillerhöhe im November 2009 erstmals von der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. als Lungenzentrum zertifiziert. 2012 wurde das Zertifikat regelhaft überprüft und erneut verliehen. Das Lungenzentrum zeichnet sich insbesondere durch die ausgesprochen gute Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten aus, die seit Jahren auf die Expertise der Klinik Schillerhöhe vertrauen. Als eines der wenigen zertifizierten Lungenzentren Deutschlands wächst das Zentrum an der Gerlinger Klinik stetig weiter. Mit dem zertifizierten Weaning-Zentrum und der Mukoviszidose-Ambulanz wird ein differenziertes und breites Behandlungsspektrum in den Bereichen Lunge und Thorax angeboten.
Die hohe Qualität der Einrichtung ist nicht nur in der Fachwelt weithin bekannt. Im Ranking des Magazins FOCUS Gesundheit konnte die Abteilung für Thoraxchirurgie seit Einführung der groß angelegten Umfrage stets Spitzenpositionen erzielen und konnte bereits zweimal den zweiten Platz für die Indikation „Lungenkrebs“ für sich behaupten.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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