Pneumologie und Pneumologische Onkologie

Bronchologie

In der Bronchologie wird die Bronchoskopie, die Spiegelung der Atemwege (Luftröhre und Bronchien) mit Hilfe eines Bronchoskops, vorgenommen. Die Bronchoskopie hat neben dem Röntgen und der Lungenfunktionsuntersuchung eine zentrale Bedeutung für die Diagnostik der Krankheiten der Atemorgane. Mit Hilfe der Bronchoskopie lassen sich nicht nur krankhafte Veränderungen in den zentralen Abschnitten der Atemwege direkt sehen, sondern es können mit Hilfe von kleinen Zangen auch Gewebeproben aus Bronchien und Lunge entnommen oder therapeutische Maßnahmen vorgenommen werden.

Bronchoskopien werden heute unter Einsatz von narkotisierenden Medikamenten oder in Vollnarkose durchgeführt, sowohl ambulant als auch stationär.

Videobronchoskopie

Videobronchoskopie – die Spiegelung der Bronchien mit Hilfe eines flexiblen, dünnen Endoskops.

Die Bronchologie der Klinik Schillerhöhe gehört zu den größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland mit etwa 3.000 bronchoskopischen Eingriffen jährlich. Die Abteilung wurde über viele Jahrzehnte durch international bekannte Bronchologen geprägt, was zusammen mit personeller Kontinuität die große Erfahrung auch mit schwierigsten bronchoskopischen Eingriffen begründet.

Regelmäßig werden Bronchoskopiekurse für Ärzte durchgeführt, in denen die Technik der Bronchoskopie und Kenntnisse über die bronchoskopischen Krankheitsbilder vermittelt werden. Der erste Atlas der Bronchoskopie mit Farbfotos, erschienen 1960, stammt aus der Klinik Schillerhöhe. Ein moderner Atlas der Bronchoskopie, letzte Auflage 2008, setzt diese Tradition fort.

Techniken

Die Abteilung verfügt über alle modernen Techniken der bronchoskopischen Diagnostik und Behandlung. Bronchoskopiert wird mit Videobronchoskopen. Für starre Bronchoskopien stehen Geräte von 3 mm bis 14 mm zur Verfügung.

Zur Entnahme von Gewebsproben wird neben der Zangenbiopsie auch die Kryo-Technik (Kälte-Technik) eingesetzt, die besonders gut beurteilbare Proben liefert. Es werden neben Kryobiopsien aus den Bronchien auch transbronchiale Kryobiopsien aus dem Lungengewebe entnommen. Diese Technik erlaubt die Gewinnung größerer und weniger versehrter Proben im Vergleich zur Zangenbiopsie. Damit können interstitielle Lungenerkrankungen genauer diagnostiert werden und größere toraxchirurgische Eingriffe umgangen werden.

Bei der Tumorfrüherkennung kommt die Autofluoreszenz-Bronchoskopie zum Einsatz, bei der Licht einer speziellen Wellenlänge schon kleinste tumoröse oder tumorverdächtige Areale deutlich sichtbar werden lässt.

Ein weiteres neues Verfahren, welches zur bronchoskopischen Tumorfrüherkennung eingesetzt wird, ist das NBI-Verfahren (narrow band imaging). Dabei wird auf Knopfdruck ein Teil des sichtbaren Lichtes weggefiltert, womit verdächtige Areale besser hervorgehoben werden.

Autofluoreszenzbronchoskopie

Ein wenige Millimeter großer Tumor wird in der Autofluoreszenzbronchoskopie sichtbar.

Bronchoskopische Ultraschalluntersuchungen dienen dem Auffinden peripherer Lungenherde, was sonst nur unter Durchleuchtung gelingt, oder der Darstellung von Lymphknoten, die – bronchoskopisch unsichtbar – außerhalb der Bronchuswand gelegen sind. Solche Lymphknoten können unter direkter Ultraschallsicht mit der Nadel punktiert werden (EBUS-FNA).

Mittels endobronchialem Ultraschall (EBUS) und endoskopischem Ultraschall (EUS) können auffällige Lymphknoten und Tumore im Mediastinum (Raum zwischen den beiden Pleurahöhlen), aber auch neben dem Magen und dem Zwölffingerdarm genau dargestellt und unter Ultraschallsicht punktiert werden. So werden beispielsweise auch kleine Nebennierentumore minimal-invasiv durch den Magen bioptisch diagnostiziert.

Endobronchiale Sonographie

Endobronchiale Sonografie mit Nadel in Lymphknoten.

Bronchoskopische Behandlung

Eine häufige Behandlung in der Bronchologie ist die Erweiterung von krankhaft verengten Atemwegen. So können mit der Lasertechnik oder der Argon-Plasma-Koagulation (APC) Tumore, die die Atemwege verlegen, abgetragen werden. Auch die Kältesonde und andere Verfahren kommen dafür in Betracht.

Luftröhre mit narbiger Verengung

Narbige Verengung der Luftröhre vor Therapie.

Luftröhre nach der Therapie mit Lasertechnik

Befund nach Abtragung mit Laser.

Eine andere Möglichkeit bieten sogenannte Stents. Das sind gewebsverträgliche elastische Röhren, die bronchoskopisch in die Atemwege eingesetzt werden und diese so offenhalten. Solche Stents stehen auch in Y-Form zur Verfügung und ermöglichen Patienten mit sehr weit fortgeschrittenen Befunden wieder eine freie Atmung.

Die endobronchiale Brachytherapie – eine Kleinraumbestrahlung von innen über eine bronchoskopisch eingeführte miniaturisierte Strahlenquelle – wird in Zusammenarbeit mit der Strahlenklinik durchgeführt. Sie kommt bei besonderen Fällen bösartiger Tumoren zum Einsatz und kann nur an sehr wenigen Kliniken angeboten werden. Die Klinik Schillerhöhe gehört international zu den Zentren mit besonders großer Erfahrung in dieser Methode.

Weitere Einsatzbereiche der bronchoskopischen Behandlung sind die Entfernung "verschluckter" Fremdkörper aus den Bronchien, zum Beispiel Hühnerknochen, Nadeln, Erbsen u.ä.. Im Falle von Bluthusten dient die Bronchoskopie zur Klärung der Ursache, aber auch zur notfallmäßigen Blutstillung.

Emphysemtherapie: Endoskopische Lungenvolumenreduktion

Schließlich wird auch die endoskopische Lungenvolumenreduktion bei fortgeschrittenem Lungenemphysem durchgeführt. Dabei wird mittels Bronchoskopie die Luftzufuhr in den Lungenlappen gemessen (Kollateralventilation). In gleicher Sitzung werden daneben bronchoskopisch 4,0 bis 5,5 mm große Ventile in die Bronchien gesetzt. Dies reduziert die Überblähung und begünstigt die gesunden Lungenabschnitte, womit die Leistungsfähigkeit (Gehstrecke) und die Lungenfunktion verbessert werden.

Infobox

Robert-Bosch-Krankenhaus
Klinik Schillerhöhe

Abteilung für Pneumologie und Pneumologische Onkologie

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Telefon 07156/203-0 (Weiterleitung an den diensthabenden Arzt)

Schlaflabor
Montag – Freitag, 9 – 11.30 Uhr
Telefon 07156/203-7492

Lehrbuch

Lehrbuch und Atlas der Bronchoskopie

Ingrid Dobbertin, Rainer Dierkesmann, Martin Kohlhäufl,
Verlag Huber
2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage (mit DVD)