Kardiologie

Projekt Koronarphysiologie

Viele Patienten verspüren sowohl belastungsabhängige als auch belastungsunabhängige Angina-pectoris-Beschwerden in der Brust bzw. erleben rasche Luftnot bei Anstrengung, obwohl sie nicht unter einer koronaren Herzerkrankung leiden. Eine wichtige Differentialdiagnose für die Beschwerden solcher Patienten stellen epikardiale bzw. mikrovaskuläre Spasmen (Verkrampfungen der Herzkranzgefäße) dar, die wiederum auf eine Reaktions- bzw. Funktionsstörung im Bereich der Herzkranzgefäßwand zurückzuführen sind.

Koronarspasmen stellen eine inadäquate vasokonstriktorische Reaktion der Koronararterien auf diverse Stimuli dar und spielen eine wesentliche Rolle in der Pathophysiologie von diversen Erkrankungen, die mit einer akuten oder prolongierten Myokardischämie einhergehen (u.a. Prinzmetal-Angina, Myokardinfarkt, Myokarditis und plötzlicher Herztod infolge ventrikulärer Arrythmien).

Die genaue pathophysiologische Ursache von Koronarspasmen ist trotz erstmaliger Beschreibungen dieser Phänomene in den 70er Jahren bisher immer noch nicht genau geklärt. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen epikardialen Koronarspasmen und einer mikrovaskulären Dysfunktion ist nicht möglich. Es ist vielmehr anzunehmen, dass gleiche oder ähnliche Mechanismen beiden Erkrankungen zugrunde liegen. Es konkurrieren die Ansichten, dass den Koronarspasmen eine endotheliale Dysfunktion mit eingeschränkter Produktion des vasodilatierenden Mediators Stickstoffmonoxid zugrunde liegt oder dass im Rahmen einer Hyperreaktivität der glatten Muskelzellen der Koronargefäße verschiedene Stimuli Endothel-unabhängig zu Koronarspasmen führen können. Bei bisher ungeklärtem Pathomechanismus ist eine gezielte, kausale Therapie dieser Erkrankungen nicht möglich.

Im Projekt Koronarphysiologie werden primär Möglichkeiten untersucht, wie derartige Erkrankungen mit einer koronaren bzw. mikrovaskulären Reaktionsstörung akkurat bzw. nicht-invasiv diagnostiziert werden können. Zudem werden gezielte klinische Studien durchgeführt, mit dem Ziel, alternative Therapiemöglichkeiten für derartige Erkrankungen zu etablieren.

In bisherigen Arbeiten konnte u.a. gezeigt werden, dass eine nicht-invasive Diagnose einer koronaren bzw. mikrovaskulären Vasorekationsstörung mittels der CMR möglich ist und eine virale Myokarditis sich in Form von spastischen Angina-pectoris-Beschwerden äußern kann.

Koronarangiographie der linken Herzkranzarterie (LCA) bei einem Patienten, der mit Brustschmerzen notfallmäßig im Robert-Bosch-Krankenhaus aufgenommen wurde. Angiographisch sieht die linke Herzkranzarterie (unter Ruhebedingungen) unauffällig aus, insbesondere sind keine Engstellen bzw. schwerwiegenden Verkalkungen zu erkennen.

Wiederholte Koronarangiopgrahie der linken Herzkranzarterie (LCA) beim selben Patienten nach Infusion der Substanz Acetylcholin (ACH). Jetzt erkennt man einen sogenannten Koronarspasmus (= Herzkranzgefäßverkrampfung), d.h. dass es zu einer plötzlichen und hochgradigen Verengung der Herzkranzarterie kommt und dadurch die Durchblutung des Herzmuskels wie bei einem Herzinfarkt gestört ist. Koronarspasmen lassen sich mit einem ACH-Provokationstest nachweisen und anschließend gezielt medikamentös therapieren.

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