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Kunst auf Pflegestationen

Peter Pommerer, Phantastischer Bilderkosmos, 2005, Station 2B (Mutter-Kind-Zentrum)

Als fortlaufender Fries fügen sich die von Peter Pommerer für die Neugeborenenstation geschaffenen Bilder im Stationsflur aneinander. Der phantastische Bilderkosmos von Zeichen, Figuren und Ornamenten scheint unendlich fortsetzbar. Kreativ passt der passionierte Zeichner seine Kunst auch auf den Bedarf im Frühstücks-, Still- und Spielzimmer sowie in den Patientenzimmern in jeweils anderen Bildformaten und Techniken an.

Um Babys in ihrer sensorischen Wahrnehmung zu fördern, hat er selbst im Frühgeborenenzimmer eine Deckenmalerei realisiert. Sein märchenhaft verspieltes Motivvokabular passt bestens auf eine Station, wo auch Erwachsene wieder die kindliche Perspektive des Staunens und Wunderns über die Welt einnehmen können.


Bernhard Huber, Serie 33, 2007, Station 5D

Mit architektur- und raumbezogener Kunst für verschiedenste Bauaufgaben hat sich Bernhard Huber einen Namen gemacht. Im Dialog mit Ingenieuren findet er kontextuelle Lösungen, bei denen farbiges Glas zum integrierten Architekturelement wird. In der Station 5D ist der großzügige Luftraum durch eine Serie von 33 hintereinander in unterschiedlichen Höhen angebrachten Glasscheiben im Volumen gegliedert.

Die darauf mit keramischen Farben in Gelb-, Braun und Blautönen bemalten Farbfelder filtern das einfallende Licht und geben der Station eine lebendige und warme Ausstrahlung. Wie in einer Kathedrale wird der Blick unwillkürlich nach oben gelenkt und kann sich an dem wechselnden Licht- und Farbenspiel erfreuen.


Ermut Bramke, Aus der Serie Lufra und Sporaden, 2004, (Station 5B)

In dem lichtdurchfluteten hohen Flur des aufgesetzten 5. Stockwerks für Privatstationen sind klassische Leinwandformate galerieartig gehängt. Die beiden Bildserien der 2002 verstorbenen renommierten Künstlerin stammen aus der letzten Phase eines stringenten malerischen Gesamtwerkes, in der die Farbe in ihrem Eigenwert das zentrale Gestaltungsmittel ist. Die systematisch, anfangs linear-netzartig, zum Spätwerk hin breiter gesetzten Malgesten verdichten sich in zahlreichen lasierend aufgetragenen Schichten zu einer lebendigen Struktur mit großer Leuchtkraft und Bildtiefe.

Der Betrachter kann in vielerlei pulsierende Farbräume eintauchen und ähnlich einer Farbtherapie darin stimulierende Energien tanken.


In Ho Baik, Albpanorama, 2005/2010, Station 1B

Die privilegierte Lage des Krankenhauses mit Panoramablick inspirierte den passionierten Bergsteiger und Künstler zu seinen Landschaftssilhouetten der Schwäbischen Alb. In jedem Patientenzimmer hängt ein anderer markanter Höhenzug des beliebten Naherholungsgebiets als Wandobjekt. Aus Aluminium geschnitten und von Hand bemalt entsprechen ihre wechselnden Farben den tages- und jahreszeitlichen Stimmungen, die In Ho Baik beim Erwandern des Mittelgebirges eingefangen hat.

Begleitet werden sie von blau gefärbten Himmelsstreifen über dem Fenstersturz. Die abstrahierte Bildsprache bietet den Patient:innen einen distanzierten Blick auf eine vertraute Landschaft, die Raum für eigene Erinnerungen an Naturerlebnisse lässt.


Laura J. Padgett, Natürliche Ressourcen, 2009, Station 2D (Gynäkologie)

Die künstlerischen Fotografien von Laura Padgett beanspruchen für sich, mehr als bloße Abbildungen von Interieurs und Naturmotiven zu sein. Die Ausschnitte, die unterschiedliche Länder und Kulturkreise repräsentieren, sind sorgsam komponiert und zu Bildpaaren gefügt. Nahsichtige Aufnahmen von kunsthandwerklich musealen Gegenständen treten in Dialog mit weitsichtigen Architektur-, Wasser- und Naturansichten.

Der aufmerksame Beobachter kann zwischen ihnen feine Analogien in Farbe, Komposition und Stofflichkeit entdecken. Die Künstlerin möchte ihre Bildpaare als Anregung für Kurzgeschichten verstanden wissen und dazu beitragen, dass „die Patientinnen ihre Beziehung zur Welt im positiven Sinn aufrechterhalten können“.


Klaus-Martin Treder, ghost going abstract, 2004, Station 3A

Ausgangspunkt für die Gestaltung der Station ist das zentrale Wandrelief im Flur, das sich aus zahlreichen Einzelteilen zusammensetzt. Die dreidimensionale Wirkung des Reliefs wird durch unterschiedliche Materialien verstärkt; matte Holzoberflächen wechseln sich mit gemaserten Furnierholz, spiegelnden Folien, durchsichtigem Plexiglas und glänzenden Acrylfarben ab.

In den Zimmern finden sich einzelne Elemente herausgelöst aus dem Gesamtbild in voller Größe zu Gruppen arrangiert wieder. Hier entfalten sie eine dynamische Ausstrahlung und starke Präsenz im Raum, welche sich mühelos vom Mobiliar abhebt und die Quadratur des Raumes wohltuend erweitert.


Ergül Cengiz, Station 3B

Die Bilder von Ergül Cengiz eröffnen den Patient:innen Ausblicke in phantastische Traumlandschaften. In expressiv gestischer Farbigkeit gemalt, setzen sich die Motive über zwei bis vier aneinander gereihte Leinwände fort und suggerieren einen Blick durch mehrflügelige Fenster ins Freie.

Ergänzt durch Motive wie spielende Kinder, exotische Vögel und schwebende Luftballons vermitteln die Naturausschnitte eine heiter bis leichte Atmosphäre und können die Sehnsucht nach paradiesisch schönen Aussichten stillen.


Sounds of Silence, Station 3D

Unruhe und erhöhte Alarmbereitschaft prägen die Atmosphäre der ursprünglich als Notaufnahme genutzten Station. Dem begegnet das Künstlerduo „Sounds of Silence“ mit einer dezenten, feinsinnigen Raumintervention. Den Auftakt bildet vor der Station ein in spiegelnden Buchstaben angebrachtes Zitat des französischen Schriftstellers und Arztes George Duhamel (1884 –1966). Er appelliert darin an die heilende Kraft der menschlichen Imagination.

Im Stationsinnern sensibilisieren Fotografien für die Schönheit von flüchtigen Lichtreflexen.


Claude Horstmann, Station 4A

Claude Horstmann versteht ihre Kunst als ein Angebot, sich durch Sprache wie in einem Fluss zu bewegen. In 33 ausgewählten Sätzen nähert sie sich dem Phänomen Raum und Körper in vielfältigen Ebenen und Dimensionen an. Sie haben einen physikalischen und akustischen Charakter oder sprechen persönliche Empfindungsräume und übergeordnete geistige Dimensionen an.

Links und rechts auf den Flurwänden angebracht, regen sie dazu an, gedanklich innezuhalten und sich in Gedankenräume entführen zu lassen, die nicht nur logisch durch Zahlen definiert sind.


Ugo Dossi, Zeitmaschine I-III, 2004, (Station 5A)

„Mit meiner Kunst will ich Inhalte aus nicht bewussten Zonen ins Sichtbare bringen, um mit Sichtbarem bei meinem Publikum wieder Unbewusstes in Bewegung zu setzen.“ Mit der Technik des automatischen Zeichnens fördert Ugo Dossi Bilder aus dem Unterbewusstsein zutage. Zu den wiederkehrenden archetypischen Grundmotiven gehören das Gesicht, das Fliegen und der Eros. Auch wissenschaftliche Denkmodelle wie die „Darstellung des Unendlichen im Endlichen“ gehören dazu.

Die dreiteilige „Bildserie Zeitmaschine I–III“ auf dem Flur der Station zeigt auf wechselnden Farbgründen eine Einfach-, Zweifach- und Dreifach-Doppelherzstruktur und stellt ein zentrales Raum-Zeit-Modell des zweifachen documenta Künstlers dar.