17. Juli 2017 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Rheuma geht aufs Herz

Eine mehrjährige Studie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus zeigt: Rheuma erhöht das Risiko für Herzerkrankungen. Eine angepasste Therapie kann dem Tod durch Herzschäden bei Rheumapatienten vorbeugen.

  • Studie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus: Rheuma erhöht das Risiko für Herzerkrankungen
  • Robert-Bosch-Krankenhaus setzt neue MRT-Technik ein, die zeigt, ob das Herz vom Rheuma betroffen ist
  • Angepasste Therapie kann Tod durch Herzschäden bei Rheumapatienten vorbeugen

„An Gelenkschmerzen ist noch niemand gestorben – aber sehr wohl an rheumatischen Herzschäden“, sagt der Kardiologe Prof. Dr. Heiko Mahrholdt vom Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus. Er hat mit einem interdisziplinären Team aus Kardiologen, Rheumatologen, Nephrologen, Pneumologen und Neurologen untersucht, ob und wie bei Rheumapatienten auch das Herz von der Erkrankung betroffen ist.

In einer mehrjährigen, von der Robert Bosch Stiftung geförderten Studie, kamen die Ärzte zu neuen Erkenntnissen über die Auswirkungen von Rheumaerkrankungen auf das Herz. In einer ersten Studienstufe untersuchten und beobachteten sie rund 300 Rheumapatienten. Das Ergebnis: Art und Häufigkeit der Herzbeteiligung sind abhängig von der Art der rheumatischen Erkrankung. Die Häufigkeit variiert von eher selten bis häufig. Bei nur 14 Prozent der Patienten mit rheumathoider Arthritis ist das Herz beteiligt, aber 54 Prozent der Patienten mit Gefäßentzündungen, der sogenannten ANCA-assoziierten Vaskulitis, leiden an rheumatischen Herzschäden.

Außerdem zeigte sich, dass die Art der rheumatologischen Erkrankung auch beeinflusst, wie das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Je nach Rheumaerkrankung entstehen unterschiedliche, aber krankheitsspezifische Narbenmuster, die in der MRT-Bildgebung sichtbar werden. „Diese Narbenmuster unterscheiden sich deutlich von denen, die beispielsweise bei einem Herzinfarkt oder einer vererbten Herzmuskelerkrankung entstehen“, erklärt Professor Mahrholdt. So lässt sich erkennen, ob vom Rheuma auch das Herz betroffen ist. Ist dies der Fall, ist eine Anpassung der Therapie erforderlich. Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, geschäftsführender ärztlicher Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses und kommissarischer Leiter der Abteilung für Pneumologie, erklärt dies an einem Beispiel: „Sarkoidose, auch Morbus Boeck genannt, ist eine Rheumaform, welche vor allem die Lunge befällt und an der schon junge Menschen erkranken können. Die Krankheit wird oft mit Kortison behandelt, welches meist gut in der Lunge wirkt. Sarkoidose-Patienten haben damit normalerweise eine gute Prognose. Ist jedoch auch das Herz befallen, können zusätzliche Medikamente hilfreich sein, Kortison alleine reicht dann häufig nicht mehr aus. Wird die Herzbeteiligung nicht erkannt, kann eine Sarkoidose schnell lebensbedrohlich werden.“

Die Studiengruppe um Professor Mahrholdt nahm in einem zweiten Studienschritt eine neuartige Form der MRT-Technik, das sogenannte Myokard-Mapping, zu Hilfe. Sie untersuchte damit Rheumapatienten mit und ohne Herznarben. Es zeigte sich, dass mit dieser verfeinerten Bildgebung Herzerkrankungen bereits vor der Narbenbildung diagnostiziert werden können. „Damit lässt sich rechtzeitig erkennen, dass Rheuma nicht nur in Gelenken, Gefäßen oder Weichteilen, sondern eben auch im Herz sitzt. In der Konsequenz kann möglicherweise die Behandlung entsprechend verändert werden, dass gar keine Narben mehr im Herz entstehen“, so Professor Mahrholdt.

Das Herzzentrum des Robert-Bosch-Krankenhauses hat als eines von wenigen europäischen Zentren die Myokard-Mapping-Technik bereits seit mehreren Jahren in der klinischen Routine etabliert. Bei jedem Rheumapatienten wird ein Herz-MRT durchgeführt. Sind darauf keine Narben zu sehen, erfolgt zusätzlich eine Abklärung mittels Myokard-Mapping um eine Herzbeteiligung bereits vor der Bildung rheumatischer Narben im Herzen zu erkennen. „In einigen Jahren werden wir noch genauer sagen können, wie sehr die Rheumapatienten gesundheitlich profitieren, die wir aufgrund der Bildgebungsergebnisse intensiver behandelt haben. Wir gehen davon aus, dass diese Methode deutliche Vorteile bringt“, so Professor Mahrholdt.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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