27. Oktober 2016 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Verkürzte Behandlungszeiten und verbesserte Therapieerfolge bei Gallenwegserkrankungen

Als erstes Krankenhaus in Baden-Württemberg setzt das Robert-Bosch-Krankenhaus ein neuartiges Endoskop zur Untersuchung und Behandlung der Gallenwege ein.

Die Galle ist für die Verdauung fetthaltiger Nahrung unerlässlich. Zwischen 250 bis 1000 Milliliter Gallenflüssigkeit produziert die menschliche Leber täglich, die in der Gallenblase gespeichert und bei der Verdauung über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Den Übergang zum Darm kontrolliert ein Schließmuskel, der nur bei der Nahrungsaufnahme aktiviert wird. Der gesamte Gallentrakt ist vor allem bei älteren Menschen anfällig für Infekte und Erkrankungen wie Tumoren, Steinbildungen oder chronische Entzündungen. Häufig erschweren Engstellungen (Stenosen) der Gallengänge die Diagnose und in der Folge die passende Therapie der Gallenwegserkrankungen.

Im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) kommt neben einem allgemein gebräuchlichen Gallenwegs-Endoskop (Cholangioskop) seit kurzem der jüngste Prototyp eines neuartigen Endoskops bei Gallenwegserkrankungen zum Einsatz. Es ermöglicht eine video-endoskopische, hochauflösende Einsicht in die Gallenwege und stellt eine für den Patienten schonende Untersuchungsmethode dar.

Forschungsschwerpunkt Gallenwegsspiegelungen
Prof. Dr. Jörg G. Albert, der als Chefarzt seit Juli 2016 die Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie am RBK leitet, hat sich auf die moderne diagnostische und interventionelle Endoskopie spezialisiert. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt auf der direkten Spiegelung der Gallenwege (Cholangioskopie) sowie auf den klassischen Darstellungsverfahren des Gallenwegs- und Bauchspeicheldrüsensystems. In seiner vorherigen Tätigkeit als Leiter der zentralen Endoskopieabteilung am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main konnte Prof. Albert zwei weltweit einmalige endoskopische Methoden weiterentwickeln, die Diagnose und Therapie bei Erkrankungen des Gallentraktes deutlich verbessern. Mehrere aktuelle Studien belegen den Erfolg dieser Methoden und finden weltweite Anerkennung. Diese Expertise bringt Prof. Albert nun bei seinen Patientinnen und Patienten in Stuttgart zur Anwendung und setzt seine Forschungsarbeit auf diesem Gebiet fort.

Neue Methode der Gallenwegsspiegelung
Seit den 1970er Jahren ist die übliche Diagnostik bei Gallenwegserkrankungen die indirekte Darstellung der Gallenwege per Röntgenbild. „Hierfür wird ein Endoskop über den Mund bis in den Zwölffingerdarm vorgebracht und ein kleiner Katheter über das Endoskop in den Gallengangs-Schließmuskel eingeführt. Durch den Katheter wird der Gallengang mit Kontrastmitteln gefüllt und auf dem Röntgenbild sind dann Engstellungen und Veränderungen zu sehen“, erklärt Prof. Albert. „Allerdings ist nicht zwangsläufig zu erkennen, ob diese gut- oder bösartig sind. Dafür muss man zusätzlich Gewebeproben entnehmen.“

Der Einsatz des neuen Endoskop-Protoyps eröffnet für die Cholangioskopie ganz neue Möglichkeiten. Das neue Cholangioskop ermöglicht eine deutlich verbesserte Darstellung der Gallenwege und erlaubt Eingriffe unter direkter endoskopischer Sicht. Das im Vergleich zu bisherigen Cholangioskopen mit einem Durchmesser von etwa fünf Millimetern ultradünne und hochflexible Instrument kann direkt in den Gallengang eingeführt werden und benötigt kein Trägerendoskop, wie dies bei den bisher verfügbaren Cholangioskop-Typen nötig ist. „Das neue Cholangioskop vereinfacht das Vorgehen bei Untersuchungen der Gallenwege erheblich. Und das bei einer quasi revolutionär verbesserten optischen Darstellungsqualität“, so Prof. Albert. „Wir können zudem über einen Arbeitskanal unter direkter Sicht  Gewebeproben entnehmen und Steinzertrümmerungen oder Tumorverödungen durchführen. Die Untersuchungszeit verringert sich mit dieser Methode im Vergleich mit anderen Cholangioskopen deutlich, ebenso die Komplikationsrate.“

Früherkennung bei Cholangiokarzinomen
Einen konkreten Anwendungsfall, bei dem Prof. Albert große Vorteile im Einsatz des Prototypen sieht, ist die frühe Erkennung des Cholangiokarzinoms, eines bösartigen Tumors der Gallenwege: „Aufgrund des Krankheitsverlauf bei Cholangiokarzinomen erfolgt bisher häufig erst im fortgeschrittenen Erkrankungsverlauf der Patienten eine Diagnosestellung. Nur in weniger als einem Drittel der Fälle können dann noch kurative Therapieoptionen angeboten werden. Mit dem neuen Cholangioskop ist eine Früherkennung möglich, was die Prognose der Patienten deutlich verbessern könnte.“

Prof. Albert arbeitete bereits mit den Vorgängerversionen des Endoskop-Prototyps und hat seine Erfahrungen in verschiedenen Fachpublikationen veröffentlicht, unter anderem in der im Sommer 2016 erschienene jüngsten Ausgabe der international renommierten Fachzeitschrift Endoscopy. „Wir arbeiten mit dem neuen Cholangioskop an der Weiterentwicklung der endoskopischen Untersuchungsmethoden der Gallenwege und freuen uns, dass unsere Patienten bereits heute von den Forschungsergebnissen profitieren können“, so Prof. Albert.

Prof. Dr. Jörg G. Albert hat sich auf die moderne diagnostische und interventionelle Endoskopie spezialisiert.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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