Alterstraumatologie
Im fortgeschrittenen Alter können Verletzungen erheblich schwerere Folgen haben als in jüngeren Jahren. Die Ursache muss kein schwerer Autounfall sein. Bereits ein Umknicken auf dem Treppenabsatz oder ein Sturz in der Wohnung können für ältere Menschen das Ende der Mobilität und damit der Selbstständigkeit bedeuten. Das zu verhindern ist Ziel der Alterstraumatologie.
Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Diese erfreuliche Entwicklung bringt jedoch auch große Herausforderungen mit sich. Denn das Mehr an Jahren sollte nicht mit einem Weniger an Lebensqualität einhergehen. So rückt angesichts des demografischen Wandels eine medizinische Versorgung, die den speziellen Anforderungen älterer und gebrechlicher Menschen gerecht wird, immer mehr in den Fokus.
Zentrum für Alterstraumatologie am Robert Bosch Krankenhaus
Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft und den speziellen gesundheitlichen Anforderungen von Älteren wurde das zertifizierte Zentrum für Alterstraumatologie am Robert Bosch Krankenhaus etabliert, welches gemeinsam durch die Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie und die Abteilung für Geriatrie geführt wird. Ziel ist es, unsere Patient:innen so bald wie möglich wieder in ihr gewohntes Umfeld entlassen zu können, um so ihre Selbstständigkeit zu erhalten.
Das Zentrum für Alterstraumatologie am Robert Bosch Krankenhaus ist als AltersTraumaZentrum DGU® zertifiziert.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Alterstraumatologie
Frakturen nach Stürzen verursachen eine hohe Krankheitslast. Sie betreffen überwiegend ältere und betagte Menschen. Eine für diese Altersgruppe typische Fraktur ist beispielsweise der Oberschenkelhalsbruch. Die Betroffenen leiden häufig unter einer Vielzahl von Begleiterkrankungen und sie nehmen deshalb eine Reihe unterschiedlicher Medikamente ein (Polypharmazie). Die Behandlung dieser Patient:innen ist komplex und erfordert nicht nur operativ-unfallchirurgische, sondern auch internistisch-geriatrische Expertise. Aus diesem Grund werden ältere Frakturpatienten in unserem Zentrum für Alterstraumatologie gemeinsam von Unfallchirurg:innen und Altersmediziner:innen (Geriater:innen) behandelt. Dies wird als unfallchirurgisch-geriatrisches Co-Management bezeichnet.
Das unfallchirurgisch-geriatrische Co-Management beinhaltet zum einen operative Eingriffe, die überwiegend in schonender minimalinvasiver Technik durchgeführt werden, und bei denen speziell für ältere Menschen entwickelte winkelstabile Implantate eingesetzt werden. Zum anderen werden die Patient:innen durch ein von einer Geriaterin:einem Geriater geleitetes interdisziplinäres Team behandelt, das aus erfahrenen Physio- und Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Psycholog:innen und Sozialdienst besteht. Dadurch erhalten Betroffene bereits sehr früh therapeutische Maßnahmen was für die Gesundung und den Erhalt der Mobilität und Selbständigkeit wichtig ist. Um der ganzheitlichen Versorgung unserer älteren Patient:innen mit allen ihren Erfordernissen gerecht zu werden, arbeiten wir zudem Hand in Hand mit Expert:innen aus weiteren Abteilungen. Dazu gehören unter anderem die Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin, ein neurologischer Konsiliardienst sowie alle internistischen Fachabteilungen. Selbstverständlich kümmern wir uns auch um die poststationäre Weiterversorgung unserer Patient:innen. Dafür sorgen unsere Kolleg:innen des Sozialdienstes.
Dank diesem interdisziplinären Konzept sind wir in der Alterstraumatologie für alles gerüstet: vom Soforteingriff im akuten Notfall bis hin zur geriatrischen Rundumversorgung.
Jede Patientin bzw. jeder Patient im Zentrum für Alterstraumatologie wird von Anfang an mit geriatrischer und unfallchirurgischer Expertise in einem interdisziplinären Team behandelt. Die Notfallversorgung und Operation erfolgen dabei zunächst am Robert Bosch Krankenhaus am Standort Burgholzhof (Auerbachstraße 110, 70376 Stuttgart). Mit Beginn der Behandlung startet eine individuell angepasste Therapie durch das interdisziplinäre Behandlungsteam. Im weiteren Verlauf wird durch die behandelnden Ärzt:innen beider Disziplinen entschieden, ob eine Weiterverlegung an das Robert Bosch Krankenhaus, Standort City (Gebäude Hohenheimer Straße, Hohenheimer Straße 21, 70184 Stuttgart) erfolgt, um dort beispielsweise die bereits begonnene geriatrische Komplexbehandlung fortzusetzen. Die Entscheidung hierfür hängt von verschiedenen Faktoren wie der Schwere der Verletzung, den möglichen Begleiterkrankungen, der Behandlungsdauer und dem individuellen Gesundheitszustand ab. Über eine Weiterverlegung werden wir Sie rechtzeitig informieren.
Geriatrische Komplexbehandlung
Nach interdisziplinärem Austausch erhalten ältere Patient:innen am Robert Bosch Krankenhaus gegebenenfalls eine sogenannte Geriatrische Komplexbehandlung. Dabei erfassen wir zunächst in einem geriatrischen Assessment systematisch die medizinischen, funktionellen und psychosozialen Probleme und Ressourcen unserer Patient:innen.
Basierend auf dieser umfangreichen Bestandsaufnahme erstellen wir dann den Fahrplan zur Therapie und poststationären Betreuung. Durch eine frühzeitige Mobilisation werden die Ressourcen aktiviert mit dem Ziel, Kraft, Beweglichkeit und Selbständigkeit wieder zu erlangen. Durch die Geriatrische Komplexbehandlung erhöht sich die Chance, dass der ältere Mensch wieder in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann.
Osteoporose behandeln und vorbeugen
Ein wichtiger Bestandteil in unserer alterstraumatologischen Versorgung ist die Osteoporosetherapie und -prophylaxe. Als Grundlage für die therapeutische Entscheidung wird in vielen Fällen eine Knochendichtemessung durchgeführt. Über die Möglichkeiten und Chancen einer medikamentösen Therapie beraten wir unsere Patient:innen eingehend.

