20. November 2019 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Die "Zuhause-Darmspiegelung"

Erste prospektive, populationsbasierte und präventive Studie zur Darmkrebsvorsorge unter Einsatz der modernen Kapselendoskopie im Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) in Stuttgart

Würden mehr Menschen als bisher eine Darmkrebsvorsorge in Anspruch nehmen, wenn sie wüssten, es gäbe eine zuverlässige Alternative zur herkömmlichen Darmspiegelung? Dieser Frage gehen Wissenschaftler am Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen in Stuttgart in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg nach. Im März 2020 starten die Vorarbeiten zu einer großangelegten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie, welche neue Wege zu einer verbesserten Nutzung und Effektivität der Darmkrebs-Vorsorge untersucht. Sie prüft, ob ein alternatives Vorsorgeangebot im Vergleich zur Standardvorsorgeuntersuchung, nämlich der endoskopischen Darmspiegelung durch den Facharzt, die Inanspruchnahme der Darmkrebsvorsorgeuntersuchung erhöhen kann. Es ist die erste Studie dieser Art in Deutschland – und ein großer Erfolg für das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, Studienleiter Prof. Dr. med. Jörg G. Albert und seine Partner: Als einziges nicht-universitäres Krankenhaus in Deutschland erhält das Krankenhaus im Rahmen der Initiative der Bundesregierung „Dekade geben Krebs“ Fördermittel für die Vorbereitung einer praxisverändernden klinischen Studie zur Darmkrebsvorsorge.

Im Rahmen der „Dekade gegen Krebs“ fördert das BMBF praxisverändernde Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebs mit bis zu 62 Millionen Euro. 13 ausgewählte Projekte starten jetzt – unter Einbezug von Patientenvertretern -  in die Planungsphase. Mithilfe der Erkenntnisse können bestehende Therapien verbessert und Nebenwirkungen sowie unnötige Behandlungen vermieden werden.

„Würde jeder Mensch regelmäßig eine Darmkrebsvorsorge in Anspruch nehmen, ließe sich die große Mehrheit der Darmkrebserkrankungen verhindern“, erklärt Prof. Dr. med. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum. Denn die Darmkrebsvorsorge bietet einen entscheidenden Vorteil: „Darmkrebs ist die einzige Krebserkrankung, bei der wir bereits Vorstufen, sogenannte Polypen, erkennen können. Entfernen wir diese Polypen frühzeitig, ist die Gefahr unmittelbar gebannt.“

Dennoch erkranken in Deutschland immer noch jährlich rund 60.000 Menschen an Darmkrebs. „Viele Menschen scheuen den Gang zur Darmspiegelung“, erklärt Prof. Dr. med. Matthias Schwab, Leiter des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie, „andere haben Probleme einen passenden Termin beim Facharzt zu erhalten.“

Die Wissenschaftler des Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart möchten die Dickdarmkrebsvorsorge jetzt revolutionieren – gemeinsam mit ihren Konsortialpartnern Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (Stuttgart), Deutsches Krebsforschungszentrum (Heidelberg), Corporate Health AG (Hamburg), Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie der Universität Tübingen und SocaTec RD (Oberursel). Mittels der sogenannten Kapselendoskopie soll die „Zuhause-Darmspiegelung“ bald Standard werden. Es klingt beinahe wie Science Fiction – der Patient schluckt eine Kapsel, gerade mal so groß wie ein Bonbon. Doch diese Kapsel hat es in sich. „Sie ist ein Wunderwerk der Technik“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. med. Jörg G. Albert. „Ausgestattet mit LED-Licht, Linse, Bildsensor, Batterie und Sender samt Antenne reist sie in rund zehn Stunden durch den menschlichen Körper, ehe sie auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden wird.“ Auf ihrer Tour durch den Magen-Darm-Trakt schießt sie rund 50.000 Fotos von der Darmschleimhaut. Ein kleiner Datenrekorder, den der Patient am Gürtel trägt, sendet die Aufnahmen an einen Computer, der die Bilder schließlich digital auswertet.

Zwar muss der Patient zunächst, wie auch bei der herkömmlichen Darmspiegelung, ein Abführmittel trinken, um den Darm zu reinigen, jedoch ist die Kapselendoskopie wesentlich schonender. Der Patient schluckt die Kapsel in der Hausarztpraxis. Eine Betäubung ist nicht notwendig. Anschließend kann er die Praxis sofort wieder verlassen. Während die Kapsel unbemerkt durch den Körper wandert, kann der Patient seinen Alltagsaktivitäten nachgehen.

Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT)

Neben dem bestehenden Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), das bereits heute den europäischen Spitzenplatz im internationalen Shanghai Ranking für Forschungseinrichtungen einnimmt, wird auch das Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) zu einem forschungs- und innovationsstarken Exzellenzzentrum entwickelt. Als eine der ersten Baumaßnahmen im Zuge der Entstehung des Bosch Health Campus am  Stuttgarter Burgholzhof wird derzeit ein Forschungsgebäude für das RBCT errichtet. Durch den Ausbau des Forschungszentrums, das bereits heute 100 Mitarbeitende beschäftigt, wird die Forschungsfläche verdoppelt. Ziel ist eine noch bessere Verzahnung von Behandlung und medizinischer Forschung: Neue Forschungsergebnisse, Behandlungsmethoden und Medikamente stehen den Patienten unmittelbar zur Verfügung. Die Erfahrungen aus der Behandlung der Patienten fließen wiederum direkt in die Forschung ein.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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