24. August 2021 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Ein Clip für die Trikuspidalklappe: 100. Eingriff am RBK

Die vier Herzklappen des menschlichen Körpers steuern den Blutfluss durch das Herz. Als entscheidendes Ventil im rechten Vorhof verhindert die Trikuspidalklappe den gefährlichen Rückfluss des Bluts in die Venen. Am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) wurde nun der 100. auf einem minimalinvasiven Reparaturverfahren basierende TriClip bei einer Patientin mit Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) eingesetzt. Damit ist das RBK bei dieser Behandlungsmethode das größte Zentrum in Deutschland.

Stuttgart – Ist der Blutstrom durch das Herz krankheitsbedingt gestört, liegt das in der Regel an einer der Herzklappen, die nicht mehr richtig schließt. Mediziner sprechen dann von einer Insuffizienz. Ist die Trikuspidalklappe davon betroffen, fließt das Blut während der Füllungs- und Auswurfsphase der Herzkammer zurück in den rechten Vorhof und in den Körperkreislauf. Als Folge einer Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) erhöht sich der Druck auf das venöse System. Die Leistungskraft des Herzens – und damit auch die körperliche Belastbarkeit der betroffenen Patientinnen und Patienten – nimmt ab. Abgeschlagenheit, Atemnot sowie Wassereinlagerungen in Bauch oder Beinen gehören ebenfalls zu den Symptomen einer TI. Bei leichteren Verläufen ist häufig keine Therapie notwendig. Bei schweren Formen kann sich jedoch eine Rechtsherzinsuffizienz entwickeln. Unbehandelt kann die Erkrankung dann sogar tödlich verlaufen.

Die Trikuspidalklappeninsuffizienz wird oft bei einer offenen Herzoperation wie zum Beispiel einer Reparatur der Mitralklappe mitversorgt. Aber es gibt viele Betroffene, für die eine solche große OP wegen des Alters oder wegen Begleiterkrankungen nicht in Frage kommt. Diese Patientinnen und Patienten konnten in der Vergangenheit nicht behandelt werden. Erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt es eine Alternative zur OP am offenen Herzen. Mithilfe eines minimalinvasiven Reparaturverfahrens kann die Trikuspidalklappe mit dem TriClip wieder abgedichtet werden. Dazu wird der Clip, eine kunststoffüberzogene Metallklammer von etwa zwei Zentimetern Größe, per Katheter über die Oberschenkelvene zum rechten Herzen geführt. Die Klappensegel können mithilfe dieses Implantats neu fixiert werden.

Das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) hat sehr früh mit der Etablierung dieser Therapie begonnen und ist nun deutschlandweit das führende Zentrum bei dieser schonenden Behandlungsmethode. Der erste TriClip war am RBK am 6. Juli 2020 eingesetzt worden. Am 20. August 2021 erfolgte nun der 100. Eingriff – durch dasselbe OP-Team wie bei der Premiere. Die 82-jährige Patientin, die seit Jahren an einer fortschreitenden TI litt, ist bereits auf dem Weg der Besserung. 

Prof. Dr. med. Raffi Bekeredjian, Chefarzt der Fachabteilung Kardiologie und Angiologie des RBK: „Der Eingriff gehört zu den technisch anspruchsvolleren Verfahren. Die Trikuspidalklappe ist kompliziert aufgebaut, man muss bei der Implantation des Clips anatomisch sehr individuelle Entscheidungen treffen. Als wir damit vor etwa einem Jahr begonnen haben, gab es noch gar keine richtigen Vorgaben dazu. Man sammelt Erfahrungen von Fall zu Fall.“ Oberarzt Dr. med. Philipp Nikolai, der ebenfalls am Jubiläumseingriff beteiligt war, ergänzt: „Für diese OP ist eine gut funktionierende Teamarbeit unerlässlich.“ Dass diese gegeben ist, dafür spricht auch, dass das RBK Ausbildungszentrum für das TriClip-Verfahren ist und immer wieder Hospitanten aus ganz Deutschland an den Burgholzhof kommen, um sich die noch junge Methode anzueignen.       

Betroffene mit einer TI, die sich für eine TriClip-Implantation eignen, werden sehr sorgfältig in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Herzchirurgie ausgewählt. Prof. Bekeredjian: „Wir möchten ja Erfolg haben und nicht scheitern.“ Dieser Erfolg hat sich von Anfang an eingestellt. Dr. Nikolai: „Wir können mit diesem neuen Verfahren auch ältere, mehrfach erkrankte Patientinnen und Patienten behandeln, für die eine herkömmliche OP nicht in Frage gekommen wäre und für die es ansonsten keine Therapie gibt.“   


Robert-Bosch-Krankenhaus
Die Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH (RBK) in Stuttgart ist ein von der Robert Bosch Stiftung getragenes Krankenhaus der Zentralversorgung mit Funktionen der Maximalversorgung an drei Standorten. Seit 1978 zählt das Robert-Bosch-Krankenhaus zu den Akademischen Lehrkrankenhäusern der Universität Tübingen. Mit 1.041 Betten nehmen das RBK, seine Standorte Klinik Charlottenhaus und Klinik Schillerhöhe sowie die Klinik für Geriatrische Rehabilitation im Jahr bis zu 42.000 Patienten stationär auf. Rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass sich die Patienten individuell betreut fühlen. Forschungsinstitute zur Klinischen Pharmakologie und zur Medizingeschichte sind dem Krankenhaus angegliedert.
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