11. März 2015 | Robert-Bosch-Krankenhaus

Weltweit größte Studie zur Hantavirusinfektion

Am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) haben Forscher die bislang weltweit größte Studie über die Langzeitfolgen der Hantavirus-Erkrankung durchgeführt und konnten zudem einen Risiko-Score für einen schweren Verlauf der Erkrankung entwickeln. In Baden-Württemberg, speziell in der Region um Stuttgart, infizieren sich jedes Jahr zahlreiche Menschen am Staub von Kot oder Urin der befallenen Nagetiere. Die Erkrankung äußert sich typischerweise mit zum Teil schwerem akuten Nierenversagen, mit einem Abfall der Blutplättchen sowie mit hohem Fieber. In manchen Fällen ist eine vorübergehende Nierenersatztherapie (Dialyse) notwendig.

In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern Stuttgart, Esslingen, Böblingen/Sindelfingen und Reutlingen wurden insgesamt 1.570 Patienten mit der Bitte kontaktiert, sich im RBK zu einer Nachuntersuchung vorzustellen. 456 dieser Patienten, die zwischen Herbst 2012 und Frühjahr 2013 an dem Hantavirus erkrankten, haben sich bereit erklärt, an der umfassenden Studie mitzuwirken. Somit konnten 6,1 Prozent aller jemals in Deutschland registrierten Personen, die von einem Hantavirus betroffen waren, in die RBK-Studie eingeschlossen werden (die Erkrankung ist seit 2001 meldepflichtig). „Durch diese hohe Zahl konnten wir die bislang größte Studie zu Langzeitfolgen aber auch zur Vorhersage von möglichen schweren Verläufen der Infektion durchführen“, erklärt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Ärztlicher Direktor des RBK und Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie.

Langzeitfolgen
Von den 456 Patienten wurden 335 stationär in einem Krankenhaus behandelt, 121 Patienten erhielten eine ambulante Therapie von ihrem Hausarzt oder niedergelassenen Nephrologen. Durchschnittlich 17 Monate nach der Hantavirusinfektion wiesen die untersuchten Personen immer noch neutralisierende Antikörper für die Erkrankung auf. „Wir vermuten daher, dass nach einer Hantaviruserkrankung zumindest für einige Jahre eine Immunität besteht“, erklärt Dr. Jörg Latus, Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Innere Medizin und Nephrologie, der die Studie maßgeblich mit betreut hat. Weiterhin konnten die Forscher beobachten, dass Bluthochdruck und die übermäßige Ausscheidung von Proteinen über den Urin keine langfristigen Folgen des Hantavirus sind, wie bislang angenommen wurde. „Im Gegensatz dazu wies jedoch ein wesentlicher Teil der Studienteilnehmer Erythrozythen, also rote Blutkörperchen, im Urin auf“, erklärt Dr. Latus. „Nachdem die Hantavirusinfektion abgeklungen ist, sollten die Patienten regelmäßig daraufhin untersucht werden“, fügt Dr. Jörg Latus hinzu. Die Ursache dieser Hämaturie ist noch nicht abschließend geklärt und ist Gegenstand aktueller Forschungsprojekte.

Vorhersagbarkeit eines schweren Verlaufs der Hantavirusinfektion
Der Verlauf einer akuten Hantavirusinfektion ist individuell extrem unterschiedlich und reicht von  Fieber ohne Nierenversagen bis hin zu vorübergehender Dialysepflichtigkeit. Bislang war es nicht möglich, anhand von leicht zu erhebenden Parametern (Laborwerte, Anamnese, Urinbefunde) den Verlauf der Erkrankung vorherzusagen. In der Studie konnten die Forscher des RBK nun nachweisen, welche Faktoren mit einem schweren Verlauf in Verbindung gebracht werden können. „Patienten, die einen Mangel an Thrombozyten im Blut oder erhöhte Konzentrationen eines Entzündungseiweißes  aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. Dies betrifft auch Patienten, bei denen eine übermäßige Ausscheidung von Eiweiß über den Urin festgestellt wird“, erklärt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher. „Mit Hilfe eines einfachen Risiko-Scores können niedergelassene Kollegen rasch das individuelle Risiko des Patienten für einen schweren Verlauf einschätzen“, so Dr. Jörg Latus. Die Erkenntnisse kommen nun vielen Hantaviruserkrankten zu Gute. „Dank dieser Studienergebnisse können wir Parameter definieren, die den behandelnden Ärzten bei der Entscheidung helfen, ob eine erkrankte Person im Krankenhaus oder im häuslichen Umfeld behandelt werden sollte“, erklärt Prof. Alscher.

Quelle: Robert-Bosch-Krankenhaus
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