Pathologie

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Vielfältige Aufgaben

Patienteninformationen Aufgaben Pathologie

Die Aufgaben, die von der Abteilung für Pathologie am Robert-Bosch-Krankenhaus übernommen werden sind sehr vielfältig. In verschiedenen Phasen der Diagnose und der Behandlung ist der Pathologe unverzichtbarer und richtungsweisender Partner des behandelnden Arztes und dadurch auch Partner des Patienten.

Diagnostik von Tumoren

Dies ist eine der Hauptaufgaben eines Pathologen. Bei Auftreten eines Tumors muss zunächst geklärt werden, ob dieser bösartig oder gutartig ist. Insbesondere bei bösartigen Tumoren ist die genaue Diagnosestellung durch den Pathologen, um welche Art von Tumor es sich handelt und wie weit dieser fortgeschritten ist, für die Therapieentscheidung der weiterbehandelnden klinischen ärztlichen Kollegen essentiell. Hierfür wird das entfernte Gewebe in einem aufwendigen Verfahren mit hochspezialisierten Geräten, aber auch heute noch mit viel "Handarbeit", aufgearbeitet, so dass es unter dem Mikroskop begutachtet werden kann. Zur exakten Diagnosestellung stehen heutzutage zudem zahlreiche spezielle immunhistochemische Untersuchungen zur Verfügung, die in der modernen Tumordiagnostik nicht mehr wegzudenken sind. Die Abteilung betreibt hierfür ein spezialisiertes Labor und hält ein Panel von über 150 Antikörpern bereit.

Molekularbiologische Untersuchungen

Ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet der Pathologen, welches insbesondere in den letzten Jahren sehr an Bedeutung gewonnen hat, ist das Auffinden typischer Genmutationen in Tumorgeweben, was durch molekularbiologische Untersuchungen erreicht wird. Durch diese zusätzlichen Informationen können zum Beispiel prognostische Aussagen bezüglich des voraussichtlichen weiteren Verhaltens mancher Tumore getroffen werden. Insbesondere aber ermöglichen bestimmte Mutationen speziell auf diese "Gen-Aberrationen" zugeschnittene Tumortherapien (Stichwort "targeted therapy"), die teilweise bahnbrechende Erfolge in der Krebsbehandlung gebracht haben.  Die Beobachtung bestimmter chromosomaler Störungen ist aber nicht nur in der "targeted therapy" wichtig. Manche Tumore zeigen immer wieder dieselben Veränderungen bestimmter Gene, so dass diese Veränderungen auch in der Diagnostik geprüft werden können. Neben der molekularbiologischen Untersuchung von Tumorgewebe können aber auch manche Erreger von Infektionen mit Hilfe molekularbiologischer Methoden identifiziert werden. Diese Untersuchungen werden zusammen mit der Abteilung für Labormedizin durchgeführt

Diagnostik von Entzündungen

Neben der Tumordiagnostik können Pathologen auch Aussagen zu entzündlichen Veränderungen im Gewebe und deren Ursprung machen. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Bei einer Magenspiegelung werden kleine Gewebeproben entnommen. In diesen kann der Pathologe sehen, ob eine Entzündung vorliegt, die wiederum unterschiedliche Ursachen haben kann. In einer Spezialfärbung können zum Beispiel Helicobacter pylori als Ursache einer Magenschleimhautentzündung  nachgewiesen werden, die in aller Regel durch eine Antibiotika-Therapie gut behandelbar ist.

Schnellschnittdiagnostik während Operationen

Die "reguläre" Aufarbeitung von Gewebe, bis ein Befund vom Pathologen erstellt werden kann, dauert normalerweise 12 bis 24 Stunden. In manchen Situationen ist jedoch eine raschere Einschätzung der Situation notwendig, zum Beispiel während einer Operation. Hier kann wenig Gewebe mit einem sog. Kryostat schockgefroren werden. Anschließend werden von dem gefrorenen Gewebe  hauchdünne Schnitte angefertigt sowie gefärbt, was insgesamt etwa 5 bis 10 Minuten dauert. Anschließend können diese dann vom Pathologen unter dem Mikroskop beurteilt werden. Mit Hilfe dieser "Eiluntersuchung" kann der Pathologe zum Beispiel dem Chirurg schnell mitteilen, ob der Tumor vollständig entfernt wurde oder ob noch zusätzliches Gewebe entfernt werden muss.

Obduktionen

Viele halten Pathologen fälschlicherweise für Gerichtsmediziner, was häufig an einer falschen Darstellung in den Medien und zahlreichen Krimis liegt. Fakt ist, dass Pathologen natürlich Obduktionen durchführen, allerdings an Patienten, die eines natürlichen Todes verstorben sind. Ziel ist es, die genaue Todesursache und sonstige Erkrankungen herauszufinden. Die klinische Obduktion ist sowohl für die behandelnden Kollegen wie auch für die Medizin im Allgemeinen ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung. Am Gesamtarbeitsaufkommen in der Pathologie machen Obduktionen allerdings einen verschwindend geringen Anteil aus (etwa 40 Obduktionen im Jahr gegenüber Tausenden von Gewebeproben). Gerichtsmediziner, welche nach dem Medizinstudium eine vollkommen andere Ausbildung durchlaufen, obduzieren Menschen, die eines nicht natürlichen Todes verstorben sind oder der Verdacht darauf besteht.

Auffinden neuer Erkrankungen

Dadurch, dass Pathologen sich mit erkranktem Gewebe bis auf die zelluläre und inzwischen auch immer häufiger bis auf die chromosomale Ebene beschäftigen, kommen sie dem eigentlichen Ursprung der Krankheit sehr nah oder können ihn zum Teil sogar identifizieren. Damit leisten sie auch einen wichtigen Beitrag für das Auffinden neuer Erkrankungen und tragen darüber hinaus dazu bei, für diese Krankheiten Therapieansätze zu finden.

Infobox

Robert-Bosch-Krankenhaus
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