RKH Klinikum Ludwigsburg und Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart vertiefen Kooperation in der Schlaganfallversorgung
Gemeinsames neurovaskuläres Versorgungsmodell verbessert schnelle Behandlung bei schweren Schlaganfällen.
für Interessierte AktuellesPressemeldung
Ludwigsburg/Stuttgart, 10. April 2026 – Das RKH Klinikum Ludwigsburg und das Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in Stuttgart arbeiten künftig noch enger in der neuroradiologischen Versorgung zusammen. Ziel der langfristig angelegten, vertieften Kooperation ist es, insbesondere Patientinnen und Patienten mit schweren, zeitkritischen Schlaganfällen noch schneller und effektiver zu behandeln.
Schnelle Wege bei akuten Schlaganfällen
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit akuten Schlaganfällen, bei denen ein großes Blutgefäß im Gehirn verstopft ist. Dies geschieht mit einem modernen Verfahren, der sogenannten mechanischen Thrombektomie: Dabei wird das Gerinnsel über einen dünnen Katheter, der über die Blutgefäße bis ins Gehirn vorgeschoben wird, schonend entfernt.
Dank der Kooperation werden Schlaganfallpatientinnen und -patienten aus dem Robert Bosch Krankenhaus bei entsprechender Diagnose eines Blutgefäßverschlusses direkt bei der Neuroradiologie in Ludwigsburg angemeldet. Die notwendigen Bilddaten aus der Computertomographie im Robert Bosch Krankenhaus werden teleradiologisch an das Ludwigsburger Klinikum übermittelt, sodass die neuroradiologische Fachärztin oder der Facharzt in Ludwigsburg sofort entscheiden kann, ob ein Eingriff notwendig ist. Der bodengebundene Transport nach Ludwigsburg, wo die Patientinnen und Patienten im Angiographieraum übernommen und sofort behandelt werden, dauert nur rund 15 bis 20 Minuten. Wenn sinnvoll, wird bereits in Stuttgart zusätzlich eine medikamentöse Behandlung zur Auflösung der Blutgerinnsel (Thrombolyse) begonnen.
Bei Schlaganfall entscheidet das Tempo
„Zeit ist Gehirn“, betont Prof. Dr. Stephan Meckel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie am RKH Klinikum Ludwigsburg. „Bei Schlaganfällen mit großen Gefäßverschlüssen verbessert sich die Prognose erheblich, je schneller die Thrombektomie erfolgt und das Gefäß wieder geöffnet wird. Im Zuge der Kooperation haben wir die notwendigen Strukturen etabliert und die Abläufe erprobt – und das kommt direkt den Patientinnen und Patienten zugute.“
Dr. Kai‑Steffen Gabor, Ärztlicher Leiter der Schlaganfalleinheit im Robert Bosch Krankenhaus, hebt die Vorteile der Kooperation hervor: „Durch die ausgeweitete vertragliche Kooperation erhalten unsere Patientinnen und Patienten einen direkten Zugang zur hochspezialisierten neuroradiologischen Expertise des RKH Klinikums Ludwigsburg. Gerade bei schweren und anspruchsvollen Erkrankungen des Gehirns und seiner Blutgefäße ermöglicht dies eine noch schnellere, fundierte Diagnostik und gemeinsam abgestimmte Therapieentscheidungen. Gleichzeitig stärken wir als Krankenhaus unsere Versorgungsqualität und schaffen verlässliche Strukturen für eine enge fachliche Zusammenarbeit über Standortgrenzen hinweg.“
Standardisierte Abläufe und hohe Qualität
Damit alles reibungslos funktioniert, haben beide Kliniken klare Abläufe festgelegt und gemeinsam eine standardisierte Behandlungsleitlinie entwickelt. Auf deren Basis arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen beider Krankenhäuser – darunter Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie und Intensivmedizin – eng zusammen.
Über den Notfall eines Schlaganfalls hinaus kooperieren die Häuser auch bei anderen Erkrankungen der Hirngefäße, etwa Gefäßaussackungen (sogenannten Aneurysmen) oder angeborenen Gefäßfehlbildungen: entsprechende Fragestellungen können wie im Falle eines Schlaganfalls ebenfalls per Telekonsil abgestimmt werden. Dabei werden relevante Informationen zum Fall wie Befunde, Bilder oder Laborwerte übermittelt und per Telefonkonferenz beraten. Komplexe Gefäßerkrankungen können zukünftig in einer fachübergreifenden Fallkonferenz alle zwei Wochen gemeinsam besprochen werden.
Langfristige Partnerschaft über Fachgrenzen hinweg
Die neuroradiologische Kooperation ist Teil einer umfassenderen strategischen Zusammenarbeit beider Häuser, die im Kontext der Krankenhausreform vereinbart wurde. Während das Robert Bosch Krankenhaus von der Ludwigsburger Expertise in der Neuroradiologie profitiert, bringt es seine besonderen Kompetenzen in der Herzmedizin und Onkologie ein. „Gerade bei seltenen, aber besonders kritischen Fällen – etwa Schlaganfällen nach herzchirurgischen Eingriffen – ist eine schnelle und eingespielte Zusammenarbeit entscheidend“, so Prof. Dr. Meckel. „Hier zeigt sich der besondere Mehrwert dieser Kooperation.“
Neuroradiologische Expertise in Ludwigsburg
Die RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim verfügen über eine langjährig etablierte neuroradiologische Expertise. Insgesamt sechs erfahrene Ärztinnen und Ärzte stehen rund um die Uhr für neurointerventionelle Eingriffe zur Verfügung. Pro Jahr werden in Ludwigsburg etwa 150 bis 200 mechanische Thrombektomien durchgeführt. Zwei hochmoderne Angiographieanlagen neuester Generation sichern die technische Qualität.
Das Institut ist seit vielen Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal invasive Therapie (DeGIR) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) als Ausbildungsstätte zertifiziert. Aktuell läuft das Zertifizierungsverfahren zur Anerkennung als neurovaskuläres Zentrum, eine Einrichtung, die Spezialwissen und moderne Technik zur Versorgung von Erkrankungen der Hirngefäße bündelt.
Robert Bosch Krankenhaus
Die Robert Bosch Krankenhaus GmbH (RBK) ist ein von der Robert Bosch Stiftung getragenes Krankenhaus am Bosch Health Campus in Stuttgart. Seit 1978 zählt das RBK, ein Krankenhaus der Zentralversorgung mit Funktionen der Maximalversorgung, zu den Akademischen Lehrkrankenhäusern der Universität Tübingen. Mit 1.191 Betten nehmen das RBK, das RBK Standort City, das RBK Lungenzentrum Stuttgart sowie die Klinik für Geriatrische Rehabilitation im Jahr bis zu 40.000 Patientinnen und Patienten stationär auf. Rund 3.400 Mitarbeitende sorgen dafür, dass sich die Patientinnen und Patienten individuell betreut fühlen. Der Bosch Health Campus vereint alle Institutionen und Förderaktivitäten der Robert Bosch Stiftung im Bereich Gesundheit: das Robert Bosch Krankenhaus, das Dr. Margarete Fischer-Bosch Institut für Klinische Pharmakologie, das Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen, das Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin und Gesundheit, den Bosch Digital Innovation Hub, das Institut für Geschichte der Medizin, das Irmgard Bosch Bildungszentrum und das Robert Bosch Centrum für Innovationen im Gesundheitswesen.
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Foto: RKH Gesundheit – Fotograf: Benjamin Stollenberg Bildunterschrift: Dr. Kai-Steffen Gabor (2. v. rechts) freut sich über die Versorgung der Schlaganfallpatienten mit großen Gefäßverschlüssen durch die Ludwigsburger Neuroradiologie unter Leitung von Prof. Dr. Stephan Meckel (2. v. links)