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Prostataembolisation

Viele Männer leiden bereits im mittleren Lebensalter an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata, medizinisch benignes Prostatasyndrom (BPS; früher: benigne Prostatahyperplasie BPH) genannt.

Eine gutartige Prostatavergrößerung kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auch ist sie nicht immer harmlos, ohne ausreichende Behandlung kann es in der Folge zu schweren Infektionen des unteren Harnwegssystems bis zur Nierenschädigung und systemischer Infektion (Urosepsis) kommen.

Üblicherweise erfolgt bei Beschwerden eine medikamentöse Therapie oder bei nicht ausreichendem Erfolg ein urologisch-operativer Eingriff zur Verkleinerung der Prostata. Zu einer für die Betroffenen sehr schonenden und risikoarmen Alternative zu den bisherigen operativen Verfahren hat sich die wenig invasive Therapieoption der Prostataembolisation (PAE) entwickelt. Die PAE fällt in den Spezialbereich der Interventionellen Radiologie. Es handelt sich um ein neuartiges und anspruchsvolles Verfahren, das zwingend eine hohe Expertise in endovaskulären Kathetertechniken erfordert und daher nur an wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland angeboten werden kann.

In der Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin des Robert Bosch Krankenhauses wird die PAE mit entsprechender Expertise durchgeführt. Es bestehen zudem besondere Erfahrungen aus einer bislang deutschlandweit einzigartig durchgeführten aufwändigen klinischen Vergleichsstudie mit mehr als 100 Betroffenen (Investigator initiated trial IIT, PIEMONTE-Studie, principal investigator: Prof. Dr. Alexander Maßmann).

Das benigne Prostatasyndrom kann sich in unterschiedlich starker Ausprägung äußern: häufiger Harndrang (auch mit mehrmaligem nächtlichen Toilettengang), ein schwacher Harnstrahl, längeres Wasserlassen in Folge einer nur stotternden unzureichenden Blasenentleerung mit kleinen Harnportionen sowie ein Restharngefühl mit gegebenenfalls Nachträufeln nach dem Wasserlassen.

Diese Zeichen können Vorboten eines sich entwickelnden schmerzhaften Harnverhaltens und immer wiederkehrenden Harnwegsinfektionen (lower urinary tract symptoms LUTS) sein.

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Bei Fragen oder Interesse wenden Sie sich gerne jederzeit zu einer persönlichen Beratung an uns oder hinterlassen Sie Ihre E-Mail-Adresse, damit wir Sie persönlich kontaktieren können.

Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung

Die Therapieoptionen reichen von Medikamenten im frühen Stadium der Erkrankung bis hin zur operativen urologischen Behandlung zur Verkleinerung der Prostata:  Diese erfolgt abhängig vom Volumen der Prostata endoskopisch durch die Harnröhre (z. B. Transurethrale Prostataresektion (TURP) mit Elektroschlinge oder Laser (HoLEP)) oder bei sehr stark vergrößerter Prostata über einen kleinen Unterbauchschnitt durch die Harnblase (Prostataadenomektomie) in Narkose.

Prostataembolisation

Zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms steht den Betroffenen mit der Prostataembolisation (PAE; auch Prostataarterienembolisation genannt) eine weitere neuartige Therapieoption zur Linderung der Beschwerden offen. Der besondere Vorteil der Prostataembolisation: Das minimalinvasive Verfahren ist sehr präzise und schonend für die Patienten. Der Eingriff ist risikoarm und kann ambulant erfolgen.

Bei der PAE wird unter einfacher örtlicher Betäubung der Haut ein Zugang zum Gefäßsystem geschaffen und unter Bildsteuerung ein dünner Katheter mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter über die Leisten- oder Armarterie bis zur Prostata vorgeführt. Dort angekommen, wird die Gefäßversorgung zur Prostata präzise blockiert. Bei dieser sogenannten Embolisation werden über den Katheter kleinste Kunststoffkügelchen in die blutversorgenden Gefäße der Prostata eingebracht, die die Gefäße verschließen und so den Blutfluss innerhalb der Prostata reduzieren. Die PAE bewirkt dann in den folgenden Wochen meist eine Verkleinerung der Prostata. Die Harnröhre und der Blasenauslass werden nicht mehr von außen komprimiert, was die typische Beschwerdesymptomatik (LUTS) deutlich mindert oder normalisiert.

Der Blasenschließmuskel selbst wird bei der Embolisation nicht berührt, gefürchtete Nebenwirkungen der urologisch-operativen Verfahren wie Harninkontinenz, retrograde Ejakulation bzw. Narbenbildungen (Strikturen) sind daher nicht zu erwarten.

In wenigen Fällen bringt das Verfahren der Prostataembolisation nicht den gewünschten Erfolg. Dann kann gegebenenfalls eine Wiederholung oder – ohne Nachteile durch die vorangegangene Embolisationstherapie – eine der üblichen urologischen Operationsverfahren zum Einsatz kommen.

Sie möchten eine Prostataembolisation am Robert Bosch Krankenhaus durchführen lassen? Dann senden Sie bitte im Vorfeld folgende Befundunterlagen zu, auch sind Untersuchungen von Ihrer betreuenden urologischen Praxis notwendig:

  • International Prostate Symptom Score IPSS + Lebensqualität Quality of Life QoL
  • Restharnvolumen nach Miktion, Harnstrahlmessung (Qmax)
  • hochauflösende Magnetresonanztomografie (MRT der Prostata) ( nicht älter als zwölf Monate)

Zur Evaluation ist eine Blutentnahme notwendig (nicht älter als drei Monate):

  • Krebsabklärung Prostata-spezifisches Antigen PSA (mit mehreren Werten "Verlauf")
  • Nierenfunktion Kreatinin
  • Blutgerinnung: Quick/INR, PTT, Thrombozytenzahl
  • Schilddrüsenfunktion: TSH, fT3, fT4
  • aktueller Medikamentenplan

In Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin:Ihrem behandelnden Arzt sind verordnete gerinnungshemmende (blutverdünnende) Medikamente in der Verordnung anzupassen:

  • NOAK (Eliquis®, Lixiana®, Pradaxa®, Xarelto®) sind abhängig von der Nierenfunktion 24 bzw. 48 Stunden vor dem Eingriff zu pausieren.
  • Marcumar® ist mit ausreichend Vorlauf von meist einer Woche auf INR >1,5 am vorgesehenen Therapietag anzupassen.
  • Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure ASS Aspirin® oder Clopidogrel Plavix® können weiter eingenommen werden. Bei dualer thrombozytenaggregationshemmung sollte zumindest eines der beiden Präparate eine Woche vor dem Eingriff abgesetzt werden.

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