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Schwangerschaft und Krampfadern

Während der Schwangerschaft führen hormonelle Veränderungen zu Gewebe- und Gewebsstrukturumbildungen. Das Bindegewebe wird weicher und die Gefäßwände können an Stabilität verlieren. Gleichzeitig üben das wachsende Kind und die größer werdende Gebärmutter zunehmenden Druck auf die Becken- und damit auch auf die Beingefäße aus.

Risikofaktoren für Thrombosen in der Schwangerschaft

  • Lebensalter >35 Jahre
  • ausgeprägte Krampfadern
  • Thrombosen in der Vorgeschichte
  • Thrombophilie (ererbte oder erworbene Gerinnungsstörung)
  • Flüssigkeitsverluste (Erbrechen, Magen-Darm-Infekte etc.)
  • Schwangerschaft durch hormonelle Eierstockstimulation
  • Adipositas in der Frühschwangerschaft (BMI > 30)
  • operative vaginale Entbindung, Notfallkaiserschnitt und/oder starke Blutung bei der Geburt

Mögliche Folgen

  • Krampfaderentwicklung und/oder Verschlechterung eines bestehenden Krampfaderleidens
  • Massive Zunahme von Besenreiser-Varizen (bis hin zu bedrohlich wirkender blau-violetter Verfärbung im Unterschenkel-, Knöchel- oder Fußbereich)
  • Veränderungen im Hautbild (Verfärbungen, Ekzeme, Entzündungen)
  • Wassereinlagerungen im Bereich der Beine (Schwellungen, Ödeme)
  • Entwicklung von Schwangerschaftskrampfadern (im Genitalbereich) – sogenannte pudendale Varizen und Seitenastvarikosis

Aus Krampfadern können Komplikationen resultieren wie Venenentzündungen (Thrombophlebitiden) oder gar Thrombosen.

Da die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Krampfadern oder daraus resultierenden Komplikationen während der Schwangerschaft eingeschränkt sind, kommt der Vorsorge eine besonders wichtige Rolle zu. Ziel ist es, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen und Komplikationen möglichst zu vermeiden.

Eine Schwangere weist im Verlauf ihrer Schwangerschaft ein 5- bis 10-mal, im Wochenbett ein 10- bis 20-mal, höheres venöses Thromboserisiko als eine gleichaltrige nicht schwangere Frau auf.

Häufige Fragen zu Thrombose in der Schwangerschaft

Bei Schwellungen der Beine und/oder bereits sichtbaren Krampfadern können Kompressionsstrümpfe oder spezielle Schwangerschaftskompressionsstrumpfhosen helfen. Diese werden in der Regel von Gynäkolog:innen oder nach Untersuchung durch Gefäßspezialist:innen verschrieben. Tragen Sie die Strümpfe tagsüber – idealerweise bis zum Ende der Wochenbettphase, besser noch etwa 6 Wochen nach der Geburt.

Bei einem erhöhten Thromboserisiko – etwa durch angeborene Gerinnungsstörungen oder nach einer früheren Thrombose – kann während der Schwangerschaft und in der Wochenbettphase eine Thromboseprophylaxe notwendig sein, zum Beispiel mit niedermolekularem Heparin (NMH). Art und Dauer der Behandlung werden individuell festgelegt, in enger Abstimmung zwischen Ihrer Gynäkologin:Ihrem Gynäkologen und einer Gefäßfachperson.

Während der Schwangerschaft sollten alle Maßnahmen vermieden werden, die nicht medizinisch unbedingt notwendig sind. Aber was bedeutet das konkret für Sie als werdende Mutter?

Besonders sinnvoll ist ein früher Check Ihres Venensystems. So kann gezielt festgestellt werden, ob und welche Unterstützung für Sie sinnvoll ist. Ziel ist es, dass Sie eine unbeschwerte Schwangerschaft erleben und Ihr Gefäßsystem möglichst wenig belastet wird – mit minimalen Risiken und Folgen für Ihre Venen.

Nach einer Schwangerschaft stabilisiert sich das Bindegewebe – und damit auch das Venensystem – nur langsam. Etwa sechs Monate nach der Geburt sind die Reparaturvorgänge weitgehend abgeschlossen. Eine Kontrolle bei einer Gefäßspezialistin:einem Gefäßspezialisten zu diesem Zeitpunkt ist daher besonders sinnvoll: So kann ein individuell auf Sie zugeschnittenes Behandlungskonzept erstellt werden.

In seltenen Fällen kann eine frühere Kontrolle oder Behandlung notwendig sein. Sollte dies bei Ihnen zutreffen, wird dies im Rahmen der Betreuung während der Schwangerschaft entsprechend besprochen.


Besenreiser können circa 6 Wochen nach Geburt bzw. nach Beendigung der Stillzeit behandelt werden. Das verwendete Verödungsmittel geht nicht in die Muttermilch über, dennoch besteht während der Stillzeit ein Risiko für Hyperpigmentation – also für eine vorübergehende Dunkelfärbung der Haut. 


Von Ihrer gynäkologischen oder gefäßchirurgischen Facharztpraxis verschriebene Kompressionsstrümpfe oder spezielle Schwangerschaftskompressionsstrumpfhosen sollten tagsüber bis etwa 6 Wochen nach der Geburt getragen werden.

Bein- und Gefäßgymnastik – ähnlich wie Rückbildungsgymnastik – sollte so früh wie möglich begonnen oder fortgeführt werden. Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking können aus gefäßchirurgischer Sicht durchgeführt werden, sobald dies auch von Ihrer Gynäkologin bzw. Ihrem Gynäkologen freigegeben ist.

Da sich das Bindegewebe nach einer Schwangerschaft nur langsam wieder festigt und die Reparaturvorgänge des Körpers etwa sechs Monate dauern, sollte in diesem Zeitraum auf Saunabesuche verzichtet werden.