Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin

Akute myeloische Leukämie

Leukämie ist eine bösartige Erkrankung (Blutkrebs). Leukämie bedeutet "weißes Blut" und geht mit einer Überproduktion von unreifen weißen Blutzellen (Blutkörperchen) im Knochenmark einher. Weiße Blutzellen oder Leukozyten sind Abwehrzellen und gehören zum Immunsystem des Menschen. Sie schützen den Körper vor Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen und sorgen im Fall einer Infektion für die Zerstörung der Krankheitserreger. Blutzellen werden im Knochenmark gebildet, das als schwammartiges Gebilde die großen Knochen des Körpers ausfüllt. Dabei unterscheidet man die myeloische Reihe, die als voll funktionstüchtige Zellen aus dem Knochenmark ins Blut übertreten.

Ursachen

Normalerweise sind Entstehung und Ausreifung der weißen Blutzellen streng reguliert in einem harmonischen Gleichgewicht. Ursache der AML ist die bösartige Veränderung einer unreifen myeloischen Zelle. Die zugrunde liegende Genveränderung ist nicht erblich, sondern tritt im Laufe des Lebens auf.
Die AML kann alle Altersgruppen betreffen. Bei Erwachsenen tritt sie im Mittel im Alter von 62 bis 64 Jahren auf, wobei Männer etwas häufiger erkranken als Frauen.

Die wichtigsten Symptome der AML

  • Allgemeine Schwäche und Unwohlsein, "Leistungsknick"
  • Blutarmut (Anämie)
  • Haut- und Schleimhautblutungen
  • Verminderung der Thrombozyten (Thrombopenie)
  • Zahnfleischwucherung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Vermehrung der Leukozyten (Leukozytose)
  • Hauttumoren (Chlorome)
  • Gelenk- und Knochenschmerzen
  • Verminderung der Leukozyten (Leukopenie)
  • Blutungsneigung 

Die Symptome der AML entstehen zum einen durch die Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark und dem daraus resultierenden Mangel an gesunden, funktionsfähigen Blutzellen, also Leukozyten, roten Blutkörperchen und Blutplättchen.

Therapie

Nach den bisherigen Erkenntnissen kann durch Polychemotherapie in etwa 50 bis 80 Prozent der Fälle eine Krankheitsfreiheit (Remission) erzielt werden. Die Dauer der Remission ist jedoch häufig begrenzt und darf noch nicht mit einer langfristigen Heilung gleichgesetzt werden.

Mit einer hoch dosierten Chemotherapie und der Transplantation von eigenen Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark können 40 bis 60 Prozent der Remissionspatienten langfristig krankheitsfrei bleiben.

Mit der hoch dosierten Ara-C (Cytosin-Arabinosid) Therapie kann bei 40 bis 50 Prozent der bis 60-jährigen Remissionspatienten eine lang anhaltende Krankheitsfreiheit erreicht werden. Erwünschte Wirkung der Therapie ist eine vollständige, in vielen Fällen allerdings zeitlich begrenzte, Zurückdrängung der akuten myeloischen Leukämie.

Prognose

Die Prognose der Erkrankung ist in erster Linie von den Chromosomenveränderungen der Leukämiezellen abhängig. Als weitere Prognosefaktoren gelten u.a.

  • Ansprechen des Patienten auf die Therapie
  • Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)
  • Lebensalter des Patienten
  • Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten

Mit den neuen Behandlungsmethoden hat sich die Prognose insgesamt für Patienten unter 65 Jahren deutlich verbessert. Fast die Hälfte der Kinder und jungen Erwachsenen können heute eine langfristige Heilung erwarten. Für ältere Patienten über 65 ist die Prognose wesentlich ungünstiger als für junge Patienten. Gründe dafür sind die größere Anzahl der Chromosomenveränderungen bei älteren Menschen und begleitende Erkrankungen, die eine hoch dosierte Therapie, wie sie bei jüngeren Menschen angewandt wird, nicht zulassen.

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